Paukenschlag im europäischen Flag Football: Die ČAAF (Česká asociace amerického fotbalu) zieht ihre Nachwuchs-Nationalmannschaften mit sofortiger Wirkung von der anstehenden Europameisterschaft zurück. Die IFAF Nachwuchs-Flag-Europameisterschaft 2026 findet vom 24. bis 27. September 2026 im Po Delta Park in Italien statt.

Auslöser ist die Wiederzulassung russischer Nachwuchsteams durch den Weltverband IFAF. Der tschechische Verbandspräsident Radim Kroulík kritisiert insbesondere den aus seiner Sicht fehlenden transparenten Umgang mit der Entscheidung sowie die Zulassung russischer Teams unter nationalen Symbolen.

Weder das tschechische U15-Mixed-Team noch die U17-Burschen werden bei der EM antreten. Wie ČAAF-Präsident Kroulík öffentlich machte, erfuhr der tschechische Verband nach eigenen Angaben durch eine interne Teilnehmerliste der International Federation of American Football (IFAF) von der Rückkehr Russlands. Eine offizielle Ankündigung oder transparente Information im Vorfeld habe es nicht gegeben.

„Wir waren überrascht zu sehen, dass russische Teams in diesen Kategorien eingeteilt wurden. Die IFAF hat die Rückkehr Russlands in den Wettbewerb nie angekündigt – weder auf dem Kongress im Dezember noch in irgendeiner anderen Form danach“, so Kroulík.

Die IFAF stellt den Vorgang allerdings anders dar und verweist auf ihre inzwischen aktualisierten Richtlinien für die Teilnahme russischer und belarussischer Nachwuchsathleten.

ČAAF fordert neutrale Symbole – IFAF folgt der Forderung nicht

Auf Nachfrage berief sich die IFAF auf aktualisierte Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die unter bestimmten Voraussetzungen eine Rückkehr russischer und belarussischer Nachwuchsathleten in internationale Wettbewerbe ermöglichen.

Die ČAAF bat gemeinsam mit dem finnischen Verband zunächst um Aufklärung über die Entscheidung. Anschließend nahm Kroulík Kontakt mit dem ukrainischen Verbandspräsidenten auf und sagte der Ukraine Unterstützung zu. Gemeinsam mit den ukrainischen Forderungen verlangte die ČAAF von der IFAF, dass russische Teams ohne ihren Namen, ihre Nationalflagge und Nationalhymne sowie unter neutralen Symbolen antreten sollten.

Darüber hinaus sollte eine Überprüfung aller Delegationsmitglieder stattfinden, um sicherzustellen, dass keine Person an der Veranstaltung teilnimmt, die die militärische Aggression Russlands gegen die Ukraine öffentlich unterstützt, beworben oder gutgeheißen hat.

Dieser Forderung folgte die IFAF nicht. Die russischen Teams figurieren weiterhin unter den Teilnehmern, woraufhin die ČAAF ihre beiden Nachwuchsteams vom Turnier zurückzog.

„Ich schäme mich auch dafür, wie schnell meine Kollegen aus anderen Staaten der Ukraine den Rücken gekehrt haben. Wenn die Unterstützung für ein angegriffenes Land nur darin besteht, unmittelbar nach Beginn des Konflikts das Profilbild auf Facebook zu ändern, dann ist das zu wenig.“

– Radim Kroulík, Präsident der ČAAF

Kroulík bezeichnete den Wunsch nach einem politikfreien Sport angesichts der Realität als „romantische Vorstellung“. Der tschechische Verband bereitet nun ein eigenes Ersatzturnier vor, um den eigenen Nachwuchsspielern trotz des EM-Verzichts internationale Spielpraxis zu ermöglichen.

IFAF bedauert Rückzug und beruft sich auf IOC

Der Weltverband reagierte mit einer offiziellen Stellungnahme auf den Rückzug der Tschechen. Darin drückt die IFAF ihr Bedauern aus, verteidigt jedoch die Entscheidung ihres Vorstands aus der Sitzung am 17. August in Düsseldorf.

Unter Berufung auf aktualisierte IOC-Richtlinien gestattet der Weltverband Nachwuchsathleten aus Russland und Belarus die Teilnahme an IFAF-Jugendwettbewerben. Nach der neuen Regelung dürfen die entsprechenden Nationalmannschaften dabei ausdrücklich auch unter ihren jeweiligen Nationalflaggen antreten.

Die IFAF begründet die Entscheidung mit dem Grundsatz, dass Nachwuchsathleten nicht für die Handlungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden sollten.

Die neue IFAF-Regelung betrifft sowohl Nachwuchsathleten aus Russland als auch aus Belarus. Beim konkreten Nachwuchs-Europachampionat 2026 geht es nach den vorliegenden Teilnehmerinformationen um russische Teams.

Welche Rolle nimmt der AFBÖ ein?

Der Rückzug der Tschechen wirft nun auch für die übrigen europäischen Verbände Fragen auf – darunter den American Football Bund Österreich (AFBÖ).

Die letzte Nachwuchs-Flag-EM fand in Österreich statt, damals noch mit der Ukraine und Tschechien und ohne Teilnehmer aus Russland und Belarus, die vom Turnier in Innsbruck ausgeschlossen waren.

Eine offizielle Stellungnahme des österreichischen Verbandes zur IFAF-Entscheidung und zum Rückzug der tschechischen Teams liegt derzeit noch nicht vor.


Die Stellungnahmen im vollständigen Wortlaut

Die folgenden Stellungnahmen wurden von Football-Austria.com aus den jeweiligen Originaltexten ins Deutsche übersetzt.

STELLUNGNAHME DES ČAAF-PRÄSIDENTEN

An alle Fans des American Footballs in Tschechien,

auch der Sport bringt manchmal unangenehme Situationen mit sich, die keine guten und einfachen Lösungen haben. Persönlich bevorzuge ich es, wenn tolle Spielerleistungen im Mittelpunkt stehen und wir uns über unvergessliche Football-Erlebnisse freuen können. Leider muss ich eine Ausnahme machen und die Aufmerksamkeit vom Spielfeld hinter die Kulissen lenken.

Im September findet die nächste Nachwuchs-Europameisterschaft im Flag Football (U15 und U17) statt, auf die sich auch unsere Teams vorbereiten. Im Laufe des Jahres veröffentlichte die IFAF (International Federation of American Football) intern die Teilnehmerliste, und zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass in den Kategorien U15 Mixed und U17 Buben auch Teams aus Russland eingeteilt sind.

Die IFAF hat weder auf dem Dezember-Kongress noch später in irgendeiner Form über die Rückkehr russischer Teams in den Wettbewerb informiert. Gemeinsam mit dem Vertreter Finnlands haben wir eine Anfrage an die IFAF mit der Bitte um Aufklärung geschickt. Wir erhielten die Erklärung, dass die IFAF den Regeln und Empfehlungen des Internationalen Olympischen Komitees folgt, welches die Rückkehr russischer Jugendteams in internationale Wettbewerbe wie die Europameisterschaft ermöglicht hat.

Dieser Erklärung stimmen die übrigen Mitglieder des Vorstands und ich entschieden nicht zu. In der aktuellen Situation ist es nicht möglich, dass unsere Teams auf dem Feld gegen Russland antreten (ganz zu schweigen von der Absurdität von Spielen zwischen der Ukraine und Russland). Diese Meinung teilt auch die überwiegende Mehrheit unserer Vereine, die uns die Empfehlung gegeben haben, in dieser Form nicht zum Turnier zu reisen.

Ich habe mich mit dem Präsidenten des ukrainischen Verbandes in Verbindung gesetzt, um das weitere Vorgehen abzustimmen, und habe ihm unsere Unterstützung zugesichert – einschließlich der Zusage, dass Tschechien nicht in den Kategorien antreten wird, in denen russische Teams starten sollten.

Gleichzeitig habe ich ihm und anderen Staaten angeboten, dass wir in Tschechien ein Ersatzturnier veranstalten, damit unsere Spieler nicht um internationale Spiele gebracht werden.

Der ukrainische Präsident hat einen Brief mit Bedingungen an die IFAF geschickt, unter denen sie bereit wären, an der EM teilzunehmen: Die russischen Teams müssten auf Name, Flagge und Nationalhymne verzichten und unter neutralen Symbolen starten. Zudem sollte eine Überprüfung aller Delegationsmitglieder stattfinden, um sicherzustellen, dass keine Person dabei ist, die die militärische Aggression gegen die Ukraine öffentlich unterstützt, beworben oder gutgeheißen hat.

Dieser Aufforderung haben wir uns angeschlossen und die IFAF darüber informiert, dass unsere Teams im Falle der Nichteinhaltung dieser Bedingungen nicht am Turnier teilnehmen werden.

Unserer Forderung wurde seitens der IFAF nicht stattgegeben, und russische Teams figurieren weiterhin unter den Teilnehmern. Aufgrund dieses Ergebnisses haben wir beschlossen, dass die Teams U15 Mix und U17 Buben nicht an dieser Europameisterschaft teilnehmen werden.

Ich schäme mich dafür, dass unser Sport in diese Situation geraten ist. Es schadet allen Bemühungen, American Football auf positive Weise in den Fokus der Sportöffentlichkeit zu rücken. Ich schäme mich auch dafür, wie schnell meine Kollegen aus anderen Staaten der Ukraine den Rücken gekehrt haben. Wenn die Unterstützung für ein angegriffenes Land nur darin besteht, unmittelbar nach Beginn des Konflikts das Profilbild auf Facebook zu ändern, dann ist das zu wenig.

Es tut mir leid für unsere Spieler, die um die einmalige Chance gebracht werden, unser Land zu repräsentieren. Ich habe Verständnis dafür, wenn sie ihren Frust auch an mir, dem Vorstand oder dem Verband als Ganzes auslassen. Wir bereiten nun ein Alternativprogramm für unsere Teams vor, und die Vorbereitung aller Mannschaften läuft weiter.

Ich würde mir wünschen, dass Politik nicht in den Sport gehört. Das ist jedoch eine romantische Vorstellung abseits der Realität. Auch der Sport ist nicht immun gegen negative Erscheinungen. Aber der Sport lehrt uns zu kämpfen – selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen. Und ich glaube daran, dass die Wahrung der moralischen Integrität wertvoller ist als jedes sportliche Ergebnis.

Radim Kroulík, Präsident der ČAAF

STELLUNGNAHME DER IFAF

Rückzug der tschechischen U15-Mixed- und U17-Buben-Teams von den IFAF-Europameisterschaften im Nachwuchs-Flag-Football

Die IFAF nimmt den Rückzug der tschechischen U15-Mixed- und U17-Buben-Teams von den IFAF-Europameisterschaften im Nachwuchs-Flag-Football, die im September in Italien stattfinden, mit Bedauern zur Kenntnis.

In Übereinstimmung mit den aktualisierten Richtlinien des Internationalen Olympischen Komitees vom Dezember 2025 hat die IFAF ihre Richtlinien für die Teilnahme von Nachwuchsathleten aus Russland und Belarus an IFAF-Wettbewerben überprüft.

Wie vom IOC empfohlen, ist es den Nationalmannschaften aus Russland und Belarus gestattet, an IFAF-Jugendveranstaltungen teilzunehmen und unter ihren jeweiligen Nationalflaggen anzutreten.

Die aktualisierte Richtlinie wurde vom IFAF-Vorstand auf seiner Sitzung am 17. August in Düsseldorf (Deutschland) genehmigt und tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Die Entscheidung spiegelt die – gemeinsam mit dem IOC vertretene – Erkenntnis wider, dass Nachwuchsathleten nicht für die Handlungen ihrer Regierungen zur Rechenschaft gezogen werden sollten.

Wir bedauern es sehr für die jungen Athleten aus Tschechien, die unter diesen Umständen eine wertvolle sportliche Erfahrung verpassen werden.

📲 Immer am Ball bleiben!

Abonniere jetzt den Football-Austria WhatsApp Channel für die neuesten News, Exklusiv-Storys und Livestreams direkt auf dein Smartphone! 🏈🔥

👉 Jetzt dem Channel beitreten

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Meistbewertet
Neueste Älteste