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You gotta do, what you are coached to do

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Die Arena in Eggenberg John Petty nach seinem Ausschluß Ron Anzevino im Interview

Frei übersetzt: ‚Tu das, was du tun sollst.‘ Martin Pfanner für Football-Austria aus Graz.
Was sich in Wirklichkeit so leicht liest und im rauen Ohio-Akzent von Anzevino sogar noch besser anhört, war für die Blue Devils offensichtlich schwieriger umzusetzen als man es für möglich hielt. Die Giants taten sich damit wesentlich einfacher. Sowohl die Grazer als auch die Hohenemser gingen mit einer Siegesserie in die Partie, die am Sonntag im Grazer Eggenberg Stadion 600 Fans sehen wollten.

Die Teufel konnten sowohl im EFAF-Cup in Winterthur als auch zu Hause gegen die Black Lions gewinnen, währenddessen die Grazer nach Erfolgen gegen die Black Lions, Prag Lions sowie die Berlin Adler gar auf eine drei Spiele andauernde Siegesserie verweisen durften. Auch der Wettergott hatte ein Einsehen mit den beiden Teams und ließ pünktlich zum Kickoff die Wolken, die eine Stunde zuvor für teils heftige Regengüsse gesorgt hatten, verschwinden und ebnete somit den Weg für einen beschaulichen Footballnachmittag.

1. Viertel
Die richtungsweisende Partie zweier Kontrahenten, die durchaus berechtigten Anspruch auf den zweiten Platz in der AFL erhoben, begann mit einem fulminanten Kickoff Return, den der Grazer Jeremy Bohannon 51 Yards weit an die Devils 30 trug ehe er vom Kicker der Teufel, Remo Martinez, gestoppt werden konnte. Die Vorarlberger waren somit nach dem ersten Spielzug der Partie schon einmal gewarnt. Nach einem Pass von Giants Quarterback Sheldon Cross auf Wide Receiver Armando Ponce de Leon folgte dann der erste Auftritt von Running Back Darvin Lewis, der in der Vorwoche den Berliner Adlern um die Ohren gerannt war. Mit einem Raumgewinn von 7 Yards konnte er auch gleich eine erste Duftmarke setzen. Nur blöd, dass er beim Versuch weiteren Raumgewinn zu erzielen von zwei Blue Devils Verteidigern derart in die Mangel genommen wurde, dass er auch gleich wieder mit einer offensichtlich lädierten Rippe auf der Bank Platz nehmen musste. Doch die Giants würden diese Saison trotz aller Verletzungssorgen nicht ganz oben mitspielen, wenn sie nicht gelernt hätten aus der Not eine Tugend zu machen. Bei 3&5 konnte Cross den völlig freistehenden Martin Grassegger mit einem 25 Yard Pass ideal zum 1. Touchdown der Partie bedienen. Der anschließende PAT wurde zwar geblockt, aber ein geistesgegenwärtiger Ponce de Leon sicherte sich den Ball und warf zu Tight End Thomas Lischnig. Das Spiel war 2 Minuten alt, die Grazer führten mit 8:0 und die Devils schauten dumm aus der Wäsche.

Nach einem 3 & Out der Devils bekamen die Grazer nach dem Punt den Ball an der eigenen 33 Yard Linie zurück. Guter Rat ist sicherlich bei jedem Team teuer, sofern sich der Starting Running Back beim ersten Spielzug sofort verletzt, aber getreu der Anzevino’schen Weisheit ‚You gotta do, what you are coached to do‘ schnurrte die Grazer Angriffsmaschine weiterhin auf Hochtouren, angeführt von einem überragenden Martin Grassegger, der mit einem 24 Yard Lauf Darvin Lewis sogleich vergessen machte. Nach zwei weiteren Grassegger Läufen hieß es abermals 3. Versuch für die Steirer doch Sheldon Cross konnte diesen abermals sehenswert in Punkte ummünzen, diesmal mit einem 34 Yard Touchdown Pass auf Christian Kranz. Zwei Mal hieß es dritter Versuch für die Giganten und ebenso oft danach auch Touchdown. Die Zahl 3 sollte auch weiterhin noch eine Rolle spielen. Denn nach dem zweiten 3 & Out der Devils kamen die Giants wiederum in Ballbesitz und arbeiteten sich bis kurz vor die Goalline der Devils vor. Nach zwei beeindruckenden Goalline Stands der Teufel, ließen die Giants (natürlich wieder) beim 3. Versuch abermals nichts anbrennen. All-Rounder Jeremy Bohannen trug den Ball über 4 Yards in die Endzone, verschaffte dem Schnalz-O-Meter seinen nächsten Einsatz und versetzte die G-Freakzzz in Freudentaumel. Nach dem verwandelten PAT stand es zum Ende des ersten Viertels ein wenig überraschend 22:0 für die Steirer.

2. Viertel
Vielleicht war Alleskönner Anzevino außer einem ganz passablen Footballspieler bzw. Footballcoach früher auch einmal Automechaniker. Mit stotternden Motoren dürfte er sich mittlerweile so gut auskennen, wie Neo-Cardinal Matt Leinart in der Welt der Reichen und Schönen. Mit chronischen Startschwierigkeiten hatten die Vorarlberger diese Saison bereits öfter zu kämpfen, aber selten sah es nach dem ersten Viertel so dramatisch schlecht aus. Die nackten Zahlen wiesen kein einziges 1st Down, – 1 Yard Raumgewinn und 3 Punts für die Emser auf. Grund genug wieder einmal eine Aufholjagd zu starten, dachte sich Blue Devils Quarterback Gary Brashears und warf seinen ersten Ball, der erstmals über die Line of Scrimmage ging, dann auch prompt in die Hände des Grazers Jeremy Bohannon. Ein Schelm würde solche Vorgänge vermutlich mit einem listigen ‚You gotta do, what you are coached to do” kommentieren. Aber da es vermutlich nicht die Intention der Emser war sich so desolat als nur irgendwie möglich in der Offense zu präsentieren verschaffte Devil Eric Moore seiner Offense bei einem 4&4 der Grazer an der Devil 15 mit einer sensationellen Passabwehr in der Endzone einen weiteren Versuch den drohenden Blowout abzuwenden. Im folgenden Drive ging der Offense dann endlich der Knopf auf. RB Richmond Appiah erlief bei 7 Laufversuchen beachtliche 36 Yards ehe Brashears mit einem 2 Yard Pass auf WR Christian Steffani kurz vor Ende des zweiten Viertels das Scoreboard für die Devils doch eher versöhnlich aussehen ließ. Nach dem verwandelten Extrapunkt ging man dann mit 7:22 in die Kabine.

3. Viertel
Sichtlich motiviert starteten die Emser dann auch in die zweite Halbzeit. Offensichtlich hatte der Headoach weitere Perlen der Footballweisheiten ausgegraben und seinen Jungs für die zweite Spielhälfte mit auf den Weg gegeben. Richmond Appiah fing mit 3 Läufen für 12 Yards wieder dort an, wo er in der ersten Hälfte aufgehört hatte. Doch Teamkollege Eric Moore ließ die Devils durch eine Strafe wegen unsportlichen Verhaltens unversehens einem 3 & 23 gegenüber stehen. Doch die Giants wollten selbstverständlich nicht tatenlos zusehen und begingen beim übernächsten Spielzug sogleich zwei Personal Fouls (einmal Kodella sowie einmal Suarez), die die Devils im Nu von der eigenen 32 an die gegnerische 28 beförderten. Nachdem die Devils in den ersten 3 Angriffsserien der Grazer jeweils beim 3. Versuch der Grazer insgesamt 3 Touchdowns kassiert hatten, wollten sie im 3. Viertel bei 3. Versuch und 9 dem Zahlenspiel natürlich in nichts nachstehen und verkürzten den Rückstand durch einen sensationellen 27 Yarder von Brashears auf WR Leroy Brooks, allerdings nach verschossenem PAT auf nurmehr 13:22. ‚Geht da noch was?‘ fragte man sich nun und wurde unweigerlich an das unglaublich 55:56 der beiden Teams aus dem Vorjahr erinnert als sich die Devils erst in der Overtime durchsetzten konnten. Man hatte den Eindruck, dass Coach Anzevino seinen Mannen in der Pause ordentlich den Marsch geblasen hatte, doch auch Giants Coach Phil Maas schien nicht untätig geblieben zu sein. Angeführt vom Trio Martin Grassegger, Michael Rotheneder und Christian Kainz, die sämtliche Offensivyards des folgenden Drives erzielten, arbeiten die Giganten sich unaufhaltbar in Richtung Devils Endzone. Als man sich einem 4. Versuch & 15 an der Devils 27 gegenübersah und Experte Walter R. (Name der Redaktion bekannt) bereits einen Punt forderte hielt Sheldon Cross den Drive mit einem 23 Yarder aus Christian Kainz am Leben, bis das Ganze vom überragenden Grassegger mit einem 4 Yard Lauf zu einem Touchdown formvollendet wurde. Kurioserweise wurde der anschließende PAT von einem Devils Verteidiger geblockt, allerdings so abgefälscht, dass das Ei dennoch den Weg durch die Stangen fand, womit der alte Abstand von zwei Scores wiederhergestellt war. Es hieß 13:29 aus Sicht der Vorarlberger Teufel. Same old game, same old story. Jedes Mal wenn ein Aufbäumen zu erkennen war, wurde selbiges sofort durch Grazer Abgeklärtheit oder Hohenemser Dummheit im Keim erstickt. Exemplarisch dazu soll der nächste Drive dienen. Nach gutem Raumgewinn warf Brashears wiederum in die Hände seines neuen ‚Lieblingsreceivers‘ Giants DB Jeremy Bohannon.

4. Viertel
Was benötigt man um im vierten Viertel eine Führung zu verteidigen? Logisch, einen guten Runningback der die harten Yards durch die Mitte erzielt. Darvin Lewis? Fehlanzeige! Kann den Grazern auch egal sein, wenn ein Martin Grassegger genau das von Anzevino in der Drittelpause propagierte ‚You gotta do, what you are coached to do‘ erfüllt. Kurze, sichere Läufe um wertvolle Zeit von der Uhr zu nehmen. Wenn dann noch der Emser DB Eric Moore beim Versuch einen Pass von Cross wegzuschlagen, wegrutscht und Armando Ponce de Leon somit den Weg in die Endzone eröffnet, kann man sich als Anhänger der Grazer nicht wirklich beschweren. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Sideline der Devils in heller Aufruhr befand, vehement eine Pass Interference Strafe forderte und schließlich resignierend den Anteil an Schimpfwörtern pro gesprochenem Wort eklatant in die Höhe schnellen ließ. 36:13 für die Grazer hieß der Zwischenstand. Die Devils kamen nun erstmals unter Zeitdruck, meisterten den aber recht gut und benötigten nur 37 Sekunden um mittels eines wunderschönen 34 Yard Passes von Brashears auf Eric Moore auf 19:36, vorerst. Denn die anschließende 2-Point-Conversion hatte auch für alteingesessene Fans etwas Sehenswertes. Brashears warf wieder mal auf Jeremy Bohannon, der sich die Chance nicht entgehen ließ und den Ball in die gegnerische Endzone trug. Das ganze wird als ‚Defensive PAT‘ (laut offizieller Statistik) bezeichnet und brachte den Hausherren zwei weitere Punkte. Stand 38:19 Die Giants spielten das Spiel nun im Stil einer Spitzenmannschaft nach Hause, dem auch die Hohenemser Ergebniskosmetik nach einem 4 Yard Lauf von Devils QB Brashears, zum 38:26 Endstand, nichts mehr anhaben konnte. Die einzige unschöne Szene des Spiels ereignete sich dagegen noch kurz vor Schluss als der Grazer Thomas Lischnig und der Emser John Petty eine Auseinandersetzung hatten und von den Schiedsrichtern ausgeschlossen wurden.

Fazit
Was passt hier besser als ein letztes Mal (versprochen) ‚You gotta do, what you are coached to do” anzubringen. Die Grazer haben es getan, die Blue Devils nicht. Wäre irgendwie zu einfach. Die Grazer kamen durch ihren schnellen Start nie wirklich ins Hintertreffen und Hohenems musste 48 Minuten lang einem Rückstand hinterherlaufen. Wenn das ganze noch mit teils dummen Fehlern gepaart wird, kommt am Ende meistens nichts Gutes heraus. Die Hohenemser haben diese Saison schon bewiesen, dass sie ein gute Mannschaft sowie stark besetzte Skill Positions haben, aber die Inkonsistenz ist auf die Dauer für ein Spitzenteam (und diesem Anspruch will Hohenems gerecht werden) nicht zu verkraften. Auf der anderen Seite haben wir die Grazer, die auch von einem Ausfall des Stars nicht aus der Bahn geworfen wurden und durch eine geschlossen starke Mannschaftsleistung sowie geschicktem Clock Management (29:11 gegenüber 18:49 Minuten an Ballbesitz) das Heft nicht mehr aus der Hand gegeben haben. In Graz scheint weiterhin die Sonne, für Anzevino und Co. gibt es nächste Woche Sonntag zu Hause gegen die Raiders das erste Endspiel, wenn man in Sachen Austrian Bowl noch ein Wörtchen mitreden will. Vier gute Viertel der Devils in folge könnten durchaus das ihre dazu beitragen. Leider war Devils Präsident Christoph Piringer nach dem Spiel für ein Football-Austria.com Gespräch nicht aufzufinden. Wahrscheinlich war er in der Umkleide der Spieler und sagte jedem beim Rausgehen ‚You gotta do, what you are coached to do‘.

AFL
Turek Graz Giants vs Cineplexx Blue Devils 38:26
(22:0/0:7/7:6/9:13)
07. Mai 06, Kickoff 15:00
Stadion Eggenberg, Graz
Referees: Müller / König T. /Zemsauer / Riegler / Praher / Hölbling

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