Dreizehneinhalb Minuten sind noch auf der Uhr, als Troy Smith an der Denver 39 Yard Linie einen 1st & 10 Snap annimmt. Die 49ers sind 3-10 hinten, magic is desperately needed. Smith scrambelt, versucht Ryan McBean und Ronald Fields zu entkommen, sucht verzweifelt nach Lücken, Möglichkeiten, Lebenszeichen, streckt seinen Arm aus, deutet in die Zukunft und wirft im Rückwärtsfallen Richtung Endzone. Ich so: ‚Oh no.‘

Eine halbe Stunde später sitzt Mike Singletary vor der Presse, nach einem wichtigen Sieg und beschreibt den Play: ‚It was like watching…‘. Ich so: ‚Oh no.‘

Champ Bailey und Brian Dawkins, zwei Veteranen, mehrfach-All-Pros, Secondary-Meister sind bei 49ers TE Delanie Walker an der 1 Yard Linie als der Ball von Smith auf unerklärliche Weise doch Walkers Hände findet. Ich so: ‚Oh yes.‘ Einen Play später lief Troy Smith zum Touchdown, der den 49ers-Lauf im vierten Viertel eröffnen sollte und ihnen den Sieg brachte.

Singletary beendet den Satz mit: ‚…Brett Favre.‘ Ich so: ‚Oh…. no.‘ Singletary ist vielleicht der einzige Head Coach in der NFL, der sogar nach Siegen manchmal so wirkt, als ob er nicht wirklich weiß, warum das Spiel so und nicht anders ausgegangen ist. Er wird sicher wieder Film schauen, um herauszufinden, was los war. Aber in dem Moment Smith mit Favre zu vergleichen und nicht zu sehen, wie schief das alles hätte ausgehen können, ist typisch für die Saison der 49ers. Singletarys Realitätsverweigerung lässt die Mannschaft in dem 2-6 Loch, und das Team muss quasi wöchentlich seinen eigenen Coach outperformen. Troy Smith schaffte das, keine Frage, und der Sieg war verdient und von Smith wacker erarbeitet. Aber allzuoft gehen solche Pässe nicht gut aus, und das sollte man wissen, gerade wenn man vom Head Coach mit Brett Favre verglichen wird.

Favre selber am Sonntag anzusehen war die meiste Zeit über gar nicht so furchtbar. Klar waren ein paar hässlich überworfene Bälle dabei, aber für die INT konnte er rein gar nichts, und das Spiel war ansonsten solide. Bezeichnend war dennoch, dass nach seiner verletzungsbedingten Auswechslung Tarvaris Jackson in seinen ersten beiden Spielzügen acht Punkte erzielte. Wenn die Vikings das Spiel irgendwo verloren haben, dann weil die die Defense T-Jax nicht nochmal in Position brachte, das Spiel zu gewinnen. Und Brad Childress muss jetzt gut überlegen, ob sein Backup nicht vielleicht doch die bessere Variante für die Zukunft des Teams ist, als der 41-jährige Opa, der ‚angeschlagen‘ auf ein neues Level hievt.

Die Titans verloren ihr spannendes Matchup mit San Diego mit Backup Kerry Collins under center, weil Vince Young verletzungsbedingt raus musste. Mike Shanahan bencht im Coaching-Kurzschluss der Woche Donovan McNabb zwei Minuten vor Schluss (!) und sechs Punkte hinten (!!) für Rex Grossman (!!!), der das Spiel dann endgültig verlor mit dem fumble six. Dallas verlor mit Romo-Backup Jon Kitna gegen Jacksonville, auch wenn Kitna für drei der vier INTs nichts konnte. Die Cowboys sind das train wreck, bei dem man nicht weggucken kann, was natürlich an dem Talent in dem Team und den hohen Erwartungen liegt, aber auch an der Tatsache, dass sie David Garrard wie einen Hall of Fame Quarterback aussehen lassen können. Jetzt geht’s nach Lambeau und New York, und alles andere als ein 1-8 danach wäre eine Überraschung.

Noch ein quasi-Backup QB verlor sein Spiel letzten Sonntag, als Derek Anderson, der eigentliche Starter der Cardinals, der früh in der Saison für Rookie Max Hall gebencht wurde, doch wieder sein Glück versuchen durfte gegen die Bucs. Hall hat davor drei TDs geworfen, zwei davon für die Gegner, aber Andersons off-the-bench-magic reichte nicht aus, als er seinen potentiell spielentscheidenden Drive mit einer INT zu Aqib Talib beendete. Josh Freeman hat nun sechs seiner acht Karriere-Siege mit 4th-Quarter-Comeback-Drives erzwungen. How’s that for magic.

Wenn man von Woche 1 Rostern ausgeht, kann man auch Ryan Fitzpatrick als Backup ansehen, auch wenn er mittlerweile unhinterfragt die Nr. 1 im depth chart der Bills ist. Fitzpatrick führte seine Bills zum zweiten Mal in ebensovielen Wochen in einen Overtime-Heartbreaker, als die Bills fünf Sekunden vor Ende der Verlängerung gegen die Chiefs doch an einem FG untergingen. Fitzpatrick ist aber weiterhin Top 10 der Liga in QB-Rating und sicher nicht der Grund für den einzigen sieglosen Record der Liga. Er sollte nur endlich mal gewinnen.

Troy Smith bleibt also der einzige Backup, der einen Sieg davontragen konnte, aber die Reihe an Verletzungen, die die NFL heuer auf der QB-Position erlebt, zusammen mit den positiven Erfahrungen von Teams wie den Eagles, die zwei potentielle Starter auf QB haben, deuten darauf hin, dass man sich in Zukunft nicht leisten kann, nur einen millionenschweren Star und dahinter Nobodys zu haben. Noch sind die wirklich großen QBs stabil. Aber was passiert, wenn Peyton Manning, Tom Brady, Drew Brees oder Philip Rivers mal pausieren müssen? Nicht jedes Eliten-Team hat eine Defense wie Pittsburgh, die auch ohne Big Ben Spiele gewinnen konnten.

Random Thoughts

  • Ndamukong Suh. Zwei Sacks und ein fumble recovered for a TD, bei dem er frühzeitig sich zu freuen begann, dann merkte, dass ihn doch noch ein gegnerischer Spieler nervt, und ihn wie eine nervige Fliege verscheuchte. Suh hat für einen Rookie-D-Liner unfassbarer Präsenz am Feld, aber, was noch viel erstaunlicher ist: Er schafft es auch in den für innere Lineman meistens uninteressanten messbaren Stats derart aufzuzeigen, dass die Stats- und Big Play-verliebten Voter ihn für Rookie of the Year in Erwägung ziehen müssen. Bisher hochverdient.
  • Und a propos Detroit: Willkommen zurück, Matthew Stafford! Calvin Johnson fing heute ebensoviele Touchdowns, wie er sonst Leute in Coverage um sich herum hat. Der erste TD zeigte ziemlich deutlich, wogegen er Play für Play ankämpfen muss.
  • Ähm, okay, Darren McFadden ist ja noch nachvollziehbar, aber dass plötzlich eine derart dominante Defense in Oakland spielt? Zugegeben, gegen Matt Hasselbeck, aber dennoch, man muss sich fragen, ob das 4-4 der Raiders nicht nur blanker Zufall ist. Die sind eventuell wirklich raus aus dem Keller der Liga und im unteren Mittelfeld anzutreffen.
  • Auch in der Rubrik ‚Teams, die niemand auf 4-4 eingeschätzt hätte‘: Washington, Jacksonville und St. Louis. Washington hat den McNabb-Boost am Anfang der Saison ausgenutzt, versinkt nun aber immer mehr in offensivem Chaos. Jacksonville ist mit 4-4 letzter ihrer Division, weil die AFC South heuer die stärkste Division der NFL ist, was W-L-Record angeht. Und die Rams sind erfrischend effektiv in ihren Versuchen, eine winning culture zu etablieren. Gratulation an alle drei.
  • Miami bleibt auswärts ungeschlagen dank Dan Carpenter. Die Bengals bleiben das Schattenbild des Playoffteams, das sie letztes Jahr waren.
  • Randy Moss hat sich aus zwei Teams diese Saison rausgeredet, ich bin gespannt ob sich das (und seinen $6.4 Millionen Dollar Vertrag) nochmal wer antun wird. Eventuell muss doch Minnesota für das Gehalt aufkommen, sollte sich niemand finden. Und dann hat Chilly viel Geld und Draft-Potential hergegeben für nicht mal einen Monat voller zwei TDs, interner Spannung und einem mäßigen Schuss vor Favres Bug.
  • Coming up next: Der Kampf um die NFC South, der Kampf um die AFC West, Miamis vielleicht schwierigstes Auswärtsspiel bisher und zwei weitere Duelle zwischen Teams über .500. Es wird wieder hochklassiger nach der Massen-Bye.

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