Er sieht sich selbst als Impulsgeber und im Ergebnis der Ligasitzung durchwegs Vorteile für den Österreichischen Football. Mit Jens Pfennig sprach Walter H. Reiterer.
Optisch und akustisch sind die Parallelen zwischen Tino von Eckardt und Jens Pfennig nicht zu übersehen. Beide bevorzugen ihre Rippen unter ‚Muskelgewebe‘ zu kaschieren und ihren Humor trocken zu lagern. Beide stammen aus Deutschland und trainieren ein Team der ersten Division. Pech und Schwefel sind sie trotzdem nicht, meint zumindest Jens Pfennig.

"Um das von vorne herein klar zu stellen: Ich schätze Tino von Eckardt und seine Arbeit sehr und es ist für die Vienna Knights ganz sicher eine mehr als gute Sache einen Coach seines Formats gefunden zu haben, aber: Wir haben uns bei der Ligasitzung vorher nicht abgesprochen. Wir mauscheln nicht. Es war Zufall, dass wir in vielen Dingen einer Meinung sind, aber, und das muss man auch sehen, 2007 werden die Vienna Knights und von Eckardt zu unseren Gegnern in der Liga gehören. Was zu einer inhaltlichen Zusammenarbeit in Sachfragen natürlich nicht im Widerspruch steht", so Pfennig vorab.

Nach der Ligasitzung am vergangene Samstag und dem mehr als überraschenden Ergebnis für die Ligen unterhalb der AFL, wurde von allen Teams immer wieder der Name Pfennig genannt. Als Erfinder, als Ratgeber, ja sogar als Retter.

Herr Pfennig, sind Sie also der Retter der Division I?

…(lacht) Also ehrlich…Nein. So sehe ich das nicht. Es war eine hochinteressante Sitzung in der viele Vorschläge diskutiert wurden. Der sehr kurzfristige Absprung eines Teams aus der Viererliga Geschichte war ja wirklich nicht vorherzusehen und als die Emotionen am hoch kochen waren, brachte ich einfach einen neuen Vorschlag ein. Der des AFBÖ mit fünf Division I Teams und neun Division II Teams war ja in- und an sich nicht gänzlich unsinnig; er hatte allerdings Löcher, die ich mit meinen Gedanken zu stopfen versuchte. Dass mein Vorschlag später zum Ligakonzept wurde war dann aber die gemeinsame Arbeit aller. Es reicht ja nicht einfach etwas zu sagen was man selber gut findet – es müssen ja alle den Weg mitgehen wollen. Es freut mich, dass das so gut angekommen ist.

Was genau kam gut an?

Die Ligaaufteilung der Division I wie sie jetzt ist. Zwei Teams sind neu dabei und eines bleibt dabei. Ich sage auch klar warum: Weil es Sinn macht. Den Vienna Knights kann man doch nicht ernsthaft erklären nicht aufsteigen zu dürfen, weil jemand das Gefühl hat sie wären nicht gut genug dafür. Sie haben sich sowohl sportlich als auch organisatorisch dafür qualifiziert. Die Titans, als Spielgemeinschaft, erfüllen auch alle Voraussetzungen, auch wenn viele jetzt meinen sie seien dafür nicht stark genug. Auch ich glaube, dass sie im nächsten Jahr vielleicht Probleme bekommen könnten, aber erstens kann ich mir da nicht sicher sein und zweitens, wenn es so ist, dann wird es ein Relegationsmatch geben. Dann wird man sehen ob der Meister der zweiten Liga besser ist als der letzte der ersten. Falls es die Titans dann überhaupt sind. In Deutschland war das lange Jahre so, dass der letzte der GFL, ohne ein Match gewonnen zu haben, in der Relegation den ungeschlagenen Meister der zweiten Liga atomisiert hat. Schauen wir Ende der Saison mal, wenn es so weit ist wie wir da stehen. Sollte es so sein, dass das ganze eine Schnapsidee war und Teams gleich reihenweise nicht mithalten können, dann gibt es den Plan diese vierte Klasse einzuführen. Das würde dann auch Sinn machen. Jetzt aber noch nicht. Wir reden hier von Spielen die noch keiner gewonnen oder verloren hat. Ich rechne mit einer sehr ausgeglichenen Liga.

Sie rechnen damit, dass die beiden Neuankömmlinge mitspielen können?

Oh ja. Die Knights werden in der Offseason mit von Eckardt als Coach smarter und unberechenbarer werden. Sie werden gut gecoacht und niemand kann heute sagen wie stark sie 2007 dann wirklich sein werden. Vom anderen neuen Team ganz zu schweigen.

Die ‚anderen‘ – those we don’t speak of?

Klar reden wir darüber. Die Gladiators haben die dritte Liga im Vorjahr pulverisiert. Es ist doch kein Wunder, dass zum Beispiel Steve Zundl von den Stallions keinen sportlichen Wert mehr darin sieht gegen das Team wieder anzutreten, zumal jedem Kind schon klar sein sollte, dass die Burgenländer im kommenden Jahr noch stärker sein werden. Dort passiert grad was. Insofern ist es sehr bemerkens- und lobenswert, dass der Verband hier zu Gunsten des Sports über seine eigenen Regeln gesprungen ist. Es war der Wunsch fast aller, dass die Gladiators aufsteigen. Sie selbst haben das mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Das paßt schon. Man hat den Budapest Wolves als Gastteam Aufschub gewährt, ja warum sollte man diesen Österreichern verwähren?

Sind die Gladiators so was wie ein Geheimtipp für Sie?

Definitiv. Sollten Sie sich im kommenden Jahr auch noch mit zwei US-Legionären, sprich Klasse A Spielern verstärken, dann sind sie für mich sogar mehr als nur das. Ein Mitfavorit in dem Fall. Dann werden sie um die Silverbowl wohl mitspielen, auch wenn das viele jetzt nicht glauben. Die Gladiators werden immer noch schwer unterschätzt. Ich weiß jetzt gar nicht was die noch alles machen müssen bis man sie endlich ernst nimmt. Wir nehmen sie sehr ernst, wie auch die Knights, wie auch die Titans, von denen wir noch nicht wissen was wir serviert bekommen im nächsten Jahr. Bei den Junioren wissen wir es ja, wie natürlich alle anderen Teams unseren vollen Respekt genießen. Ich sagte es bereits, dass das hoffentlich eine enge und enorm spannende Kiste wird. Im besten Fall kann jeder jeden schlagen – das ist meine Vision von Football. Das wäre doch schön für alle, oder nicht?

Die Gladiators haben am Ende der Saison aber relativ klar gegen die Wolves verloren.

Um so schlimmer. Jetzt wissen sie zusätzlich noch, dass man sie in der Zusammensetzung auch schlagen kann, was sie schon fast verlernt hatten und sind ihrerseits gewarnt. Das heißt, sie werden versuchen noch besser zu werden. Unverwundbar ist kein Team, aber die Niederlage kam wohl im denkbar günstigsten Augenblick für sie.

Die Gladiators haben 2006 keine Nachwuchsarbeit erbracht.

Ja, ich weiß. Ich bin mir aber ganz sicher, dass sie das 2007 tun werden. Ich habe bei der Ligasitzung auch ihren Bernhard Kamber ein wenig beobachtet. Der ist ja dort als Motor tätig. Den hat der Blitz getroffen als er Division I hörte. Ich vermute, dass der Herr einen Plan in petto hat. Er wollte es dann ganz genau wissen was das Team tun müsse und welche Auflagen erfüllt sein müssen. Ich glaube, dass sie 2007 einen sehr großen Kader haben werden. Den werden sie auch brauchen, weil was sie sich da vornehmen ist sehr viel – zusammen mit der SELAF Sache. Alles in allem ist das doch super. Sollten sich die neuen Teams als wettbewerbsfähig erweisen, davon gehe ich jetzt mal aus, dann wird das einen positiven Einfluß auf die ganze Liga haben. Sind sie es nicht, na dann wird man das 2008 halt wieder ändern. Wichtig ist, dass es dann ein klares Szenario gibt was Auf- und Abstieg betrifft.

Thema Nachwuchsarbeit – wie stehen die Steelsharks dazu?

Nachwuchsarbeit ist enorm wichtig – das ist klar. Ich bin ja jetzt auch Headcoach der Junioren. Wir werden im kommenden Jahr wieder Junioren in die Kampfmannschaft einbringen. Wir sind allerdings auch froh, dass nicht alle Anträge bei der Ligasitzung betreffend Nachwuchsarbeit angenommen wurden.

Die da wären?

Es waren drei Anträge. Jedes Division I Team muss in der Klasse der Junioren antreten. Dem haben wir und hat die Mehrheit der Betroffenen auch zugestimmt. Wir, als Steelsharks, gehen hier aber vom Junioren-Cup aus. Ich erfuhr erst im Laufe der Diskussion von Dritten, dass der Verband vorhat in Zukunft die beiden Klassen zusammenzuführen. In dem Fall möchten wir – Stand heute – neu abstimmen, wie auch einige andere Teams den Junioren-Cup Klasse das tun möchten. Ich habe Sabine Katzmayer dann gefragt was es auf sich hat mit der Zusammenlegung der beiden Junioren-Klassen? Sie sagte dann, dass es sie 2007 sicher noch geben wird. Das war schon ein wenig komisch erst im nachhinein darüber informiert zu werden, dass der Verband hier solche Pläne schmiedet. Sollte es also darum gehen, dass wir 2008 dann nicht im Cup, sondern in der Meisterschaft bei den Big Boys verpflichtend spielen sollen, dann werden wir darüber neu abstimmen müssen, denn das war ja so nun nicht klar. Ich sehe mich da in guter Gesellschaft einiger weiterer Teams.

Der zweite Antrag betraf die Anzahl der Juniorenspieler um spielfähig zu sein. Die wollte man von 16 auf 18 hochschrauben. Der Antrag wurde mit einer knappen Mehrheit abgelehnt, jener, dass es verpflichtende Vorbereitungsspiele im Frühjahr geben soll, mit einer deutlichen. Letzter auch völlig zu Recht. Hier sollten die Antragssteller mal darüber nachdenken warum es keine Raiders II mehr gibt. Weil ihnen das Programm zu heftig ist. Viele Teams, auch wir, haben Junioren in der Kampfmannschaft integriert. Die spielen eine Saison in der Division I und eine danach im Herbst mit den Junioren. Wir wollen eigentlich weitere Spiele für diese Spieler wenn, dann nur auf freiwilliger Basis absolvieren. Es ist uns bewußt, dass das für andere Teams kein Problem darstellt, weil sie einen Kader haben der groß genug ist für solche Spielereien ist. Es sollte denen, die interessanter Weise solche Anträge stellen, auch klar sein, dass die Realität in Österreich allgemein anders aussieht wie in Wien und Umgebung. Hier sind viele Teams oft froh überhaupt eine Schüler/Jugend/Junioren Mannschaft zu haben die Meisterschaften spielen können und dann sollte man nicht noch Extraauflagen fordern, die grade mal ein bis drei Teams in Österreich theoretisch ohne Sorgen erfüllen können. Hier agiert man ein wenig übereifrig und aus einem doch sehr seltsamen Selbstverständnis heraus, dass quasi das was man selbst kann, andere auch erfüllen müssen. Ganz allgemein ist zu sagen, dass nur eine gute Nachwuchsarbeit auch den Fortbestand des Vereins gewährleistet. Es ist daher im Interesse jeden Vereins diese sorgfältig zu betreiben. Macht er das gut, dann gedeiht er, macht er es gar nicht, na dann stirbt er halt aus. Der Versuch diese Selbstbestimmung des eigenen Schicksals mit zum Teil haarsträubenden Ideen zu regulieren, halte ich im Groben für Unfug. Hier macht es manchmal den Eindruck, wie ob jemand der Nachwuchsarbeit für sich zum obersten Ziel erklärt hat, das unbedingt auch anderen so aufdrängen will. Das will ich so nicht. Bei uns hat Nachwuchsarbeit einen hohen Stellenwert, den höchsten hat allerdings die Kampfmannschaft. Hier ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Es sollte ja mittlerweile allen Teams klar sein, dass es anders nicht geht. Denen es nicht klar ist, die werden halt am Ende die Verlierer sein.

Im kommenden Jahr sind zwei Klasse A Spieler erlaubt. Wird man bei den Steelsharks 2007 Amerikaner am Feld sehen?

Ich denke nicht. Eher an der Sideline. Unser Hauptaugenmerk liegt beim Coaching – hier wollen wir uns verbessern und verstärken. Eventuell auch mit Amerikanern. Wenn da einer dabei ist, der auch spielen kann, vom Alter und der Verfassung her, dann werden wir nicht Nein sagen. Allerdings sucht der Verein keine Legionäre – dafür gibt es auch kein Budget.

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