So glaubten einige vorher (darunter auch Vertreter der beiden Teams), daß die Karten neu gemischt seien, die Raiders vielleicht einen Schritt näher an den Vikings dran wären oder gar gleichgezogen hätten.
Ihr Glaube daran, daß sich Dinge verändern könnten wurde in seinen Grundfesten erschüttert. Auf beiden Seiten sah man insgesamt fast ein Dutzend neue Spieler verglichen zum Vorjahr, der Spielverlauf und das Endergebnis hätten aber durchaus auch aus dem Jahr 2005 stammen können. The same procedure as last year.

In einem Match arm an spielerischen Höhepunkten, dafür reich an Verletzungen auf beiden Seiten, hatten die Dodge Vikings auch ohne ihrem Head Coach Tom Smythe, ohne Shawn Olson als Spielmacher und ohne dem genialen Lance Gustafson klar die Nase vor den Swarco Raiders. Wer mutmaßte Vikings QB Toby Henry würde auf Grund seiner Herkunft (2. dt. BL) gleich im ersten Match die Nerven verlieren, der irrte. Zwar spielte der Mann von den Langenfeld Longhorns alles andere als eine große Partie, aber er machte kaum Fehler, dafür einen gelassenen und ruhigen Eindruck. Was man vom neuen Raiders Spielmacher Michael Pozzi ganz und gar nicht behaupten konnte. Der Riese aus Kansas versuchte die Big Plays zu erzwingen, warf dabei fünf Interceptions und war auch sonst mit sich und der Welt alles andere als im Einklang. Einen Einstand nach Maß durfte Vikings RB Clinton Graham feiern. 22 Versuche, 137 Yards Rushing und zwei TDs. Es wird eine Saison mit vielen Graham-Yards und Touchdowns werden und alsbald wird er sich in die Herzen der violetten Anhängerschar gelaufen haben.

Verletzungspech auf beiden Seiten
Die Raiders traf es dabei am Härtesten. Bob Olympiateilnehmer Andreas Pröller (WR) verletzte sich bereits beim Aufwärmen an der Hand und wurde noch vor dem Kick Off ins Spital gebracht. Nicht viel später tat ihm das RB Florian Grein gleich, renkte sich einen Finger an der linken Hand aus und leistete Pröller im Krankenhaus Gesellschaft. Eine massive Schwächung für die Heimmannschaft. Bei den Vikings fiel WR Pasha Asiladab mit einem Schlüsselbeinbruch ebenfalls früh im Match aus. Er wird nächste Woche operiert und muß mindestens sechs Wochen pausieren.

Die Partie
Neil Maki erinnerte gleich beim Kick Off Return an die Saison 2005. Zwar gab es diesmal keinen Touchdown durch den Dual Finnen, aber einen langen Return, wobei er einige Tackles durchbrach. Clinton Graham erstmals im Vorwärtsgang zu zum First Down. Toby Henrys erster Paßversuch – weit überworfen. Die Vikings Offensiv Maschine stotterte. Vierter und aus. Raiders QB Michael Pozzi versuchte seine Wide Receiver Jakob Dieplinger und Thomas Lerch in Spiel zu bringen aber es blieb meistens beim Versuch. Besser in Szene setzten konnte sich da noch Florian Grein mit zwei Läufen. Das war jedoch nicht genug, die Raiders mußten den Ball via Punt abgeben. Luke Atwood mit einem von sehr vielen Fair Catches an dem Tag. Ralph Pointner für 1 Yard, Clinton Graham für 5 + nochmal 4 Yards, ergab in Summe 10 – First Down. Henry versucht weiter zu passen, aber seine Bälle gehen vorläufig über Freund und Feind hinweg. Wieder wird gepuntet. Peter Kramberger bis knapp vor die Raiders Endzone, Neuzugang Mohammed Muheize (DB) kann den Ball zwar noch aufnehmen, kommt mit ihm aber nur mehr bis zur eigenen 10 Yard Markierung . Wieder war es Flo Grein für einige Yards, ein First Down ermöglicht die Vikings Defense mit einem Offside. QB Pozzi muß danach erstmals zu Boden. Ein Sack mit 15 Yards Raumverlust. Er konnte im nächste Spielzug noch einiges gut machen, aber das Punt Team mußte wieder aufs Feld. Hört sich alles nicht aufregend an? War es auch nicht!

Wobei das Wetter zumindest nicht ganz schlecht war und die rund 3000 Zuseher am Tivoli, darunter auch sehr viele Vikings Anhänger, sich bestens gelaunt zeigten. Es ging hin und her, aber es passierte quasi nichts. Beziehungsweise halt das. Toby Henry machte seine erste Completion. Der Empfänger hieß Pasha Asiladab. Sein erster und letzter Catch – im nächsten Spielzug verletzte sich der österreichische Wide Receiver und schied mit einem Schlüsselbeinbruch aus. Henry wirft und wirft, verfehlt nach wie vor sein Ziel, aber, nicht ganz unwichtig, dabei auch die Cornerbacks der Raiders. Mario Rinner erwischt Henry und bringt ihn zu Boden. Kein QB Sack, sonder Penalty gegen die Raiders – Rinner startete zu früh. Der Ami, leicht darüber verärgert, rushte im nächsten Spielzug für 20 Yards. Clinton Graham ging an die Raiders 4 Yars Linie und plötzlich brannte der Hut schwarzen Swarcos. Er wurde nimmer gelöscht. Henry mit dem Anlauf – Handover zu Graham – Touchdown Vikings. Es blieb nach dem PAT bei 0:6 (Bad Snap beim Kickversuch). Peter Kramberger war darüber nicht happy. Michael Süß returned den Kick der Vikings an deren 40 Yard Linie. Eine gute Ausgangsposition war hergestellt. Vermeintlich aber nur, denn QB Michael Pozzi trat mit seiner ersten Interception zu DB Shawn Leever in Aktion. Es lagen zwar gleich vier Flags am Spielfeld, (Block in the Back gegen die Vikings, Personal Foul gegen die Raiders) – es blieb aber bei der Interception, dazu setzte es in Summe noch eine Strafe für die Raiders. Gleichzeitig das Ende des ersten Viertels und das Ende des Spiels für Florian Grein. Ein Finger an der linken Hand aus dem Gelenk. Ab ins Spital. Der Anfang vom Ende für die Tiroler.

Ein Blitzstart von Clinton Graham ins zweite Viertel: 15 Yard Rush – Touchdown – 0:12. 2 Point Conversion Versuch die erste: Pass Henry auf Atwood – Pass Interference. Half the distance to the goal line. 2 Point Conversion Versuch die zweite: Graham durch die Mitte auf und davon- 0:14. Beim Kick Return verletzt sich zu allem Überdruß für die Tiroler auch noch Raiders DL Viktor Skradski.

Die Raiders Offense wollte oder konnte nicht zu sich finden. Es ging kaum etwas nach vorne für sie. Wieder mußte gepuntet werden. Fair Catch Nummer drei von Luke Atwood – die Vikings gingen es ruhig an. Henry wieder zurück in alter Wurfform – immer schön 10 Yards über alle drüber. Wäre da Raiders DL Andreas Trconic (#62) nicht mit einem Personal Foul zur Stelle gewesen. 15 Yards Strafe – First Down. Das wurde alles von den Gästen wieder zurückgegeben. Ein False Start der OL, zwei Sacks an Henry (Philipp Margreiter) und man fand sich bei 4 & 25. Die schwächste Phase der Vikings O. Den Punt nahm Mohammed Muheize gerade auf als Daniel Fettner in den Jordanier einschlug. Ein Hinkefuß der Raiders, eine Glanz Unit der Vikings: die Special Teams. Florian Grein Ersatz, RB Andreas Hohenrieder, hatte es Anfangs nicht leicht, dafür später sehr schwer. Mit 1,75m und nur 80 Kilo ging über die Seite wenig, durch die Mitte noch weit weniger. Ein 6 Yard Lauf zu diesem Zeitpunkt war schon outstanding. Herr Pozzi sieht das ein, scrambled, geht selbst, wirft kurz vor der LOS einen langen Paß auf – Mario Floredo. Der gehört aber zum Gastteam und deshalb war das Pozzis zweite Interception. Clinton Graham spulte seine Yards runter, Henry überwirft um 15 Yards Johannes Neusser (der Junior kam für Asiladab in die Starting Unit). Ein vierter Versuch wird von den Vikings ausgespielt. I-Formation – Graham verliert Raum und die Raiders gewinnen den Ball. Jakob Dieplinger, von QB Pozzi immer öfter gesucht und manchmal auch gefunden. Trotzdem waren noch drei Yards zu gehen als die Raiders mit ihren nächsten 4th down konfrontiert wurden. Ein Wunder muß her. Bestellt – serviert. Vikings – False Start – First Down. Raiders Vizepräsident Gerwin Wichmann im Interview mit dem Stadionsprecher prophezeite die Wende. Anzeichen am Feld gab es dafür freilich noch keine handfesten. Grein fehlte. Halbzeit bei 0:14.

Zu Beginn des dritten Viertels riß sich der Raiders Spielmacher am Riemen. Jakob Dieplinger entwickelte sich zu seiner Lieblingsanspielstation, große Plays sah man aber nie. Hier ein paar Yards, da ein paar Yards, ein Measurement, ein First Down. Mühsam ernährt sich der Seeräuber. Lange Pässe auf Dieplinger kann der junge Tiroler nicht, bzw. nicht innerhalb Outlinien sichern. Trotzdem schaute das jetzt gleich viel besser aus als noch zur ersten Hälfte des Spiels. Pozzi-Dieplinger funktioniert fast ein Viertel lang gut. Auch Thomas Lerch, vom ansonst sattelfesten Platzsprecher konsequent Thomas Lech genannt, meldete sich zurück. Sein Catch brachte den Raiders aber knapp kein First Down – 4th & 1. Wieder eine heikle Situation. Was tun? Die Antwort: Ein Big Play von Pozzi auf Dieplinger – Touchdown Raiders. 7:14 (PAT good). Die stärkste Phase in ihrem Spiel konnten die Gastgeber mit einem Score krönen. Das Publikum ausgelassen, will die Raiders nach vorne peitschen.

Im Gegenzug aber ein kurzzeitig losgelöster Toby Henry am Werk. Drei Spielzüge für sechs Punkte. Ein Run Graham. Ein Pass auf Joe Widner (35 Yards) und einer auf Wolfgang Hable (45 Yards) zum nächsten Touchdown für die Wikinger. 7:21 (PAT good). Schau an – er kann ja. Die Raiders Offense versank nach der starken Anfangsphase im dritten Viertel wieder im spielerischem Nirvana. Michael Pozzi wurde der Ball aus der Hand geschlagen und einfach weg genommen. Was noch nicht so schlimm war, denn Toby Henry beging gleich im Gegenzug mit einer Interception seinen ersten und einzigen schweren Fehler. Die Vikings D aber stets am Posten und immer dafür gut den Ball zurückzuerobern. Die Raiders Offensive erlahmte zusehends. Die der Vikings eher weniger. Henry, nach vielen Incompletions, einem Touchdown und einer Interception überwirft Luke Atwood nämlich nur mehr um 5 Yards. Zukünftige Freunde nähern sich an. Noch viel näher stand ihm Joe Widner. 43 Yard Pass Richtung Raiders Endzone. Das letzte Viertel war angebrochen und in jenem fand Toby Henry erneut Wolfgang Hable in der Endzone zum 7:27 (PAT blocked). So begann es, das 4th quarter und mit Strafen gegen die Raiders ging es weiter. Shawn Leever fängt erneut einen Pass vom Raiders QB (seinen zweiten, den insgesamt dritten) und die Vikings sagen zu den vielen Geschenken manchmal auch Danke. Wenn auch nicht immer. Clinton Graham debattierte bei diesem Spielzug mit einem Sidejudge. Jakob Dieplinger fühlte sich angesichts der Lautstärke angesprochen und meinte zu Graham er solle doch ‚chillen‘, was dieser mit ‚Ich für meinen Teil bevorzuge erst nach dem Match zu chillen.‘ quittierte. Das war gemein! Gerade Dieplinger machte einen recht munteren Eindruck, was alles am Ende nichts half, denn Kollege Pozzi machte im gleichen Viertel noch seine Interception Nummer 4 (Florian Grünsteidl) und Nummer 5 (Mario Floredo) letzterer den Ball selbst auch in die Endzone zum Endstand von 7:34 tragen konnte. So etwas, oder zumindest etwas sehr ähnliches sah man voriges Jahr bereits von der Raiders Offense, interessanter Weise fast immer nur gegen die Vikings.

Fazit:
Kein Licht am Ende des Wikingertunnels für die Raiders in Sicht. Sie können jetzt nur hoffen, daß Florian Grein schnell wieder gesundet und ihr QB ’nur‘ einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, im Stadium des Versuchs den Irrtum traf und sich nun umgehend eines Besseren besinnen wird. Spielt er in der Tonart munter weiter, dann haben die Turek Graz Giants nächste Woche alle Chancen in Eggenberg. Oder Pozzis Backup Bernhard Wohlfart bei den Raiders. Wie auch immer sollte der Mann mehr drauf haben als nur groß und schwer zu sein. Seine angekündigt gefährliche Wurfhand war auch stets eine Gefahr. Allerdings für die Raiders. Der wahre Elchtest für die Vikings findet am 2.4. statt. Hält die Wikinger Festung auch den Ansturm der Cineplexx Blue Devils stand, dann schaut es für die Wiener mal nicht schlecht aus. Wobei Geschenke der Art von den Vorarlbergern nicht zu erwarten sind.

Auffällig unauffällig die Imports bei diesem Spiel. Atwood und Henry hintergründig, Latek solide, Maki & Martyna anwesend, Graham outstanding bei den Wienern. Die Raiders Defense, gespickt mit vier Legionären, Kellmann, Muheize, Ellingson, Segovia bestenfalls Mittelmaß. Ins Auge stießen neben Clinton Graham die Österreicher Wolfgang Hable, Mario Floredo (Vikings), sowie Jakob Dieplinger und Thomas Lerch auf Seiten der Raiders. Interessant in dem Zusammenhang wer der neue Star für die Vikings Fans ist. Nämlich der alte. Shawn Olson wurde bejubelt und gerufen. Jener sich anfangs noch zierte, aber dann doch zu den Fans zum gemeinsamen Abklatschen lief. Es wird Olson nichts anderes übrig bleiben als zu akzeptieren, daß er der Star des Teams bleibt. Auch als Head Coach, der er offiziell nicht ist. Es gibt schlimmere Schicksale.

Gameday Live vom Tivoli:
Erstmals übertrugen die Swarco Raiders gemeinsam mit ihrem Webpartner ConneXion das Match live via Webchat ins Internet. Die Sache kam gut an – bis zu 100 Interessierte Gleichzeitig loggten sich ein. Viele Zuschauer auch im Stadion, der Outcome von 30.000 verteilten Familienfreikarten durchaus spürbar.

AFL
Swarco Raiders Tirol vs Dodge Vikings 7:34

(0:6/0:8/7:7/0:13)
25.03.2006, Kick Off: 15:00h,
Tivoli Neu, Innsbruck,
Zuschauer: 3200
Referees: Edelmüller / Müllner / König M. / Windsteig / Kuntschik / Lair

Football-Austria.com Spielbewertung
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
 Football-Austria.com MVPs: Clinton Graham (Vikings)

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