Den einen kann die NFL den Buckel runter rutschen, die anderen schicken ihre größten Talente auf Anfrage bereitwillig ebendort hin. Die Rede ist von den beiden heimischen Top Teams Chrysler Vikings und Papa Joe’s Tyrolean Raiders. Viel unterschiedlicher könnten die Standpunkte diesbezüglich gar nicht sein und so braucht man sich nicht weiter wundern, daß der Postler der NFLE heuer den Innsbruckern Briefe zustellt, während er um Wien mittlerweile einen ganz großen Bogen schlägt, wurde er zuletzt dort nicht gerade freundlich behandelt.
Seit jeher pflegen die Raiders ein gutes Verhältnis mit dem europäischen Ableger der National Football League. Immer wieder zieht es Spieler der schwarzen Männer zu Tryouts und auch in die Liga. Die Florian Grein Experience zuletzt hat an dieser Einstellung wenig geändert. Grein verletzte sich im Trainingscamp in den USA schwer (Knie) und ist seither schutzgefangener Bezugsempfänger der NFLE, was weder bei ihm noch beim Team die Stimmung kippen ließ. Ganz im Gegenteil, bezeichnet man in Tirol Grein seither als „NFLE-Profi“ und er selbst strebt trotz seines lädierten Knies weiter einer Karriere in der Liga an. Auf die vor kurzem eingeflatterten Einladungen an O-Liner Christoph Steirer und LB Michael Süß reagiert man mit Stolz in Tirol.
Raiders Präsident Andreas Wanker im O-Ton:
„Hier sieht man wie wichtig es ist langfristig Nachwuchsarbeit zu betreiben, Florian Grein hat nach 8 Jahren die Einladung von der NFLE bekommen, Christoph Steirer nach neun Jahren und nächstes Jahr wird wohl Jakob Dieplinger folgen.“
Beide Spieler begeistert
Ein ob der Einladung überraschter Michael Süß: „Ich habe wohl einen guten Eindruck bei der Austrian Bowl hinterlassen, lies man mich in meiner Einladung wissen.“ Christoph Steirer, bereits vergangenes Jahr ein Wunschkandidat der NFLE: „Dieses Jahr habe ich schon im vorhinein mit meinem Arbeitgeber alles geklärt, denn diese Chance will ich mir heuer nicht entgehen lassen.“
Die Vikings haben ebenfalls ihre Erfahrungen mit der NFLE gemacht und waren (so erinnert sich der Autor) auch mal mächtig stolz darauf Spieler in ihren Reihen zu haben, welche für die NFLE interessant erschienen. Das hat sich in den vergangenen Jahren aber radikal geändert. Präsident Karl Wurm sagte bereits im März 2004, dass ihm die NFL den Buckel runter rutschen könne und legt jetzt noch ein Scherflein nach.
Auf Anfrage von Football-Austria.com hat Wurm bestätigt, dass die Vikings keine solche Einladungen bekommen haben und ist darüber nicht unfroh. „Der Schmerz darüber ist zu verkraften“, so Wurm lakonisch und fügt unüberhörbar amüsiert dazu: „Die Raiders sollten alle ihren guten Spieler in NFLE Trainingscamps schicken, damit sie möglichst rasch NFL Starter werden. Die weniger talentierten Wiener arbeiten zwischenzeitlich an der AFL und EFL weiter.“
Scheinbar lacht sich da grad jemand einen Ast, wie man im Osten zu sagen pflegt und so ganz unverständlich ist das nun nicht. Das NFLE Scouting bei den Vikings in Vergangenheit war nicht selten voll Ironie. Vor einiger Zeit schickten sie eine Einladung an einen Vikings Spieler, der damals (und auch niemals zuvor) Starter in der Kampfmannschaft war. („Keine Ahnung was sie da sahen“ – Karl Wurm). Dem Kicker Peter Kramberger teilte man im Camp mit er müsse noch an seiner Präzision arbeiten. Der verwunderte Kramberger merkte an, dass er gerade 14 von 15 45 yard field goals versenkt habe?! Der Coach kramte dann nervös in seinen Papieren und entschuldigte sich für die Verwechslung. Kramberger verließ ohne Engagement das Camp und wie OL/DL Norbert Baumberger (ebenfalls zu Gast in solchen Camps) ist er heute der Meinung, dass man sich so was auch ersparen kann.
Wurm resümiert:
„Jeder Spieler muss selbst wissen was er tut. Wir als Verein haben nur schlechte Erfahrungen gemacht mit der NFLE und können diese nur weiter kommunizieren. Wir raten jedem Spieler davon ab. Die Raiders haben hier eine andere Philosophie – auch gut. Es gibt keinen vernünftigen Dialog mit der NFLE und ich sehe keinen Sinn darin unsere Spieler, in die wir jahrelang investiert haben, einfach so den Herren in den Rachen zu werfen. Am Anfang dachten wir noch es wäre eine echte Chance für diese Spieler, doch es ist nicht mehr wie eine politische Handlung. Es wird nie ein Österreicher über die NFLE Karriere machen. Falls doch bin ich gerne bereit meine Haltung zu überdenken und demjenigen zu gratulieren. Das werde ich aber nie müssen.“
Als sich heuer zum Eurobowl Finale ein Scout der NFLE bei den Vikings angekündigt hatte, wurde ihm mitgeteilt er bekomme zwar einen Sitzplatz in der VIP Area, sollte er auf das Feld gehen um mit Spieler zu sprechen, würde er aus dem Stadion verwiesen. Soweit die Beziehung. In der NFLE Organisation gab es in diesem Jahr einige personelle Umbesetzungen. Scheinbar war die Mutter in den USA nicht allzu überzeugt von ihren Mitarbeitern im alten Europa.
So erkennt der eine Sinn der andere Unsinn. Im Prinzip können alle glücklich sein. Die NFLE hat ihre Briefe den richtigen Adressaten zugestellt, die Raiders freuen sich darüber und auch die Vikings sind damit happy. Wie einfach es manchmal ist alle glücklich zu machen.

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