Was nach meinem Gefühl etwas schwerer wiegt als "arrogant". Natürlich ist das mit der condescension eine Frage des Blickwinkels. Als dummer Mensch lässt man sich nicht gerne von seinem Gegenüber in einem Gespräch sagen, dass der eigene Mangel an Bildung das Niveau der Auseinandersetzung nach unten zieht. Der Vorwurf der Herablassung hat hauptsächlich die Funktion, dem besser argumentierenden Gegenüber nicht recht geben zu wollen. Die klassische Formulierung, mit der solche Debatten zu Ende gehen, lautet: "Everybody is entitled to his opinion". Ja, auch der Dumme darf eine Meinung haben.

Unter dieser Überschrift lässt sich dann besser ertragen, was ein – studierter – Footballspieler aus den USA zur Zeit über seine Erfahrungen in Österreich zum Besten gibt. Nein. Er kann die Sprache der Einheimischen nicht. Nein. Das stört ihn nicht. Nein. Er kennt die Gebräuche in der örtlichen Sauna nicht. Aber das reicht, um sich darüber lustig zu machen. Nein. Er versteht nicht die Feinheiten einer politischen Kultur, in der auch ein amerikanischer Politiker wie Barack Obama eine Symbolfigur werden kann. Aber das macht nichts. Denn die Leser seines Blogs und die von Deadspin (wo man nicht mal den Namen der fraglichen österreichischen Stadt richtig schreiben kann) werden das einfach nur lustig finden.

Frage: Was ist eigentlich schlimmer – die Herablassung der Dummen? Oder die der Intelligenten?
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Jürgen Kalwa lebt seit 1989 als freier Journalist und Buchautor in Manhattan und Connecticut. Er arbeitet u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, den Tagesanzeiger Zürich und den Deutschlandfunk. Er ist außerdem Autor des Buches ‚Faszination American Football‘ und blogt auf American-Arena.

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