Unverhofft kommt oft – zumindest in diesem Fall für die Big Boys der Cineplexx Blue Devils, welche nach dem Modus der heurigen Meisterschaften (keine All-Season Tabelle, sondern der Gruppenplatz zählt) nun nicht nur für sie relativ unerwartet im Halbfinale des Bewerbs stehen. Dieses Play Off wird man definitiv nicht spielen und erntet dafür neben Kritik relativ überraschend auch Verständnis von einigen Beteiligten. Football-Austria.com versucht das Zwielicht dieser Entscheidung ein wenig zu erhellen, sprach mit Devils Headcoach Ron Anzevino, mit dem sportlichen Leiter der Dragons Robert Katzmayer, Devils Präsident Christoph Piringer und AFBÖ Vize Karl Wurm über das Thema.
Prähistorisches
Lang, lang ist es her als die Emser noch als das Problemkind in Sachen Nachwuchsarbeit galten. Nämlich fast drei Monate, als man im Hochsommer noch mutmaßte, daß sie nicht in der Lage sein werden diese Meisterschaften zu bestreiten. Die Rede war von Absagen, Nicht-Antreten bzw. Abtreten. Die schärfsten Kritiker der Nachwuchsarbeit der Vorarlberger wurden bald eines Besseren belehrt. Nicht nur, daß man sich in drei Klassen als spielfähig präsentierte, gewann man dazu auch noch Matches. In der Jugend und bei den Junioren. Am Ende scheinbar eines zu viel, denn das nun mit nur einem Sieg erreichte Halbfinale will und wird man definitiv nicht spielen.
Selbstdisqualifikation
Hierfür werden einige Gründe angeführt. Ersterer eine Art "Richtigstellung" der Kräfteverhältnisse von Head Coach Ron Anzevino, der auch für die Absage verantwortlich ist. Anzevino sieht sein Team für das Play Off als sportlich nicht qualifiziert an. Weder habe man das Personal, noch den Rekord (1-3) um dafür eine Berechtigung zu haben – Modus hin oder her, welcher übrigens von allen Teams mitgetragen und ebenso von allen nun als untauglich bezeichnet wird.
"Wir haben gute Nachwuchsarbeit geleistet, wie jeder sehen kann. Wir stehen aber erst am Beginn einer Entwicklung und sind für dieses Jahr bei unseren Big Boys am Ende unserer Ressourcen angekommen. Play Off ist die Vorstufe für Championships. Wir sind aber noch keine Champions, sondern gute Anfänger. Ich kann meinem Team nicht erklären sie hätten sich das verdient, nur weil der Modus absurd ist. Es gibt ein klar besseres Team – die Black Lions. Hätten wir diese zu Hause geschlagen, dann würden wir darüber keine Sekunde nachdenken. Sollten jetzt negative Stimmen aufkommen, wir wären nicht spielfähig oder Ähnliches, darf ich jeden Kritiker einladen sich unsere Arbeit vor Ort anzusehen um das zu entkräften. Ich lasse mir das nicht schlecht reden. Es ist für mich eine richtige Entscheidung dieses Spiel nicht mehr zu spielen, da ich es den Kids nicht mehr zumuten kann. Man kann nicht so tun als seien wir so gut, nur weil wir kein All-Season Ranking berücksichtigen. Es war eine tolle Saison für uns und ich möchte mich bei allen Teams für die guten Matches und die Gastfreundschaft bedanken. Ich möchte mich außerdem bei den Vikings für meine Reaktion direkt nach dem Juniorenmatch in Wien (running up the score) entschuldigen. Das sagte ich im ersten Frust. Es liegt nicht an den Vikings ihren Score niedrig zu halten, sondern an uns.", so Anzevino gegenüber Football-Austria.com.
Blue Devils Präsident Christoph Piringer überließ die Entscheidung seinem Head Coach, ließ zwar durchblicken, dass er die Partie lieber gespielt hätte, aber damit noch andere Probleme verbunden wären.
"Das Hauptproblem ist ein Sportliches. Es ist mal offensichtlich, daß wir nicht das viertbeste Team sind. Abgesehen davon, würden wir in diesem Match personell am letzten Zacken daherkommen, denn die Saison war hart, unsere Personaldecke ist noch dünn, dafür die Verletztenliste lang. Es wäre sportlich wertlos – für beide Teams. Die Kosten will ich jetzt gar nicht in den Vordergrund stellen. Wären wir sportlich in der Lage hier gut zu spielen, dann würden wir fahren. Der Coach sagt nein und zu seiner Entscheidung stehe dann auch ich. Was mir viel mehr Kopfzerbrechen bereitet hätte, wäre wie ich den Eltern der Kids erklärt hätte, daß sie diese zum zweiten mal in Folge am Montag 4 Uhr morgens abholen können. Ich gehe davon aus, daß sich hier auch einige Eltern quergelegt hätten und ehrlich gesagt kann ich das auch verstehen. Die Jungs haben zum Teil 4000 Reisekilometer in den Knochen und irgendwann reicht es dann auch. Jetzt sollen wir noch mal 1200km mit einem Rumpfteam draufpacken, ein Halbfinale spielen das wir uns gar nicht verdient haben und hoffen daß sich keiner verletzt? Keine gute Idee."
Was Piringer außer Acht läßt ist, daß es sich dabei immerhin um ein Play Off der höchsten Nachwuchsklasse und ein Teilnehmer handelt. Er führt damit auch die ganze Meisterschaft ein wenig ins Absurde und nicht nur den Modus, welcher im Nachhinein betrachtet natürlich kein guter ist und dadurch zwei ungleich starke Teams aufeinander treffen würden. Jedoch, und wie schon erwähnt, ist er (der Modus) keine Erfindung einer einzelnen Person, sondern eine gemeinsame Entscheidung aller Teams. Dabei hat man einige Dinge nicht bedacht, bzw. falsch eingeschätzt. Nun ist man (ebenso gemeinsam) gescheiter. Völlig falsch, wie ebenso überflüssig also die verbalen Attacken auf die Nachwuchsbeauftragte Sabine Katzmayer in Kommentaren. Sie ist nur eine von vielen, welche das für eine vernünftige Lösung hielten. Jetzt wäre eine vernünftige Lösung z.B. die Black Lions das Halbfinale spielen zu lassen.
Dazu Piringer weiter: "Ich habe mit Black Lions Präsident Manfred Mocher darüber telefoniert. Er würde statt uns das Play Off spielen wollen und sein Team hätte es sich auch verdient. Ob das jetzt überhaupt geht, weiß ich nicht. Ich würde es aber für fair und vernünftigen halten, denn wäre ich in der Situation der Lions, mit zwei Siegen und dem Bombenmatch gegen die Raiders in der Tasche, aber im Playoff steht ein anderes Team, welches man zuvor geschlagen hat, dann wäre ich auch nicht gerade darüber erfreut. Jeder der die Meisterschaft verfolgt hat und die Situation aller Teams halbwegs abschätzen kann, wird mit wohl folgen können wenn sich sage: Ihr habt die Falschen erwischt. Wir sind nicht die verdienten Play Off Teilnehmer. Noch nicht. Im nächsten Jahr ist das unser Ziel und darauf werden wir uns vorbereiten. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das aber kontraproduktiv und den Modus kann man ja nun noch einmal überdenken."
Hört sich alles vernünftig und versöhnlich an, weniger freundlich Piringers Worte zur Webseite der Vikings.
Wer ist Andy PAT?
Enttäuscht bis erzürnt zeigt sich der Devils Präsident über die Kolumne von Andy Ubell auf der offiziellen Webseite der Chrysler Vikings.
"Wer ist das eigentlich und woher kennt der uns? (Erklärung folgte) Das gibt es ja bitte wohl nicht! Wir hatten heuer Besuch von Football-Austria.com, von der Nachwuchsbeauftragten Sabine Katzmayer, von Junioren Nationalteam Coach Bernie Binstorfer, vom Commissioner Christian Steiner, von Coaches und Verantwortlichen der Raiders, Dragons und Vikings. Wir wurden beobachtet und bewertet und man hat sich ein Bild gemacht von unserer Nachwuchsarbeit hier. Ich darf mit Fug und Recht behaupten, daß wir dabei eine mehr als gute Figur gemacht haben! Dann geht der Platzsprecher der Vikings her, der weder mich, noch die Coaches, geschweige einen einzigen Spieler, unser Programm oder die Situation kennt, ja nicht nur niemals selbst vor Ort war, sondern auch Vorarlberg in seinem "Bericht" nicht richtig buchstabieren kann und erklärt uns auf der offiziellen Seite der Vikings wir würden von den Dragons davonrennen? So viel Ahnungslosigkeit von der Materie tut weh!"
Aber gehen wir von den Nebenschauplätzen wieder weg und betrachten was die Haute Volé des heimischen Footballs zum Nichtantreten der Devils zu sagen hat.
Karl Wurm, in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des AFBÖ, sagt dazu folgendes:
"Ich habe auf Football-Austria.com gelesen, daß der Verband angeblich "grünes Licht" gegeben hätte zu dieser Entscheidung. Das ist bitte grundlegend falsch! Niemals würde der Verband so eine Vorgehensweise gut heißen, denn dessen Aufgabe ist es Footballmatches zu gewährleisten und nicht sie abzusagen. Dahingehend wird mit den Blue-Devils auch gemäß der WSO verfahren werden. Das ist eine Spielabsage und wird als solche auch geahndet. Wie bei allen anderen Teams auch, denn auch die Salzburger werden mit Konsequenzen rechnen müssen. Nur sollten wir auch die Kirche im Dorf lassen. Die Bulls haben heuer zum ersten mal Probleme im Nachwuchs – die Reaktion des Verbandes darauf muß angemessen, aber darf nicht überzogen sein. Ebenso bei den Blue-Devils, bei denen wir heute erfreulicher Weise nicht mehr diskutieren müssen ob sie ausreichend Nachwuchsarbeit betreiben. Ich habe selbst den Hohenemsern mehrmals gratuliert zu ihrer großartigen Arbeit und es steht für alle Beteiligten völlig außer Zweifel, daß sie 2006 natürlich eine AFL Lizenz bekommen werden, denn dieses Programm hat Zukunft und ich kann mich nur wiederholen: Toll gemacht! Was aber nicht heißt, daß der Verband ein Nichtantreten zum Play Off einfach hinnehmen wird. Hier wird es Konsequenzen geben, einer Spielabsage angemessen – damit ist die Sache dann aber auch erledigt. Persönlich möchte ich anmerken, daß es immer gute Gründe geben kann ein Spiel zu spielen oder eben auch nicht zu spielen. Ich will das gar nicht weiter kommentieren, denn es ist Sache der Hohenemser hier richtig zu entscheiden."
Robert Katzmayer, der sportliche Leiter der Danube Dragons, meint dazu:
"Wir reden hier von Jugendlichen. Das ist ganz wichtig zu verstehen, bevor man hier voreilige Schlüsse zieht. Wenn die Vorarlberger nach reiflicher Überlegung der Coaches zur Meinung kommen, sie können das Play Off nicht mehr spielen, weil erstens, zweitens, drittens, dann ist das zwar nicht erfreulich, aber man kann sich den Argumenten auch nicht gänzlich verschließen. Sie sind mit drei Nachwuchsteams angetreten, hatten weite Anfahrtswege zurückzulegen und haben ihr Programm vorbildlich bis hierher durchgezogen. Jetzt sind sie am Ende der Fahnenstange für dieses Jahr angekommen. Das sage ich jetzt nicht, weil es mir als Dragons Verantwortlicher gerade genehm ist das Match nicht mehr spielen zu müssen, sondern weil ich die Situation kenne und nachvollziehen kann. Auch wir waren einmal dort, wo die Devils heute sind, selbst die Vikings kennen solche Zwickmühlen aus ihrer Vergangenheit. Jeder der mit Nachwuchsfootball schon ein wenig länger zu tun hat, kennt die Probleme und kann sie verstehen. Es braucht alles seine Zeit. Das Positive ist, daß die Devils gute Nachwuchsarbeit betreiben und das sollte jetzt im Vordergrund stehen, denn das ist die Zukunft. Ein abgesagtes Play Off ist sicher kein Ruhmesblatt, aber diesem Team ist ansonsten wenig vorzuwerfen."
Nun scheint das erste Big Boys Play Off bereits vorher entschieden zu sein. Daß es zu einer Begegnung Danube Dragons vs Carinthian Black Lions kommt ist eher unwahrscheinlich.
Die Emser lassen ihre Kampfspiel Lichter vorzeitig ausgehen und wenden sich der Vorbereitung zu. Am 29. und 30.10 gehen sie noch einmal für zwei Tage gleißend an, steht in Hohenems doch der Bodenseecup mit den Salzburg Bulls und jeweils zwei Teams aus der Schweiz und Deutschland an. Bemerkenswert, daß am Finalwochenende der Nachwuchsmeisterschaften gleichzeitig internationale Vorbereitungsturniere stattfinden.

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