Hinter dem Artikel „400 wollen zu den Giganten“, in der Ausgabe vom 16.2, versteckt sich eine geballte Ladung an „Information“. Darunter auch einiges, was, wenn man es so wie es geschrieben steht auch glaubt, ein ganz neues Licht auf die ebenso neuen Turek Giganten wirft. Die Primzahl 3, ihr Nachbar die 4, die nächste Prim 5 und viel zu viele Nullen. Das Ganze schwer unter Druck.
Dabei fängt es ganz harmlos und auch überzeugend an, überliest man mal die Schlagzeile, den Anreißer und die restlichen Absätze. Die Giants hätten die Nase voll vom Training in der Halle und haben nach Rücksprache mit Coach Phil Maas den Kunstrasenplatz in Graz Eggeberg eigenhändig freigeschaufelt. Das ist brav und noch dazu gutes Training, waren daran ja auch Spieler der Kampfmannschaft beteiligt. Zumindest zeigt ein Foto Armando Ponce de Leon beim eifrigen Schneeschippen. Es sei der einzige (Platz) in Graz der nicht bespielbar war! Parallelen zum Trainingsgelände der Vikings auf der Schmelz sind nicht zufällig, sondern als Zeichen zu werten, daß nur der Footballverein der selbst schaufelt, frei (von Schnee) wird.
Davor und danach erfährt der dem neuen Grazer geneigte Leser aber schier Fantastisches.
So habe zuletzt eine Bewerbungsflut bei den Grazern eingesetzt. 400 (in Worten: vierhundert) Spieler wären vorstellig geworden. Die Giants hätten aus dem riesigen Pool drei neue Spieler herausgefiltert. Hört sich stark nach einem Tryout bei der Neigungsgruppe der Turnbefreiten an. Eventuell meint man hier Asylsuchende US Spieler? General Manager Stefan Schubert wird zitiert mit „Wir haben drei neue Amerikaner verpflichtet.“ Man müsse aber auch mit denen noch kleine Details klären. Das sind die 3 aus den 400? Vermutlich ja. Also haben sich demnach 400 Imports um einen Job bei den Giants angestellt? Wir sehen bereits die Vikings, wie sie sich angesichts dieses Zustroms Neidzerfressen der freiwilligen Selbstauflösung zuführen.
Lösungsvorschläge
Eventuell hat der Redakteur (rek) bei der Gesamtzahl eine „0“ zu viel im Übereifer getippt? vier in der Woche, 40 gesamt hört sich etwas realistischer an, obwohl wir wissen, daß gerade Stefan Schubert „well embded“ in der europäischen Szene ist und über ein „know how“ beim „who is who“ am Importmarkt verfügt, welches seine Zeichens in der Tat sucht. Aber 400 Bewerbungsgespräche? Das wollen wir ihm doch nicht zumuten. Weiß man zudem, daß das Giants Office gerade acht Stunden pro Woche geöffnet hat, kommt man auf eine Vorstellung alle zwölf Minuten und das zehn Wochen lang. Das ist bitte Streß! Der läßt sich gerade dann noch mindern, wenn auch um vier Uhr Morgens das Handy von Schubert läutet.
Aber nicht nur daß bei den Steirern neuerdings eine Hundertschaft an Bewerbern ante portas stehe, hätten sie, die Giants, auch für ein neues Transfersystem gesorgt. Um es mit den Worten des neuen Grazers zu sagen: Auf Druck der Giants können ab 2007 nur mehr fünf sogenannte „Klasse A“- Spieler verpflichtet werden. Diese Information ist uns bisher zur Gänze vorenthalten worden. Den Druck der Giants haben alle anderen Teams in den Regel während der letzten Jahren ganz gut ausgehalten – hätte es einen solchen überhaupt gegeben.
Wobei dieses Gleichnis in Folge auch nicht von schlechten Eltern ist.
Heuer, so ein Beispiel, können noch fünf Amerikaner und 20 Italiener verpflichtet werden. Im nächsten Jahr soll die von den Giants mit Druck erzeugte Regelung den Österreichern zu Gute kommen. Keine Ahnung wie der Redakteur gerade auf 20 Italiener gekommen ist? Wir nehmen nicht an, daß es etwas mit den olympischen Spielen zu tun hat. Wobei hier auffällig ist, daß sich die Anzahl der Italiener im österreichischen Football generell überschaubar ist. Welches Team hat mehr als einen?
Die Realität schaut demnach tatsächlich anders aus. Heuer darf man so viele Amerikaner verpflichten wie auch im Jahr 2007. Nämlich genau so viele man will. 2006 dürfen drei am Gameday Roster stehen – 2007, wenn und falls die neue Regelung kommt, dürfen es 6 sein. Ob den Grazern dabei etwas drückt oder nicht, spielt dabei ca. die Rolle eines umgefallenen chinesischen Fahrrads. Mitnichten under pressure. Frei Erfunden das Ganze, Herr rek.
Was die Giants tatsächlich als Agenda in der Schublade haben, traut man den Worten ihres Fanclubhäuptlings, ist ein „Bestehen“ darauf, daß alle Importspieler ordentlich angemeldet werden, eine gültige Arbeitsbewilligung haben, Sozial- und Unfallversichert sind und alle Abgaben bezahlt werden, die nun mal zu leisten sind. Die Grazer, bzw. Hr. Vogrinec, wissen (weiß) genau wovon sie (er) hier sprechen, denn waren es ja die Giants selbst, die durch administrative Schlampereien im Umgang mit Importspielern von den Behörden vor einiger Zeit auf den Kieker genommen wurden. Da ist man dem Schlamassel grad noch mal mit einem blauen Auge entkommen und so frisch der Anklagebank entsprungen, will man nun als Aufklärer gute Figur machen (da kann gar Schlimmes passieren, Freunde!). Man kann sich sogar vorstellen (in reiner Notwehr versteht sich) in die Rolle des Anklägers zu schlüpfen, wenn hier etwas augenscheinlich ungebührliches- oder gar ungesetzliches passieren würde. So schnell geht das. Gestern noch unter Verdacht – heute frischgebackener Sammelkläger. Ziemlich abstrus diese Gedankengänge, denn würde man umgekehrt die WSO Bedingungen für eine AFL Lizenz wortgetreu auf die Grazer übertragen, so hätten diese bereits keine mehr (Big Boys nicht spielfähig = Division I).
Der übersteigerten Nachrichten noch nicht genug, behauptet das Blatt am Ende des Artikels, daß der europäische Verband überlegt, diese Regelung zu übernehmen. Das ist ebenso falsch wie fast alles in der Reportage. Unseres Wissens nach beschäftigt sich der europäische Verband mit der österreichischen Importregelung inhaltlich überhaupt nicht. Es gibt derzeit kein Anzeichen darauf, daß er sich auf diesen Plan einschleifen würde. Ganz im Gegenteil.
Wobei am Ende immer noch interessant zu erfahren ist, daß die Giants mit 3 Amerikanern und Headcoach Phil Maas in die Saison starten. Das war ja schon das „Erfolgsrezept“ der vergangenen Jahre. Sollte das stimmen, werden sich außer dem neuen Grazer auch viele andere noch freuen und man kann heute schon Entwarnung in Wien, Innsbruck und Hohenems geben. Eine potentielle Gefahr für die Black Lions besteht natürlich theoretisch noch immer. Der vierte Platz wird vermutlich ein erbitterter Kampf zwischen den beiden Bundesländern.

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