Seit 2003 lautet das Endspiel der Division I Salzburg gegen Wien. Als ob die beiden Teams dieses fix für sich gebucht hätten. So knapp wie heuer ging es aber noch nie her.
Das Finale hätte genausogut Dragons vs. Invaders lauten können. Hätte. Wenn da nicht die Invaders wieder mal ein Mal um einen Score auf der Schmelz im Halbfinale verloren und die Dragons Defense im anderen Playoffspiel die Nerven weggeworfen hätten. Ja dann schon. Nur so war es nicht.

Spannende Saison
Die Division I Saison wurde bereits im Frühjahr als die am heißesten umkämpfte tituliert. So war es dann auch. Einigen Teams wurden Chancen auf den Titel zugesprochen, die meisten zeigten sich dieser Vorschußlorbeeren auch gerecht. Die Budapest Wolves zum Beispiel. Jungwölfe, noch unerfahren, frisch aufgestiegen, waren zwei Mal knapp dran den Meister Vikings II zu vernaschen. Das gelang nicht, das Playoff Genick brachen ihnen die Danube Dragons im eigenen Stadion, in dem die Ungarn heuer zum ersten Mal auch Niederlagen hinnehmen mußten. Trotzdem war ihr Auftritt in der Division I ein die Liga bereichender. Ob mit oder ohne Nackedeien.

Auch die Dragons haben alle Unkenrufer (uns miteingeschlossen) überrascht. Nach der Auftaktniederlage gegen die Invaders hat niemand mehr einen Cent auf den K’burger Familienbetrieb gesetzt. Ihre Rache war dieses Mal nicht Apfelstrudel, sondern Blutwurst. Siege en Suite, neben leichteren Triumphen (2 Mal Rangers) fauchten die Drachen auch die Invaders an, bissen die Wölfe & labten sich an Haifischflossensuppe. Diese politische Unkorrektheit brachte sie bis ins Halbfinale, wo sie sich denkbar unglücklich an den Hörnern von Stieren aufgerieben haben.

Die Steelsharks (Ausrichter der Silverbowl) waren trotz ihres Namens weder Fisch noch Fleisch. Dem klaren Auftaktsieg über die Raiders II, folgte eine bittere Heimniederlage gegen die Wolves. Es blieb bei hui & pfui. Noch mal ein Kantersieg gegen die Tiroler, gefolgt von einer deftigen Salzburger Watsche. Am Ende reichte dieses auf und ab nur für Platz 5 in der Abschlußtabelle. Inkonsistenz pur, aber mit Potential nach oben.

Die Invaders aus St. Pölten machten mit ihrem neuen Headcoach einen Schritt nach vorne mit ihrer Offensive. Mit dem versteckten Dasein ihres Quarterbacks hatte es ein Ende, es wurde auch das Paßspiel wiederentdeckt. Dem Spielmacher brachte das eine Einberufung ins Nationalteam und den Invaders ein Ticket für die Playoffs. Dort hieß die Endstation wieder einmal Vikings. Frust pur in der Landeshauptstadt – die Rotgoldenen können an den Wikingern einfach nicht vorbei. Trotzdem war die Saison von einigen schönen Höhepunkten begleitet, beim Auftaktsieg gegen die Dragons, aber auch im Halbfinale gegen die Vikings zeigte das Team sehr ansprechende Leistungen.

Enttäuschungen & Blamagen
Weniger erfreulich war das Auftreten der Baden Bruins. Eine Blamage für die Badener, daß sie es als einziges Team nicht geschafft haben ihre Saison zu beenden. Ein Sieg gegen völlig desolate 20 Jahre Jubilare aus der Südstadt hievte sie noch auf den vorletzten Platz. Das letzte Match konnte man nicht mehr spielen, eine Fusion mit den Rangers steht im Raum. Besser ist es, denn auch mit den Finanzen schaut es in der Kurstadt düster aus. Abwanderungsgerüchte machen sich breit, Spieler wollen ihre Karrieren beenden, andere den Verein wechseln. Ein Trauerspiel, dessen Hauptdarsteller nicht alleine der Präsident ist. Auch wenn das viele glauben. Eine Trainingsbeteiligung als handle es sich um ein Beach Volleyball Team, vorhanden ist noch ein tapferes Juniorenteam. Das hat quasi die Saison auch bestritten. Der frühzeitige Ausfall des Quarterbacks kann nicht darüber hinweg täuschen, daß es sich bei den älteren Semestern der Badener nicht gerade um ausgesuchte Trainingsbären handelt.

Nicht viel besser, jedoch wenig überraschend, war die erneute verkehrte perfect season der Rangers. Der ehemalige Austrian Bowl Teilnehmer hat sich seit dem Finale in der höchsten Liga 1992 nur mehr äußerlich verändert. Falten in den Gesichtern, Strukturrheuma & Innovationsgicht. Der Rücken schmerzt, doch man bleibt beharrlich dabei keine Kur zu benötigen. Blau Gold bis in den Tod. Die Stunde naht, Früherkennung hätte den völligen Untergang in die Bedeutungslosigkeit verhindert.

Anders sieht die Sache beim noch regierenden Division II Champion Raiders II aus. Sanft in die Division I gezwungen, hatte man bisweilen das Gefühl die Tiroler würden sich heimlich verweigern. Niederlagen wo man auch antrat. Doch plötzlich ein Sieg gegen die Salzburg Bulls. Ein historischer noch dazu, denn es war der erste überhaupt in der Geschichte. Den wollte man also haben. Man kann es also doch? Um den Titel in der zweiten Liga mitspielen? Die Antwort kennt nur der Innsbrucker Fön, denn danach verlor man alles was es zu verlieren gab. Platz 7, allerdings mit vielen Fragezeichen. Eventuell waren es auch die anfänglichen Turbulenzen im ersten Team, daß die Zweier komplett aus dem Focus der Aufmerksamkeit verschwanden. Schade drum, denn die Tiroler können weit mehr als sie gezeigt haben.

Die beiden Finalisten
Die Salzburger, als Punktezuchtbullen erster Güte, erzielten 221, 36,8 pro Partie. Running up the score lautete der Vorwurf von so manchen Opfern der Salzburger Touchdown Geilheit, ‚wir wollen sicher in die Playoffs‘ war die Antwort der Mozartstädter auf diese. Der Erfolg gab ihnen recht. Sie landeten nicht nur dort, sondern schlußendlich wieder im Finale.

Die Vikings II sind als einziges Team ohne Niederlage geblieben, wobei man einige Male gefordert wurde. Bereits die Wolves machten den Wienern auf der Schmelz das Leben schwer, die Invaders erwiesen sich im Playoff wieder Mal als zähere Braten. Doch auch den konnte man am Ende zerkauen.

Obwohl die Teams nur knapp ins Finale kamen, handelt es sich dabei um keinen Zufall. Auf beiden Seiten stehen außergewöhnliche Spielerpersönlichkeiten am Feld, einige davon sind nun auch im Aufgebot des Nationalteams zu finden.

Summa Summarum
Eine Saison mit Licht und Schatten, wobei etwas mehr Sonne am Himmel zu sehen war als Wolken sich blicken ließen. Das letzte Spiel in Traun am kommenden Samstag soll als Höhepunkt der würdige Abschluß der zweiten Liga werden. Die Steelsharks richten die Silverbowl aus, die Oberösterreicher treten selbstbewußt mit einem mutigen Programm an.

Silverbowl XVII
Dodge Vikings T2 vs. Salzburg Bulls
8. Juli 06, Kickoff 16:00
Stadion Traun, Traun
Referees: Albrecht / Müllner / Bremser D. / Windsteig / Praher / Edelmüller

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