Die Location war nicht die einzige Neuigkeit, denn trifft man zwar wieder im Finale des EFL Bewerbs auf die Bergamo Lions, haben sich die italienischen Erzrivalen um den europäischen Titel aber personell stark verändert, wie man allgemein meint: eher verstärkt. "Sie sind vermutlich ein besseres Footballteam als jenes vom Vorjahr", so ein betont gelassener Head Coach Tom Smythe, der wie der sportliche Leiter Felix Hoppel eine schwierige, aber lösbare Aufgabe erwartet.

Pressekonferenz Chrysler VikingsFelix Hoppel, Tom Smythe, Daniel Nwangwu, Johannes Widner und Valentin Gruber (vlnr)
Foto: Walter H. Reiterer
Fix ist bereits das es bei den Vikings 2006 nur wenige Veränderungen geben wird. So wird auch im kommenden Jahr Tom Smythe als Headcoach der Wiener in Erscheinung treten, QB Shawn Olson beendet mit der Austrian Bowl XXI seine aktive Karriere, wird aber weiter als Offense Coordinator dem Team I und II erhalten bleiben. Im Herbst schaut man sich einige QB Kandidaten in den Staaten an, allerdings ohne Eile und Druck, da man mit Luke Atwood den Nachfolger Olsons vermutlich schon gefunden hat.


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Mit Philipp Jobstmann und Johannes Neusser verfügt man zudem über vernünftige hauseigene Optionen, die größten Chancen eines Österreichers in Zukunft Starting QB der Wikinger zu werden räumt man aber gemeinhin dem Junior Bernd Dittrich ein. Das ist allerdings Zukunftsmusik, den Dittrich bleibt im kommenden Jahr in jedem Fall noch QB und WR des Juniorenteams.

Der Gegner
Frei nach Sergio Leone haben sich die Bergamesen den Kindern und Enkeln ihrer Auswanderer zweiter und dritter Generation angenommen und eine halbe Mannschaft aus Italo-Amerikanern neu rekrutiert.

Shawn OlsonShawn Olson bewahrt kühlen Kopf
Foto: Walter H. Reiterer
Dino Bucciol, der erfolgreichste Spielmacher der EFL der letzten Jahre ist nicht mehr dabei, für ihn verteilt nun David Macchi die Bälle bei den Löwen. "Ein völlig anderer Spielertyp als Bucciol" wie Shawn Olson meint, trotzdem spielen die Lions ein ähnliches System in der Offense wie schon die Jahre zuvor. Mit Walter Cross verfügen sie nach Charles Tharp (2003) und Keath Bartynski (2004) erneut über einen enorm starken Running Back und mit Maurizio Barbotti haben sie auch einen Top Receiver in ihre Reihen.

In der Defense arbeiten sie mit einer Cover 3 Formation, d.h. die beiden CBs und der Safety dritteln sich das Feld in der Tiefe in freudiger Erwartung langer Pässe auf Luke Atwood und Charley Enos. Das könnte sich als ein "Warten auf Godot" erweisen, denn gerade dieses Jahr hat die Vikings Offense ein nahezu perfektes Kurzpaßspiel auf Johannes Widner und Pasha Asiladab aufgezogen, wo die drei Tiefstehenden in der Warteschleife einen Feldstecher brauchen könnten um das nächste first down zu Erhaschen. Sollte das wirklich Teil der italienischen Defensiv Taktik sein, so wird das Gustafson, Widner und Kollegen jedenfalls sehr freuen, denn die Linebacker und die Secondary der Italiener sind deren Schwachstellen, zudem ihr bester LB beim Halbfinale gegen die Stockholm Mean Machines (42:27) ausgeschlossen wurde. Ein Schicksal welches LB Michael Werosta und CB Daniel Fettner auf Seiten der Vikings ebenfall widerfahren ist.

Headcoach seit diesem Jahr ist der US-Amerikaner John Rosenberg, ehemaliger Cheftrainer bei den Hamburg Blue Devils mit denen er auch die German Bowl gewann.

Ein Stadionentscheid als Schwerstgeburt
Nicht gar zu leicht machte sich die EFAF die Entscheidung wo dieses Finale überhaupt stattfinden soll.

Alfred NeugebauerAn der Copa Cagrana und im Vikings Gym. Vikings Manager Alfred Neugebauer kontrolliert ob eh alle mitarbeiten.
Foto: Walter H. Reiterer
Dem Sportklubplatz stellten man zum Halbfinale gegen die Raiders einen negativen Bescheid aus, verlegte das Playoff richtiger Weise auf den Innsbrucker Tivoli. Hier erkannte der Präsident der Lions, Marion Rende, seine Chance das Finale nach Italien (Mailand) zu holen, was man seitens der EFAF begrüßte. Nur gelang es Rende nie TV- und Sponsorenverträge vorzulegen, so der Eurobowl Beauftragte des europäischen Verbandes, Uwe Talke, das Finale kurzerhand wieder nach Wien vergab, denn dort stand man zwar immer noch in der Dornbacher Baracke, aber dafür Gewehr bei Fuß mit TV-Übertragung und Chiquita Bananen im Gepäck, als man in Bergamo noch bei der Evaluierung möglicher Austragungsorte feststeckte. Als Rende Talke dann viel zu spät telefonisch mitteilte er habe nun ein Stadion, gratulierte der Deutsche dazu und bat ihn es für 2006 zu reservieren.

Die Vikings spielen am 9.7. ihr letztes Spiel am Sportklubplatz, übersiedeln 2006 wieder auf die dann umgebaute Hohe Warte.

Alfred NeugebauerBitte Herr Professor, ich weiß was! Der Schlitzer schreibt ab!
Foto: Walter H. Reiterer
Das Sportklubstadion ist nur notdürftig dafür geeignet ein Footballspiel darzustellen, einen Event konnten die Wikinger nie aufziehen. Die After Game Parties auf der Gasse lösen sich regelmäßig eine Stunde nach Spielende wieder auf, neben dem natürlichen Charme eines Bauwerks des eben zu Ende gegangenen 19. Jahrhunderts, verfügt es auch noch über deren Akustik. Hier hat sich schon unser Kaiser sehr wohlgefühlt. Mag für Fußball ja gut sein, für American Football ist es denkbar ungeeignet.

Von der Stadt Wien, die es nicht geschafft hat dem Europameister eine angemessene Ausweichspielstätte zur Verfügung zu stellen, wird sich übrigens beim EFL Finale niemand blicken lassen, was schade ist, denn der Applaus der Fangemeinde wäre ihnen ganz sicher. Für die Vikings Fans ist der Ausblick auf eine neue Hohe Warte aber durchaus ein Trost. In der kommenden Saison wird man in Neudöbling wohl wieder die gewohnten Footballfeste feiern können, aber nicht nur das – glaubt man den Bauplänen wird im Nordwesten Wiens ein wahrer Sport (Football) Tempel entstehen.

In einem unbekannten Land…
Neben den vielen Italo-Amerikaner findet man noch einige sehr exotische Nationalitäten am Roster der Lions. Taiwan, Libanon, Samoa sind nur drei Beispiele für bislang völlig unbekannte Footballgroßmächte. Da ist ja sogar Polen noch nicht verloren! So richtig kosmokaribisch wird es bei LB Daniel Noble der laut Roster aus Honduras stammt. Für jeden durchschnittlichen Geographie Maturanten eine einfache Lokalisierungsübung. Es handelt sich dabei wohl um das mittelamerikanische Land zwischen Nicaragua, El Salvador und Guatemala (alles gefürchtete Footballnationen). Doch falsch, denn Honduras ist unseren Informationen nach nicht ganz richtig, denn da fehlt noch ein British vorne am Namen. British Honduras (gleich ums karibische Eck vom anderen Honduras) wurde aber 1981 unabhängig, existiert als Nationalstaat seit 1992 nicht mehr und heißt seither Belize. Britisch Hondurische Reisepässe samt Führerschein kann man aber immer noch um 420 Euro im Internet bestellen. Sollte Herr Noble, bei dem es sich um einen Kanadier handelt, tatsächlich einen Pass von dort haben, dann hat er und in Folge auch sein Team ein Problem, weil es sich dann um eine sogenannte Camouflage oder Fake ID handeln würde. British Honduras ist seit 13 Jahren ein unbekanntes Land. Bitte mal genau nachschauen liebe EFAF, denn wir sind uns fast sicher hier auf etwas gestoßen zu sein was dem europäischen Verband schon vor Beginn der Saison hätte auffallen sollen. Nach unseren Informationen handelt es sich dabei schlicht um einen weiteren Nordamerikaner mit Warenkorb Pass. Womöglich ist er auch noch Doppeldoktor der Universität von Belgisch Kongo.

..vor gar nicht allzu langer Zeit…
…hatten die Lions im Eurobowl Finale gegen die Vikings nicht den Funken einer Chance. Mit 53-20 schickte man die Goldenen 2004 wieder nach Italien zurück, zum ersten Mal in ihrer Geschichte ging die Eurobowl nach Österreich. Die Chancen den Titel zu verteidigen stehen für die Vikings gut, denn auch wenn sich die Lions gegenüber der vorigen Saison verstärkt haben, ist auch bei den Wienern eine klare Tendenz nach oben zu erkennen. Aus der Niederlage in der Charity Bowl gegen die Bluegolds ging man gestärkt und mit neuen Erfahrungen heraus und man verfügt sowohl das Spielermaterial als auch über die Spielstärke um diesen Titel zu verteidigen.

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