Die Nachwuchs-Europameisterschaft im Flag Football vom 24. bis 27. September 2026 im italienischen Po Delta Park hat ihre erste bemerkenswerte Geschichte bereits vor dem Kickoff geschrieben.

Im Mittelpunkt stehen Russland, das Internationale Olympische Komitee (IOC), der Football-Weltverband IFAF – und mittlerweile auch die italienischen Behörden.

Was zunächst als Rückkehr russischer Nachwuchsnationalteams unter eigener Flagge angekündigt worden war, endet vorerst in einer bemerkenswerten Konstruktion: Die russischen Spielerinnen und Spieler dürfen teilnehmen, Russland selbst hingegen nicht.

Im offiziellen Spielplan der IFAF heißt das Team nun „Team Euro Youth“.

Die IFAF folgte der neuen Linie des IOC

Ausgangspunkt ist eine Änderung der Haltung des IOC gegenüber russischen und belarussischen Nachwuchssportlern.

Das IOC hatte empfohlen, Jugendliche aus Russland und Belarus wieder zu internationalen Nachwuchswettbewerben zuzulassen. Dabei ging die Empfehlung weiter als die zuvor praktizierte Teilnahme unter neutralem Status: Auch nationale Symbole sollten unter bestimmten Voraussetzungen wieder möglich sein.

Die IFAF übernahm diese Linie. Am 17. August beschloss der Weltverband, russische und belarussische Nachwuchsnationalteams wieder zu seinen Bewerben zuzulassen. Russland sollte bei der Nachwuchs-EM in Italien wieder unter eigener Nationalflagge antreten können.

Die Entscheidung begründete die IFAF mit der neuen Linie des IOC.

Tschechien und die Ukraine zogen Konsequenzen

Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten.

Der tschechische Football-Verband ČAAF zog seine U15-Mixed-Auswahl und die U17 Boys von der Europameisterschaft zurück. Auch die Ukraine sagte ihre Teilnahme ab.

Tschechien hatte zuvor gemeinsam mit der Ukraine eine neutrale Teilnahme russischer Teams gefordert. Dazu gehörten der Verzicht auf die russische Flagge, Hymne und nationale Symbole sowie eine Überprüfung der mitreisenden Delegationsmitglieder.

Gerade bei den erwachsenen Trainern und Funktionären äußerte der tschechische Verband Bedenken hinsichtlich möglicher Verbindungen zum russischen Staat oder einer öffentlichen Unterstützung des Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Football-Austria berichtete bereits Ende August ausführlich über den Rückzug und die Hintergründe:

Eklat vor Flag-EM: Tschechien zieht Nachwuchsteams wegen Russland-Rückkehr zurück

AFBÖ verweist auf IOC-Beschluss

Österreich entschied sich anders. Der AFBÖ nimmt an der Europameisterschaft teil und ist in allen drei Bewerben – U17 Boys, U17 Girls und U15 Mixed – vertreten.

Der AFBÖ leitet die Antrittsgenehmigung Russlands aus dem Beschluss des IOC für sich ab.

World Athletics zeigt: Es gibt keinen Automatismus

Mittlerweile liefert ein anderer internationaler Sportverband zumindest eine deutliche Antwort auf die grundsätzliche Frage.

Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics hält trotz der veränderten IOC-Linie weiterhin an seinen Sanktionen gegen Russland und Belarus fest.

Der World-Athletics-Council bestätigte Anfang Juli 2026 erneut den Ausschluss russischer und belarussischer Athleten, Funktionäre und Betreuungspersonen von internationalen Wettbewerben. Präsident Sebastian Coe bekräftigte diese Position im September nochmals.

Damit wird zumindest deutlich: Aus der Haltung des IOC ergibt sich kein Automatismus, dem jeder internationale Sportfachverband in seiner eigenen Wettbewerbspolitik folgen muss.

Die IFAF hat sich entschieden, die neue IOC-Linie für ihre Nachwuchsbewerbe umzusetzen. Andere olympische Verbände können zu anderen Entscheidungen kommen. World Athletics tut genau das.

Dann kamen die italienischen Behörden

Doch damit war die Geschichte noch nicht beendet.

Am 11. September veröffentlichte die IFAF eine weitere Stellungnahme zur Teilnahme der russischen Teams an der Nachwuchs-EM.

Nach Gesprächen mit den italienischen Behörden musste die ursprünglich angekündigte Form der Teilnahme geändert werden. Eine russische Repräsentation mit Nationalflagge und Hymne wird es beim Turnier nicht geben.

Die IFAF einigte sich schließlich auf eine andere Konstruktion.

Die russischen Nachwuchsspielerinnen und -spieler dürfen antreten – allerdings unter der Bezeichnung „Team Euro Youth“.

Statement on the participation of Russian teams at the IFAF European Youth Flag Football Championships 2026

Eine neutrale Lösung war plötzlich doch möglich

Damit entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch.

Als Tschechien und die Ukraine eine neutrale Teilnahme der russischen Jugendlichen ohne russische Flagge, Hymne und nationale Symbole verlangten, blieb die IFAF bei ihrer Entscheidung. Die beiden Verbände zogen daraufhin Teams vom Turnier zurück.

Wenige Wochen später kommt nun im Ergebnis eine Konstruktion zustande, die zumindest in wesentlichen Punkten genau in diese Richtung geht: keine russische Flagge, keine russische Hymne und nicht einmal ein Team, das im Spielplan Russland heißt.

Die entscheidende Frage lautet daher: Warum war eine neutrale Lösung gegenüber den Einwänden Tschechiens und der Ukraine nicht möglich, gegenüber den italienischen Behörden wenige Wochen später aber doch?

Tschechien kehrt nun doch zur Europameisterschaft zurück

Am 17. September folgte die nächste Wendung. Der tschechische Football-Verband ČAAF bestätigte, dass nun doch alle drei tschechischen Nachwuchs-Nationalteams an der Europameisterschaft teilnehmen werden: U15 Mixed, U17 Girls und U17 Boys.

ČAAF-Präsident Radim Kroulík erklärte, sein Verband sei am Sonntag von der IFAF über Änderungen im Zusammenhang mit der Teilnahme der russischen Teams informiert worden. Bei der Europameisterschaft werde weder der Name Russland noch eine entsprechende Abkürzung verwendet. Die Teams treten stattdessen unter der neutralen Bezeichnung „Team Euro Youth“ an.

Auch russische Symbole und Flaggen sowie die russische Nationalhymne sollen bei der Veranstaltung nicht verwendet werden. Damit seien jene Bedingungen erfüllt worden, die Tschechien gemeinsam mit der Ukraine gefordert hatte.

Nach dieser Information habe die IFAF der ČAAF angeboten, wieder am Turnier teilzunehmen. Der tschechische Verband nahm das Angebot an.

Kroulík nennt „Team Euro Youth“ einen unglücklichen Namen

Bemerkenswert ist, dass Kroulík auch die von der IFAF gewählte neutrale Bezeichnung kommentiert. „Team Euro Youth“ sei seiner Meinung nach ein „etwas unglücklich gewählter Name“.

Noch bemerkenswerter ist eine weitere Passage seiner Stellungnahme: Der ČAAF-Präsident betont ausdrücklich, dass es sich bei den Änderungen nicht um eine Meinungsänderung oder eine neue Entscheidung der IFAF handle.

Die ČAAF sieht ihre gemeinsam mit der Ukraine erhobenen Forderungen damit für dieses Turnier als erfüllt an. An der ungewöhnlichen Chronologie ändert die neuerliche Wendung allerdings nichts: Erst nachdem die ursprünglich angekündigte russische Teilnahme unter Nationalflagge geändert und „Team Euro Youth“ geschaffen worden war, kehren die tschechischen Teams nun in das Teilnehmerfeld zurück.

Die Stellungnahme von ČAAF-Präsident Radim Kroulík

 

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Zwischen IOC und olympischer Zukunft

Die Entscheidungen fallen für die IFAF in einer sportpolitisch besonders wichtigen Phase.

Flag Football wird bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles erstmals olympisch sein. Die Aufnahme der kontaktarmen Football-Variante ist gleichzeitig ein bedeutender Erfolg der langjährigen Zusammenarbeit zwischen IFAF und NFL.

Doch für IFAF und NFL soll Los Angeles ausdrücklich nicht das Ende der olympischen Geschichte sein. Bereits im Dezember 2023 kündigte die IFAF an, sich auch um die Aufnahme von Flag Football bei den Olympischen Spielen 2032 in Brisbane bemühen zu wollen.

Auch die NFL verfolgt dieses Ziel offen. Charlotte Offord, General Manager von NFL Australia & New Zealand, bezeichnete die Aufnahme für Los Angeles 2028 im Juni 2025 als einen bedeutenden Moment für die Sportart und erklärte, man verfolge sehr ambitioniert das Ziel, Flag Football auch 2032 in Brisbane ins olympische Programm zu bringen.

Eine automatische Fortsetzung nach Los Angeles gibt es nämlich nicht. Flag Football wurde als zusätzliche Sportart für die Spiele 2028 aufgenommen. Für Brisbane 2032 muss sich die Sportart erneut einen Platz im olympischen Programm sichern.

Damit ist die Beziehung zur olympischen Bewegung für den Football-Weltverband gerade jetzt von erheblicher sportpolitischer Bedeutung. Ob diese Situation bei der Entscheidung der IFAF, der gelockerten IOC-Linie gegenüber Russland zu folgen, eine Rolle gespielt hat, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Am Ende geht es um Jugendliche

Bei aller sportpolitischen Diskussion darf ein Aspekt nicht aus dem Blick geraten: Am Ende treffen die Entscheidungen vor allem Jugendliche.

Die russischen Spielerinnen und Spieler haben den Krieg gegen die Ukraine nicht begonnen. Ebenso wenig tragen tschechische, ukrainische oder andere Nachwuchsathleten Verantwortung für die Entscheidungen ihrer Regierungen oder Sportverbände.

Gleichzeitig bezogen sich die Bedenken des tschechischen Verbandes nicht ausschließlich auf die Jugendlichen. Nationalteams reisen mit erwachsenen Trainern, Betreuern und Funktionären zu internationalen Veranstaltungen. Die ČAAF hatte deshalb ausdrücklich eine Überprüfung der Delegationen gefordert.

Wie man grundsätzlich zu Sanktionen gegen Russland im Sport steht, ist eine politische und sportpolitische Frage. Bemerkenswert ist in diesem Fall vor allem, wie oft sich die praktische Linie der IFAF innerhalb weniger Wochen verändert hat.

Zunächst folgte der Weltverband der gelockerten IOC-Linie und ermöglichte Russland die Rückkehr unter nationalen Symbolen. Nach dem Widerstand Tschechiens und der Ukraine blieb die IFAF bei dieser Entscheidung. Nach den Gesprächen mit den italienischen Behörden wurde die Teilnahme schließlich doch neutralisiert. Nun hat Tschechien nach den Änderungen seine Absage zurückgenommen und kehrt mit drei Teams zur Europameisterschaft zurück.

Übrig bleibt „Team Euro Youth“ – eine Bezeichnung, die nun selbst der Präsident des tschechischen Verbandes als „etwas unglücklich gewählt“ bezeichnet.

Österreich mit drei Teams bei der EM

Sportlich findet die Nachwuchs-Europameisterschaft vom 24. bis 27. September im Po Delta Park statt. Der zunächst veröffentlichte Spielplan enthielt weder Tschechien noch die Ukraine, dafür aber „Team Euro Youth“. Nach der neuerlichen Entscheidung der ČAAF müssen die drei tschechischen Teams nun wieder in den Turnierablauf integriert werden.

Schedule Announced For The 2026 IFAF European Youth Flag Football Championships

Österreich ist in allen drei Altersklassen vertreten: bei den U17 Boys, den U17 Girls und im U15-Mixed-Bewerb.

Die Erwartungen sind dabei durchaus ambitioniert. Bei der vergangenen Nachwuchs-Europameisterschaft in Innsbruck blieb Österreich allerdings ohne Medaille. Die U17 Boys belegten Platz fünf, die U17 Girls Rang sechs und das U15-Mixed-Team Platz sieben.

Deutschland, Spanien und Italien holen sich Flag Nachwuchs-EM Gold

In Italien soll es sportlich weiter nach vorne gehen. Abseits des Feldes hat die Europameisterschaft ihre erste große Geschichte allerdings bereits vor dem ersten Spiel geliefert.

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