Es war ein gewaltiger Schock für die Salzburger, als nach deren Beschluss nicht in der höchsten Liga anzutreten vier Stützen des Vereins den Bulls den Rücken kehrten. Narobe war davon auch persönlich betroffen, kennt er viele seiner Spieler von Jugendjahren auf. Ein Niederschlag, aber kein Knock-out, denn Alexander Narobe steht wieder und sieht auch viel Positives bei den Bullen.

FA: Zufrieden mit dem Ergebnis der Ligassitzung?

Alexander Narobe: Was die Ligaeinteilung betrifft sehr sogar. Es ist gut, dass man die beiden Teams raufgeholt hat, denn sie stellen eine Bereicherung für die erste Division dar. Es gibt jetzt ein Grunddurchgangsspiel mehr, bis ins Finale sind es zehn Matches – das ist eine Herausforderung. Ich schätze die Knights sehr stark ein mit Tino von Eckardt als Coach. Er hat ja auch etwas zu beweisen. Das Team wird hochmotiviert in die Meisterschaft gehen und sind damit ein brandgefährlicher Gegner. Das gilt auch für die Gladiators – auch die werden unter Umständen überraschen und mithalten können. Für mich wäre es gar nicht so überraschend, wobei ich die Knights hier vom Gefühl her noch stärker einschätze, weil von Eckardt da einfach viel bewegen kann. Wir werden es sehen – ich denke es wird eine ganz enge Meisterschaft.

Was halten Sie von der Spielgemeinschaft Titans?

Ich finde es in Ordnung, dass die Rangers und Bruins als gemeinsames Team oben bleiben. Das ist ihre letzte Chance und daher darf man auch sie nicht völlig ausser Acht lassen. Sie müssen jetzt aufpassen bei der Sache, denn wenn sie das nicht geschickt machen, bleibt am Ende eventuell nicht mehr viel über. Ich habe so etwas schon hinter mir in Salzburg. Das hat damals nicht viel gebracht und wir haben einige Jahre gebraucht um uns davon wieder zu erfangen. Aber wie gesagt finde ich es völlig okay, dass den beiden Teams die Chance in der kommenden Saison eingeräumt wird.

Kommen wir zu Salzburg – wie sehen die sportlichen Ziele aus?

So komisch es klingen mag, aber es gibt kein Ziel. Man weiss ja was bei uns passiert ist und wie es bei uns in den letzten Wochen und Monaten zugegangen ist. Mich hat das auch persönlich getroffen, weil ich die Buben ja alle schon lange kenne. Aber das ist jetzt so und es hat auch positive Seiten gehabt. Durch das Team ist jetzt ein Ruck gegangen, die Jungen sehen ihre Chance, die Trainingsbeteiligung ist gut und ich freue mich schon auf die Saison. Sportliches Ziel gibt es deshalb keines, weil es mal in erster Linie darum geht uns wieder zu finden. Wenn wir die Playoffs erreichen bin ich glücklich, wenn wir sie verpassen nicht unglücklich.

Wir sind damit auch nicht mehr Mitfavorit für die Silverbowl wie die letzten vier Jahre, wo wir jeweils im Finale standen und ein Mal die Liga gewinnen konnten. Auch das war eine Last die wir jetzt nicht mehr zu tragen haben. Die Favoriten sind jetzt andere, wir können befreit aufspielen und positiv überraschen, weil die Erwartungen nicht mehr so hoch sind. Zusammenfassend kann man sagen, dass es unser mittelfristiges Ziel ist dorthin zu kommen wo wir zuletzt waren. In der Division I vorne mitspielen, Nationalteamspieler im Team haben und eines Tages, so das langfristige Ziel, wieder in der höchsten Liga zu spielen. Das wird alles nicht 2007 passieren, aber es wird wieder passieren.

Es gibt Gerüchte die besagen Diwald, Miribung & Co. plage bereits ein wenig Heimweh?

Sollte es so sein, dann freut es mich, aber dahingehend gibt es keine Anzeichen. Ich kenne sie ja und die werden das jetzt mal durchziehen und das sollen sie auch tun. Wer weiss schon was in ein, zwei Jahren ist. Es hat ihnen ja niemand Türen zugemacht – sie sind gegangen. An mir wird es nicht liegen, wenn sie eines Tages wieder reingehen wollen. Sie bleiben meine Buben. Jetzt müssen wir aber mal ohnen ihnen auskommen und wie ich sagte hat das auch positive Seiten. Die Jungen scharren in den Startlöchern.

Ab 2007 sind zwei Klasse-A Spieler in der Division 1 zugelassen. Wie steht man in Salzburg dazu.

Absolut positiv. Wir waren ja auch dafür. Es ist wichtig, dass in der Vorstufe der AFL die Teams auch mal mit Legionären in Kontakt kommen. Damit meine ich Footballspieler die wirklich einen Unterschied ausmachen. Es verändert sich der Gamespeed, das Playbook, es steigert die Qualität des Spiels und der Mannschaft und man kommt auch mit den administrativen Dingen in Kontakt. Ich bin dafür kritisiert worden weil die Bulls nicht von 0 auf 100 gekommen sind. Man stelle sich bitte mal den Unterscheid zwischen der Division I und der AFL vor: In der Division I hatte ich keinen Legionär, ich brauchte daher auch kein Budget. In der AFL, wenn ich es ernst nehme, dann muss ich zumindest drei, vier difference-maker im Team haben, eher mehr, sonst kann ich gleich wieder heimgehen. Das heisst wir hatten vorher gar nichts mit diesen Dingen zu tun, mussten dafür auch kein Geld auftreiben und auf ein Mal brauche ich eigentlich sechs Legionäre. Wir konnte das einfach nicht ruhigen Gewissens tun, weder finanziell noch organisatorisch, daher bin ich heute sehr froh, dass wir das vorher erkannt haben und unten geblieben sind. Daher freut es mich auch, dass die Regelung jetzt so ist. Man kann so wichtige Erfahrungen sammeln – wenn man das will.

Wollen die Bulls diese Erfahrung sammeln?

Wenn wir dafür das Geld aufbringen können, dann werden wir es tun. Natürlich.

Ab dem kommenden Jahr ist es Pflicht für Division I Teams eine Junioren Mannschaft zu stellen.

Waren wir auch absolut dafür. Die Erfahrung vom Vorjahr bei den Big Boys war eine gute. Hört sich vielleicht seltsam an, weil wir einige Male ordentlich eine drauf bekommen haben, allerdings haben wir auch ein Spiel gewonnen. Der Unterschied zum Junioren-Cup war enorm. Es wird schneller und auch physischer gespielt, das Level ist einfach ein höheres. Eine gute Erfahrung für unsere Spieler, denn es wurde ihnen gezeigt wo es langgeht. So lernt man viel mehr, so ist die Motivation auch höher sich selbst auf das Niveau begeben zu wollen durch Training. Daher werden die Bulls nicht mehr Junioren-Cup spielen, sondern auch 2007 in der Meisterschaft antreten. Das bringt einfach mehr.

Zwei andere Anträge betrafen verpflichtende Nachwuchsmatches im Frühjahr und die Aufstockung der Mindestspieleranzahl von 16 auf 18 bei den Junioren.

Ja. Und da waren wir dagegen.
Es gibt zwei Dinge die man bei den großen Teams mal verstehen sollte.
Erstens: es gibt heute, meines Wissens nach, keinen Verein in der AFL und in der Division I welcher nicht mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versucht Nachwuchsarbeit zu betreiben. Falls doch, dann soll man mir sagen wer. Es gibt hier, wie früher mal, keine Schlafmützen mehr. Wir reden ja alle miteinander. Die Blue Devils, Black Lions, Giants, Steelsharks usw. usf. Kurzum: wir alle versuchen doch was möglich ist. Wir suchen hier sogar Kooperationen. Wir werden z.B. unsere Minis im kommenden Jahr, weil wir selbst vermutlich kein ganzes Team zusammen bekommen werden, bei den Steelsharks mitspielen lassen, damit sie überhaupt Spiele haben. Ähnliches gibt es ja auch in Niederösterreich. Wir alle gehen in Schulen, machen Flag-Programme, Quereinsteiger Trainings, Tryouts und versuchen damit zu mehr Nachwuchs zu bekommen. Vielleicht machen wir das ja alles komplett falsch. Dann soll man es uns bitteschön auch sagen, wenn man es besser weiss. Vor allem in Salzburg soll mir das mal jemand zeigen, denn die Stadt ist im Würgegriff von Fußball und Eishockey und hat 150.000 Einwohner. Gehen Sie mal als American Football Verein zur Stadt. Die lachen einen aus. Hier ist Mozart, hier ist Kultur und hier ist Red Bull Salzburg am Eis und im Fußballstadion. Alles andere zählt nicht. So ist das und das ist das erste, dass niemand glauben darf, dass wir alle böse Nachwuchsarbeitsverweigerer wären. Das stimmt nicht!

Das zweite wäre, wenn man das erste mal erkannt hat, dass man dann die Latte nicht dorthin legen darf, wo der Meister aller Klassen sie sieht, sondern sich mal umschauen muss, wie es denn in Wirklichkeit aussieht. Die Masse kann hier nicht mit. Die Masse ist schwächer als die Spitze. Die Spitze ist eine kleine. Bei den großen drei Nachwuchsteams, Dragons, Vikings und Raiders, sind Junioren und Kampfmannschaft mehr oder weniger getrennt. Die Raiders II spielten zwei Jahre mit ihren Junioren, tun das jetzt aber auch nicht mehr. Es ist dort so, dass ein Junior schon sehr gut sein muss um Spielzeit in der ersten Mannschaft zu bekommen. Er ist eher die Ausnahme und nicht die Regel. Bei den Bulls ist es so, und ich gehe davon aus, dass es bei einigen anderen Teams so aussieht, dass viel mehr Junioren in der Kampfmannschaft eingebunden sind. Also spielen einige von ihnen Division I und dann noch Nachwuchsmeisterschaften. Ich will daher nicht, dass sie verpflichtet werden noch vor der Division I Saison zusätzliche Matches zu absolvieren.

Zur Spieleranzahl sei zu sagen: siehe oben! Es kann sein, dass wir im kommenden Jahr bei den Junioren in keinem Match weniger als 20 Spieler umgezogen zur Verfügung haben. Da kann ich dann sagen: Super, ich hätte eigentlich dafür sein können. Wissen kann ich es heute aber nicht. Wir gehen da einen schmalen Grat entlang und diese Gratwanderung mündet in der Frage ob es sich nominell ausgeht? Da sind wir mit 16 auf der weitaus sichereren Seite wie mit 18. Wir haben 2005 schon einmal die Zahl nicht geschafft, auch dafür sind wir – völlig zu Recht – kritisiert worden. Jetzt sollen wir 18 beschließen und uns dann vielleicht anhören, dass wir es wieder nicht geschafft haben? Wie viele Teams können ruhigen Gewissens sagen, sie haben kein Problem damit mit mindestens 18 Junioren anzutreten? Es ist nicht die Masse.

Das wäre mein Wunsch an der Verband, dass er versteht, dass die Teams verstanden haben Nachwuchsarbeit betreiben zu müssen und niemand jemanden etwas hier zu Fleiß macht. Ich darf hier auch anmerken, dass die Salzburg Bulls bereits ein Nachwuchsteam hatten, da wussten andere noch gar nicht wie man das buchstabiert. Die Kampfmannschaft der Bulls ist der ehemalige Nachwuchs der Bulls. Wir wären ja echt blöd, wenn wir das vernachlässigen würden. Wir sind aber mit unseren Möglichkeiten hier am Limit und ich bitte das mal zu akzeptieren.

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