Vier Tage vor dem ersten Spiel seiner Amtszeit hat Neo-Teamchef Stefan Pokorny seinen 45-Mann-Kader für den EM-Auftakt gegen Belgien bekanntgegeben. Und der unterscheidet sich erheblich von jenen Nationalteams, mit denen Österreich in den vergangenen Jahren seine beiden Europameistertitel gewann.

🇦🇹 IFAF Europameisterschaft 2026/27

Österreich vs. Belgien
📅 Sonntag, 4. Oktober 2026 ⏰ Kickoff: 13:00 Uhr 🏟️ Salzburg – Ducks Pond

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24 Debütanten: Pokorny leitet Generationenwechsel ein

Neo-Head-Coach Stefan Pokorny führt den neuen Coaching Staff von Team Austria an.
Foto: AFBÖ/David Bitzan

Gleich 24 der 45 nominierten Spieler sind Nationalteam-Debütanten. Mehr als die Hälfte des Kaders steht damit vor ihrem ersten Einsatz für das österreichische Herren-Nationalteam.

Das passt zum Neustart an der Seitenlinie. Stefan Pokorny hat das Team nach dem zweiten EM-Titel in Folge übernommen und startet als amtierender österreichischer Meistertrainer in seine Nationalteam-Karriere. Mit den Graz Giants gewann er 2026 die Austrian Bowl und beendete damit eine 18 Jahre lange Durststrecke der Grazer.

„Wir wollen als Team in dieser neuen Zusammensetzung zusammenfinden – unser Ziel bleibt aber dasselbe! Hinter uns liegt ein großartiges erstes Camp, und jetzt haben wir noch einige Tage, um uns gezielt auf Belgien vorzubereiten. Wir freuen uns auf unsere erste echte Bewährungsprobe und wollen unseren Fans in Salzburg eine großartige Show bieten!“

Stefan Pokorny, Head Coach Team Austria

Ein wenig Ralf-Rangnick-Vibes also auch beim Football: Pokorny krempelt den Kader des amtierenden Back-to-Back-Europameisters gehörig um.

Von 41 ELF-Spielern auf 17 Spieler aus den Europaligen

Wie groß der Umbruch tatsächlich ist, zeigt ein Vergleich mit den vergangenen Europameisterschaften.

2023 bestand Österreichs 45-Mann-Kader nahezu vollständig aus Spielern der damaligen European League of Football. 41 der 45 Spieler kamen aus der ELF: 22 von den Vienna Vikings, 17 von den Raiders Tirol sowie je einer von den Hamburg Sea Devils und Stuttgart Surge. Lediglich vier Spieler kamen damals aus der Austrian Football League.

2024 hatte sich das Verhältnis verschoben. Für den EM-Auftakt gegen Ungarn standen noch 26 ELF-Spieler im Kader – 17 von den Vienna Vikings und neun von den Raiders Tirol. Dazu kamen zwei Legionäre und 15 Spieler aus der AFL.

2025 wurden es wieder einige mehr. 32-13 lautete das Verhältnis im Nationalteamkder ELF zu AFL beim Spiel gegen Deutschland.

2026 ist die Entwicklung dann doch wesentlich deutlicher. Von den 45 gegen Belgien nominierten Spielern kommen nur noch 17 aus den beiden europäischen Ligen: 13 von den Vienna Vikings, drei von den Swarco Raiders Tirol sowie Christoph Nitzlnader von den Munich Ravens.

Nitzlnader ist dabei alles andere als ein Unbekannter im österreichischen Football. Der Defensive Back spielte zuvor für die Raiders und wechselte 2023 nach München.

Prominente Namen fehlen – einige kommen gegen die Türkei zurück

Damit fehlen gegen Belgien auch zahlreiche bekannte Namen aus den erfolgreichen Nationalteams der vergangenen Jahre und aus den europäischen Ligen. Unter anderem stehen Yannick Mayr, Tobias Bonatti, Noel Swancar, Lukas Haslwanter, Johannes Schütz, Philipp Haun und Thomas Schaffer nicht im 45-Mann-Kader für den EM-Auftakt.

Auch auf Tight End fehlen mit Florian Bierbaumer und Bernhard Seikovits zwei prominente Spieler. Seikovits, der nach seiner Zeit bei den Arizona Cardinals 2026 für die Vienna Vikings spielte, setzt seine Saison in Japan fort.

 

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Im Gespräch mit Football-Austria erklärte Pokorny allerdings, dass der Kader gegen Belgien noch nicht mit jenem für das zweite EM-Spiel gegen die Türkei am 25. Oktober identisch sein muss. Einige derzeit nicht verfügbare Spieler könnten dann wieder zum Nationalteam stoßen.

Ein Grund dafür ist die lange Saison, die insbesondere die Spieler der europäischen Bewerbe hinter sich haben. Gleichzeitig werden nach Angaben Pokornys einige Spieler nach dem neuerlichen Titelgewinn ihre Nationalteam-Karriere beenden.

Namen wollte der Teamchef bewusst nicht nennen. Die betreffenden Spieler beziehungsweise ihre Vereine sollen mögliche Karriereenden selbst bekanntgeben. Bei anderen Spielern dürfte die Entscheidung über ihre Nationalteam-Zukunft noch gar nicht endgültig gefallen sein.

Damit lässt sich aus dem Fehlen einzelner prominenter Namen im Belgien-Kader ausdrücklich nicht ableiten, ob es sich lediglich um eine Pause, eine spätere Rückkehr gegen die Türkei oder tatsächlich um das Ende einer Nationalteam-Karriere handelt.

Vom Raiders-Captain direkt ins Nationalteam-Coaching

Auch im Coaching Staff von SPokorny findet sich ein prominenter Neuzugang: Adrian Platzgummer ist Wide-Receiver-Coach des Nationalteams.

Der langjährige Captain der Swarco Raiders Tirol hatte erst Ende August nach 25 Jahren in Silver & Black seine aktive Football-Karriere beendet. Im großen Abschiedsinterview mit Football-Austria kündigte der gelernte Rechtsanwalt bereits an, sich künftig im Coaching ausprobieren zu wollen.

Der Einstieg erfolgt schneller und auf größerer Bühne als vielleicht erwartet: Nur wenige Wochen nach seinem letzten Spiel als Aktiver gehört Platzgummer nun zum Trainerstab des amtierenden Europameisters und startet gemeinsam mit Pokorny in die IFAF Europameisterschaft 2026/27.

➤ 25 Jahre Silver & Black: Adrian Platzgummer im Abschiedsinterview

Hrouda startet – Austrian-Bowl-MVP Steinmair ist Backup

Auf einer Schlüsselposition hat Pokorny seine Entscheidung für Sonntag bereits getroffen: Nico Hrouda von den Vienna Vikings wird gegen Belgien als Starting Quarterback auflaufen.

Sein Backup ist Bastian Steinmair von den Graz Giants. Steinmair führte die Grazer 2026 zum ersten Austrian-Bowl-Titel seit 18 Jahren und wurde beim Finalsieg gegen die Danube Dragons zum MVP der Austrian Bowl XLI gewählt.

➤ Graz Giants gewinnen Austrian Bowl XLI gegen die Danube Dragons

Damit bekommt Hrouda beim ersten Spiel der neuen Nationalteam-Ära den Vorzug vor dem amtierenden Austrian-Bowl-Champion und Final-MVP.

Nik Begander als Perspektive

Der dritte Quarterback im Nationalteam-Camp war Nik Begander. Auch er ist amtierender Champion: Begander führte die Styrian Bears 2026 mit einer Perfect Season zum Titel in der Division 1 und zum Gewinn der Silver Bowl XXVIII gegen die AFC Vienna Vikings.

➤ Styrian Bears gewinnen Silver Bowl XXVIII

Nach dem Titel wechselte Begander zu den Raiders Tirol. Für den endgültigen 45-Mann-Kader gegen Belgien reichte es diesmal noch nicht, der Quarterback könnte aber künftig durchaus ein Thema im Nationalteam werden. Sein Bruder Jakob Begander, Wide Receiver der Graz Giants, steht bereits im aktuellen Kader.

Fun Fact am Rande: Beganders Nachfolger bei den Styrian Bears ist mit Christoph Gubisch ein Veteran und ehemaliger Nationalteam-Quarterback.

➤ Christoph Gubisch gibt Comeback bei den Styrian Bears

Moyzisch schafft es aus der Division 1 ins Nationalteam

Silver Bowl XXVIII Styrian Bears vs. AFC Vienna Vikings II 49:7
Lukas Moyzisch – da geht’s Richtung Nationalteam Foto: Stefan Pirer

Die Styrian Bears sind trotzdem im endgültigen Kader vertreten. Wide Receiver Lukas Moyzisch wurde für seine starke Saison beim Division-1-Champion mit einer Einberufung ins Nationalteam belohnt.

Pokorny kennt den Grazer Football bestens. Der Wiener coachte 2026 die Graz Giants zum Staatsmeistertitel und übernimmt Team Austria somit als amtierender Meistermacher.

Von der dritten Liga ins Nationalteam

Iron Bowl XXII, Gladiators Ried vs. Mostviertel Dukes
Benjamin Liedlbauer mit der Iron Bowl Trophy.
Foto: Sabrina Waldbauer

Eine der bemerkenswertesten Nominierungen kommt allerdings aus einer noch tieferen Spielklasse: Benjamin Liedlbauer von den Mostviertel Dukes steht als Runningback im 45-Mann-Kader.

Die Dukes gewannen 2026 die Division 2 und damit die Iron Bowl XVIII. Liedlbauer schafft somit den Sprung aus der dritthöchsten österreichischen Spielklasse direkt ins Nationalteam. Zum Vorteil geriet dem Amstettner hier sicher das große europäische Bühnenlicht: 2024 und 2025 stand er als Runningback im ELF-Kader der Vienna Vikings.

Nach den Aufzeichnungen von Football-Austria ist Liedlbauer der erste Spieler aus der dritten Liga, der es in der neuen Geschichte des österreichischen Herren-Nationalteams seit 2007 in einen finalen 45-Mann-Kader geschafft hat.

➤ Mostviertel Dukes gewinnen Iron Bowl XVIII

Die Nominierungen von Liedlbauer und Moyzisch unterstreichen gleichzeitig, dass Pokorny bei seiner Kadersuche nicht nur auf die europäischen Bewerbe und die AFL geblickt hat.

Die 45 Spieler nach Vereinen

Die Vereinsverteilung zeigt den Umbau des Nationalteams besonders deutlich. Dabei ist zwischen den Teams der europäischen Bewerbe und den heimischen AFL-Mannschaften zu unterscheiden. So sind etwa Vienna Vikings und AFC Vienna Vikings beziehungsweise Swarco Raiders Tirol und Raiders Tirol getrennt ausgewiesen.

Verein Spieler
Vienna Vikings 13
Graz Giants 9
AFC Vienna Vikings 6
Danube Dragons 5
Raiders Tirol 4/5
Swarco Raiders Tirol 3
Speedfit Vienna Knights 2/1
Mostviertel Dukes 1
PROVENTOR Styrian Bears 1
Munich Ravens 1
Gesamt 45

Bei Spielern, bei denen der offizielle Roster Club und Team getrennt ausweist, wurde für diese Tabelle die Club-Zuordnung des AFBÖ-Rosters verwendet.

Team Austria: Der 45-Mann-Kader gegen Belgien

Defense

Stanley Aronokhale, Stefan Dirnberger, Linus Gantar, Leonhard Gerner, Max Grünsteidl, Daniel Holzmann, Matteo Hoppel, Nikolaus Huszar, Lukas Kalkhofer, Konstantin Kerngast, Franz Korger, Marcel Kovarik, Paul Kriener, Simon Maggauer, Julian Meidl, Christoph Nitzlnader, Berend Palz, Philipp Pennekamp, Armin Reichhardt, Jakob Scheucher, Marcel Stefanek, Martin Stockinger, Maximilian Varetza.

Offense

Jakob Begander, Jonas Dachs-Wiesinger, Fabian Eder, Clemens Hareter, Tobias Haslehner, Lukas Holub, Nick Holub, Nico Hrouda, Benjamin Liedlbauer, Vincent Lutz, Vito Millauer, Maximilian Moser, Lukas Moyzisch, Dean Opara, Philipp Riebenbauer, Tobias Rodlauer, Markus Schaberl, Michael Schachermayr, Bastian Steinmair, Clemens Walz, Patrick Welte.

Specialist

Philipp Klar (K)

Kein Lokalmatador beim Heimspiel in Salzburg

Eine Besonderheit gibt es beim Gastgeber des EM-Auftakts: Gespielt wird im American Football Zentrum Salzburg, dem Ducks Pond der Salzburg Ducks – aktuell eines der modernsten Footballstadien Österreichs.

Einen Lokalmatador können die Salzburger Fans im österreichischen Kader allerdings nicht anfeuern. Die Salzburg Ducks sind das einzige aktuelle AFL-Team, das keinen Spieler im 45-Mann-Kader stellt.

Belgien betritt gegen den Europameister Neuland

Für Österreich beginnt mit dem Spiel gleichzeitig die Mission Titelverteidigung in der IFAF Europameisterschaft 2026/27.

➤ Football-EM 2026/27: Österreich startet die Titelverteidigung

Belgien ist dabei ein für Österreich weitgehend unbekannter Gegner. Die „Barbarians“ verfügen über den einen oder anderen Spieler mit Erfahrung aus europäischen Ligen. Dem österreichischen Trainerstab liegen Videoaufnahmen der jüngsten belgischen Freundschaftsspiele vor.

Für Belgien ist die Aufgabe in Salzburg eine denkbar schwierige Rückkehr auf die EM-Bühne. Das Team hat noch nie ein EM-Halbfinale erreicht. Sein letztes EM-Spiel absolvierte Belgien 2019 und verlor dabei mit 7:31 gegen Ungarn. Zuletzt bestritten die Barbarians unter anderem Freundschaftsspiele gegen die Niederlande und Norwegen.

Nun wartet beim Comeback ausgerechnet Österreich, der amtierende Back-to-Back-Europameister und die Nummer eins des Kontinents.

Pokorny mahnt entsprechend zur Vorsicht vor einem international weniger bekannten Gegner. An der Ausgangslage ändert das wenig: Österreich geht als klarer Favorit in den EM-Auftakt.

➤ Belgian Barbarians – BAFL

EM-Auftakt live aus Salzburg

Für Österreich ist es das erste Spiel seit dem gewonnenen EM-Finale 2025 gegen Finnland und gleichzeitig der erste Auftritt unter Stefan Pokorny als Teamchef.

Kickoff gegen Belgien ist am Sonntag um 13:00 Uhr im American Football Zentrum Salzburg.

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