Österreichs U19- und Herren-Nationalteam gehen auch in die kommenden Europameisterschaften als Titelverteidiger an den Start. Der AFBÖ hat nun die Gruppengegner für die EM-Bewerbe 2026/27 bekanntgegeben. Sportlich bleibt Team Austria auf Kurs – sportpolitisch wirft die Gruppenzusammensetzung jedoch einige Fragen auf.
Österreich weiter Europas Maßstab
Das Nationalteam-Jahr 2025 verlief aus rot-weiß-roter Sicht nahezu perfekt: Sowohl das U19– als auch das Herren-Nationalteam sicherten sich den Europameistertitel. Während die U19-Auswahl seit 2011 auf europäischer Ebene ungeschlagen ist, krönten sich die Herren zuletzt zum Back-to-Back-Europameister.
Entsprechend startet Österreich in beiden Bewerben erneut als Titelverteidiger. Je zwei Spiele – eines auswärts, eines zuhause – stehen 2026 in beiden Altersklassen auf dem Programm.
U19-EM 2026/27: Spanien zurück, Tschechien bekannt
Das U19-Nationalteam von Head Coach Florian Grein trifft in der Gruppenphase auf Spanien und Tschechien. Das Auswärtsspiel gegen Spanien steigt am Osterwochenende 2026, das Heimspiel gegen Tschechien ist für das Wochenende des 19./20. September angesetzt.
Ein genauer Blick auf die jüngere Historie zeigt jedoch auch hier die schwindende Breite im europäischen Nachwuchsfootball: Tschechien belegte bei der U19-EM 2025 lediglich Rang acht, Spanien war dort gar nicht vertreten. Die Spanier stellten zuletzt 2023 ein U19-Nationalteam und landeten damals auf Platz zehn – hinter Tschechien.
Dass beide Nationen nun wieder Österreichs Gegner sind, ist weniger Ausdruck sportlicher Stärke als vielmehr ein Spiegelbild der begrenzten Teilnehmerzahl.
Herren-EM 2026/27: Neue Gegner, alte Probleme
Als Back-to-Back-Europameister startet das Herren-Nationalteam in Gruppe A in die nächste Mission Titelverteidigung. Das dann mit einem neuen Head Coach, nachdem Erfolgstrainer Max Sommer sein Amt zur Verfügung stellte und dabei nicht mit Kritik am Verband sparte. Österreich trifft dabei auswärts auf Belgien (10./11. Oktober) und zuhause auf die Türkei (24./25. Oktober).
Während die Türkei ihren Platz sportlich rechtfertigte – sie gewann 2024 die B-Gruppe und stieg damit verdient in den A-Pool auf – sorgt vor allem Belgien für Verwunderung.
Belgien im A-Pool: Mangels Alternativen erstklassig?
Die belgische Nationalmannschaft stellte zuletzt im Jahr 2019 ein Team, belegte damals in der B-Gruppe den letzten Platz und absolvierte ihr bislang letztes Länderspiel am 26. Oktober 2019 – eine 7:31-Niederlage gegen Ungarn.
Sieben Jahre später findet sich Belgien plötzlich im A-Pool wieder – und damit als Gegner des amtierenden Europameisters Österreich. Eine sportliche Erklärung dafür bleibt offen. Vielmehr scheint Belgien in erster Linie deshalb erstklassig, weil zahlreiche ehemalige Top-Nationen kein Herren-Nationalteam mehr stellen.
Europas Rückzug aus dem Nationalteam-Football
Mit Deutschland, Schweden, Frankreich und auch der Schweiz haben mehrere frühere Schwergewichte des europäischen American Footballs ihr Nationalteam-Programm eingestellt oder pausiert. Der Trend ist seit Jahren sichtbar – und alarmierend.
Deutschland sagt EM ab: AFVD setzt Herren-Nationalteam aus – Europa-Trend setzt sich fort
Was früher eine EM mit breiter sportlicher Basis war, ist heute ein Bewerb mit stark ausgedünntem Teilnehmerfeld. Für Österreich bedeutet das zwar weiterhin sportliche Erfolge, gleichzeitig aber weniger echte Vergleichsmöglichkeiten auf höchstem Niveau.
Nationalteams als sportpolitische Notwendigkeit
Gerade für den AFBÖ ist das Nationalteam jedoch weit mehr als ein sportliches Prestigeprojekt. Es ist ein zentraler Bestandteil staatlicher Förderstrukturen und ein wichtiges Argument gegenüber Politik und Sportförderstellen.
Verschwinden Nationalteams, verschwindet langfristig mehr als nur ein Bewerb – es geht um Sichtbarkeit, Nachwuchsentwicklung und die internationale Relevanz des Sports. Österreich hält dieses System derzeit nicht nur am Leben, sondern trägt es sportlich beinahe im Alleingang.
Fazit
Österreich geht auch 2026/27 als hoher Favorit in beide EM-Bewerbe. Doch die Gruppengegner zeigen deutlich: Der europäische Nationalteam-Football steckt in einer strukturellen Krise. Titel sind wichtig – eine nachhaltige europäische Basis wäre es noch mehr.
Genaue Kickoff-Zeiten und Spielorte für die Nationalteam-Spiele 2026 sollen in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden.
EM-Gruppen 2026/27 – Team Austria im Überblick
U19-Europameisterschaft 2026/27
- Österreich 🇦🇹 (Titelverteidiger, seit 2011 ungeschlagen)
- Spanien 🇪🇸 (letzte U19-Teilnahme 2023, Platz 10)
- Tschechien 🇨🇿 (U19-EM 2025: Platz 8)
Auswärts: Spanien (Osterwochenende 2026)
Heimspiel: Tschechien (19./20. September 2026)
Herren-Europameisterschaft 2026/27 – Gruppe A
- Österreich 🇦🇹 (Back-to-Back-Europameister)
- Türkei 🇹🇷 (Aufsteiger, Sieger B-Pool 2024)
- Belgien 🇧🇪 (letztes Länderspiel 2019)
Auswärts: Belgien (10./11. Oktober 2026)
Heimspiel: Türkei (24./25. Oktober 2026)
Timeline: Wenn Europas Nationalteams verschwinden
- 2019
Belgien bestreitet sein letztes Länderspiel (7:31 gegen Ungarn). Letzter Platz in der B-EM. - 2021
Erste Warnzeichen: EM-Bewerbe mit reduzierter Teilnehmerzahl. - 2023
Spanien tritt letztmals mit einem U19-Nationalteam an (Platz 10). - 2024
Türkei gewinnt den B-Pool und steigt sportlich in den A-Pool auf. - 2024/25
Deutschland, Frankreich, Schweden und die Schweiz setzen ihre Herren-Nationalteams aus. - 2025
Österreich wird U19- und Herren-Europameister – bei weiter schrumpfender Konkurrenz. - 2026
Belgien kehrt ohne sportliche Qualifikation in den A-Pool zurück.


























