Über 60 Leute gingen nun in Korneuburg auf die Straße. Walter H. Reiterer über akustische Animositäten.

Der Beschwerdeführer Hans Eberhard Hofmann stieß bei der Politik im wahrsten Sinn des Wortes auf taube Ohren. Versuche der Dragons die Situation zu deeskalieren, fruchteten offenbar nicht. Der Anrainer, der laut KURIER (welcher der Sache erneut eine ganze Seite widmete) nur ‚ein paar Mal herum telefoniert hat‘, war selbst über den Zuspruch überrascht. Er dürfte mit seinem Anliegen jedenfalls nicht alleine sein, kamen zum ersten Treffen auf der neuen Bürgerinitiative über 60 (!) Personen. Und das soll erst der Anfang sein. Laut Hofmann gibt es eine Dunkelziffer von mehreren hundert Betroffenen, die man erst jetzt anschreiben und aktivieren wird.

Häferl aus der Hand
Neben der Lautstärke ist auch die Länge der Veranstaltungen der Dragons den ‚Demonstranten‘ ein Dorn im Auge, die das Problem daher nicht nur auf die Dragons, sondern auch auf eine Fehlplanung beim Stadionbau zurückführen. Das ‚Rattenfänger‘ wirke wie ein ‚Resonanzkörper‘, dabei kam laut KURIER auch ein Häferl zu Tode, welches beim ersten Spiel einer Nachbarin vor Schreck aus der Hand fiel.

Akustische Monster
Was sich lustig anhört, ist aber bitterer Ernst. Die aufgebrachten Nachbarn dürften nämlich insofern Recht damit haben, als das Stadion tatsächlich wie ein Verstärker wirkt. Bei einem Lokalohrenschein während eines Nachwuchsspieles, stellten wir in der angrenzenden Wohnsiedlung am Bisamberger Badeteich tatsächlich einen ungewöhnlich hohen Lärmpegel fest. Mittendrin, statt nur dabei – wir (als Footballfans) fanden dieses feeling zwar witzig, die Bewohner verständlicher Weise eher nicht. Zwar befindet sich die Tribüne gut und gerne einen schwachen Kilometer von der Siedlung entfernt, bei der Planung dürfte man aber die große Freifläche vor ihr nicht berücksichtigt haben, so der Schall durch die Bauweise und Ausrichtung reflektiert wird und danach noch viel Raum hat, um sich unbehindert auszubreiten. Sie (die Tribüne) steht schlicht und ergreifend auf der falschen Seite des Spielfeldes und ist damit ein akustisches Monster. Und daher fand Herr Hofmann auch auf Anhieb so viele Anhänger, die sich wohl noch weiter vermehren werden.

Wie einst Real Madrid
Nicht ganz verständlich auch die Tatsache, dass die Dragons bei ihren Nachwuchsspielen, trotz des bereits bekannten Problems, im Herbst weiterhin Vollgas gaben. Es wirkte bisweilen auch überlebensgroß, wenn bei einem Spiel, wo gerade mal 150 Fans anwesend waren, eine kleine Fraktion, ‚bewaffnet‘ mit einem montierten Trommel-Set und Megaphonen sich Gehör verschaffte, so, als wäre man im Bernabeu und man müsse als Real-Fans den tausenden Bayern-Anhänger akustisch Paroli bieten. Damit erwies sich der Verein einen Bärendienst, wie man anhand der aktuellen Entwicklung auch erkennen kann.

Ein ganz ähnliches Problem findet man ja auch in Wien Simmering, im Footballzentrum der Vikings, wo ebenfalls Anrainer Beschwerde gegen Lärmbelästigungen führten und führen. Dort ist man, auch auf Geheiß des Präsidenten, leiser getreten, um der Aufregung entgegen zu treten.

Wie geht es weiter?
Sollte Herr Hofmann in Gesprächen (finden diese auch statt?) nicht davon abzubringen sein, sein Begehren weiter voranzutreiben, dann wird er die von ihm angekündigte Hundertschaft an Gegnern des Footballspiels im Rattenfänger-Stadion auch finden. Denn das Problem an sich, das ist einfach da und lässt sich nicht leugnen. Das ist auch leider kein ’spleen‘ mehr eines Einzelnen, sondern eine ernst zu nehmende Intervention einer kleinen Region. Man muss kein Prophet sein, dass sich die Ohren des Bürgermeisters von Korneuburg dann auch flugs öffnen werden, oder öffnen müssen, zudem in der betroffenen Siedlung einige Honoratioren des Stadtrand-Bürgertums ihre Heimat gefunden haben. Und die wollen schon bemerkt haben, dass der Verein kurz vor einer Umbenennung in ‚Korneuburg Dragons‘ steht, was man als handfeste Bedrohung wahr nimmt. Da steckt also Sprengstoff drinnen, es bedarf eines Entschärfung-Kommandos.

Ein erzwungener Auszug der Dragons aus dem Rattenfänger-Stadion würde einer kleinen Katastrophe für den Verein, aber auch für den American Football in Österreich gleich kommen. Die Dragons haben es nach zwei Jahrzehnten nicht nur geschafft sportlich in der Bundesliga zu reüssieren, sondern sich auch eine kleine, aber feine (und eben auch lautstarke) Fangemeinde zulegen können. Nun muss man denen vielleicht sagen, dass es auf dem Pegel nicht immer geht (das Stadion wird man wohl nicht umbauen können), damit das Rattenfänger für die Drachen nicht auf Dauer unrockbar bleibt.

P.S:
An den Kollegen vom KURIER, Stefan Straka, der sich schon zum zweiten Mal so ins Zeug legt für die Lärmopfer und beim ersten Versuch bereits sein Halbwissen in Nebensätzen über den Sport verbreitet hat: Ein Fetzenlaberl ist kein Football. Ein Fetzenlaberl (österr.) ist ein aus Stoffresten gefertigter Fußball, sehr beliebt bei der Nachrkiegsgeneration, die sich keinen echten Ball leisten konnte. Der Begriff, nachdem Sie gesucht haben, lautet Eierlaberl, was nicht auf die Zerbrechlichkeit eines Footballs, sondern auf seine Form zurückzuführen ist. Sie können aber auch Schweinshaut sagen, sollte das besser zur Blattlinie passen.

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