Die Top-Teams sind aus dem Verband ausgetreten, gründeten eine neue Liga und reaktivierten einen alten Konkurrenz-Verband. Wer spielt nun EFAF-Cup/Eurobowl und wer organisiert die B-EM? Die EFAF steht vor einem Dilemma.

Paukenschlag in Italien! Neun Teams traten aus dem offiziellen Verband Federazione Italiana American Football (FIAF) aus und machten sich mit der Italian Football League (IFL) selbstständig. Darunter auch die beiden Mannschaften welche 2008 am Europa-Parkett tanzen sollten. Bergamo und Parma sind nicht mehr Mitglieder des offiziellen Verbandes (!) und weckten mit sieben anderen Teams gemeinsam die Federazione Italiana Di American Football (FIDAF) aus dem Koma. Dieser "Landesverband" war in den letzten vier Jahren nur mehr am Papier existent und ursprünglich eine Vereinigung süditalienischer Vereine. Teams von Sizilien über Neapel bis Rom waren dort von 2001 bis 2004 aktiv, bis die Institution mangels Interesse von der Bildfläche verschwand. Nun ist er plötzlich wieder da – u. A. mit prominenten Mitgliedern aus dem Norden des Landes.

Neben den designierten Euro-Teilnehmern Bergamo Lions (Euro Bowl) und Parma Panthers (EFAF-Cup), sind auch noch die Palermo Cosari, Ancona Dolphins, Bologna Doves, Catania Elephants, Bolzano Giants, Milano Rhinos und Palermo Sharks mit von der Partie. Alle anderen italienischen Vereine sind noch Mitglieder der FIAF, wobei die FIDAF wohl weiteren Vereinen ein Angebot zum gemeinsam "Putsch" gemacht haben soll.

Wer ist nun der italienische Verband?
Wir versuchten beide Parteien zu befragen, erreichten allerdings nur einen Vertreter des von der EFAF derzeit anerkannten Verbandes FIAF. Die FIDAF hat auf Anfragen unsererseits bisher nicht reagiert, auf ihrer Webseite finden sich aber interessante Informationen. So sei am 10. November, beim EFAF-Club-Meeting in Barcelona, mit den Bergamo Lions und Parma Panthers bereits Mitglieder der FIDAF vor der EFAF gesessen und daher würden diese beiden auch in der Euro Bowl und im EFAF-Cup spielen. Nur davon wusste die EFAF zu diesem Zeitpunkt allerdings nichts.

Weshalb es zu diesem Split kam ist derzeit noch völlig unklar. Angesichts der Vielzahl der wechselwilligen Teams, muss der Sache aber eine enorme Unzufriedenheit zu Grunde gelegen haben, denn wie sonst kommen neun Vereine auf die Idee einfach etwas Neues zu machen? Auch Geld könnte hier eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Sie haben einen Krieg begonnen
Der FIAF-Sprecher Massimo Foglio bringt zwar kein Licht hinter die Sache selbst, erörtert aber die Position des ‚alten‘ italienischen Verbandes folgendermaßen: ‚Am Ende der Saison 2007 gründeten einige Teams die unabhängige Liga IFL – Italian Football League, darunter Bergamo, Parma, Ancona, Bozen und Mailand und begannen einen Krieg. Sie brachten die FIDAF wieder ins Spiel, ein alter Konkurrenzverband, welcher von sizilianischen Vereinen im Jahr 2001 gegründet wurde und der seit 2004 nicht mehr aktiv war. Nun versuchen sie von der EFAF anerkannt zu werden und wollen Bergamo und Parma in die europäische Bewerbe schicken. Die EFAF hat ein Komitee gegründet um die Situation zu evaluieren. Momentan sind wir, also die FIAF, der anerkannte Verband und damit auch der Veranstalter der B-EM in Italien. Wir entsenden keine Teams in europäische Vereine.‘

Womit auch klar ist, dass Österreich kausal von dieser Sache betroffen ist. Den Black Lions könnte der Erstrunden-Gegner (Parma) abhanden kommen, die Vikings rechnen mit einem Euro Bowl-Viertelfinale gegen Bergamo und der hiesige Verband, wie das Nationalteam, mit einer B-Europameisterschaft in Bologna. Das alles scheint durch den Zwist ernsthaft in Gefahr zu geraten.

Schwierige Sache
AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck bestätigte, dass die EFAF derzeit versucht die Angelegenheit zu klären, was sich allerdings als schwierige Sache herausstellt. Im günstigsten Fall bringt man die beiden Streitpartien auf einen Tisch und vergattert sie quasi zur Zusammenarbeit. Gelingt das nicht, muss sich die EFAF entscheiden, wer nun der Verband ist. Da sie die FIAF bereits anerkannt hat, scheint es relativ unwahrscheinlich, dass sie plötzlich eine neue Vereinigung als Ansprechpartner akzeptiert. Das wäre dann nämlich ein Beispiel, welches auch anderswo Schule machen könnte. Wenn einem der Verband nicht gefällt, gründet man einen neuen – die EFAF spielt ja eh mit. Das wird sie wohl nicht tun. Was dann passieren würde, ist allerdings heikel. Bergamo und Parma könnten nicht europäisch spielen, die Organisation der B-EM obliegt einer FIAF, der dann nicht nur neun Mitglieder abgehen, sondern auch ein Teil des Budgets.

Vikings-Präsident Karl Wurm sieht das ‚mit großer Gelassenheit‘. Die Vikings spielen dann halt den Gegner, der kommt – es muss ja nicht unbedingt Bergamo sein. Die B-EM würde schon irgendwie und irgendwo gespielt werden. Übrigens wackelt auch die A-EM in Finnland 2009. Zu der Zeit findet die Frauen-Fußball-EM im Finnair Stadion statt, wo auch die Football-EM gespielt werden sollte – der Kunstrasen wird außerdem auf Wunsch der UEFA entfernt und durch einen Naturrasen ersetzt.

Meran sagte Ciao
In diesem Konnex ist auch die Flucht des südtirolerischen Regionalligateams aus Meran (Wolfz) nach Telfs (Patriots) zu verstehen. Die Meraner haben die Faxen dicke, wie Präsident Daniel Rosanelli erörtert. ‚Was ist in Italien los? ich sage es Ihnen ehrlich: ich weiß es nicht und es ist mir auch egal. Als wir gesehen haben, dass der Verband in zwei Teile zerbricht, sind wir aus der FIAF ausgetreten und auch bei der FIDAF nicht eingestiegen, sondern haben uns an Tirol an die Patriots und damit auch an den AFBÖ gewandt.‘

Rosanelli geriet im Laufe des Gespräch über Österreich ins Schwärmen. ‚Was wir hier erlebt haben, war für uns völlig neu. Ein Verband der vernünftig mit uns redet, der uns ehrlich sagt was los ist. Das ist in Italien ganz anders und seither können mich die Italiener alle miteinander gern haben, die FIAF wie die FIDAF, weil mir und dem Verein geht es um was anderes. Wir sind Hobbysportler und keine Streithähne. Wir wollen Football spielen und stehen für Machtspiele nicht zur Verfügung. Ich selber war Tennisspieler und Skifahrer bis mich der American Football eingenommen hat – die beste Sportart der Welt. Meine vorrangige Aufgabe ist es daher, den vielen jungen Spieler in meinem Verein möglichst gute Vorraussetzungen zu bieten um den Sport ausüben zu können. Das geht in Österreich einfach perfekt. Noch sind wir ein italienischer Verein, aber das wird sich vielleicht bald ändern. Wir spielen noch mit der U 15 in Italien die Saison fertig, dazu haben wir uns verpflichtet, die Kampfmannschaft wird dort aber nicht mehr spielen. Es geht auch nicht darum ob wir Meran Wolfz sind oder Telfs Patriots heißen, sondern darum, dass in einem guten Umfeld Football gespielt wird. Es muss etwas weitergehen. Wir möchten daher nächstes Jahr auch mit der Jugend in Österreich spielen und werden mit dem AFBÖ darüber auch reden.‘

Vereinsauflösung möglich
Der Meraner Präsident kann sich auch vorstellen die Mitglieder seines Vereins bei den Patriots zur Gänze einzugliedern. ‚Wie ich sagte, geht es uns primär um den Sport selbst und nicht um Namen. In Italien geht es drunter und drüber, vielleicht wird der neue Verband ja eine gute Sache – das weiß man aber frühestens in ein paar Monaten – so lange wollen wir nicht warten. Wir haben gesehen, wie die Dinge hier in Österreich laufen und da wollen wir in Zukunft dabei sein. Was in Italien passiert, ist uns Wurst.‘

Rosanelli, der auf uns einen sehr freundlichen aber auch bestimmten Eindruck machte, scheint es damit ernst zu meinen. Der Präsident der Schwaz Hammers, Florian Windisch, hat damit auch eine Sorge weniger. Ein plötzlicher Absprung der Südtiroler bei den Patriots scheint mehr als unwahrscheinlich, eher das Gegenteil dürfte der Fall sein.

The beauty of grey
Zum Abschluss verriet uns Rosanelli aber doch noch etwas zur Sache selbst: ‚Wissen Sie, man darf nicht alles in Schwaz und Weiß sehen. Es gibt bei diesem Streit keinen Guten und keinen Bösen. Kein Schwarz und Weiß, hier ist alles grau. Viele mögen und wissen das auch. Ich denke auch, dass die FIAF Fehler gemacht hat, denn sie sind Hardliner und nicht ganz unschuldig. Die EFAF wird es ganz schwer haben herauszufinden was da genau passiert, weil ich bin Italiener und weiß es auch nicht (lacht). Als Footballer wollen wir daher Österreicher werden. Ein schönes und gutes Land für den Sport. Nur ein Beispiel noch zum Abschluss: Es gibt ja in Italien keine Institution wie die BSO (Anm.: Bundessportorganisation) in Österreich. Daher ist das CONI, das olympische Komitee für den Sport zuständig. Beide Verbände behaupten von der CONI anerkannt zu sein. Ich sage Ihnen jetzt nur so viel: die CONI kennt beide nicht!‘

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