Die europäische Football-Landschaft gleicht im Frühjahr 2026 einem Trümmerfeld mit Hoffnungsschimmern. Während die neu gegründeten Ligen AFLE und EFA ihre Kader für die kommende Saison formieren, kämpft die European League of Football (ELF) an zwei Fronten: gegen den massiven Verlust ihrer Top-Franchises und gegen die eigene Zahlungsunfähigkeit.


ELF und Berlin Thunder im Sanierungsverfahren

Wie RP Online berichtet, befindet sich die Betreibergesellschaft der ELF in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Ziel ist ein Sanierungsplan, um den Spielbetrieb 2026 überhaupt noch zu ermöglichen. Doch die Liga ist nicht allein: Auch die FBG Football Berlin GmbH, die Betreiberin von Berlin Thunder, befindet sich seit dem 1. Juli 2025 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (Sachwalter: Prof. Dr. Torsten Martini).

Diese wirtschaftliche Instabilität erklärt, warum Teams wie die Vienna Vikings den Weg in die neue AFLE gesucht haben. Währenddessen sind die amtierenden Champions, die Stuttgart Surge, nach ihrer Insolvenz komplett von der Bildfläche verschwunden.

Karajicas „Vertrags-Offensive“ in der Süddeutschen Zeitung

Trotz der prekären Lage gibt sich ELF-CEO Zeljko Karajica im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) demonstrativ gelassen. Er behauptet, dass die Liga weiterhin rechtliche Ansprüche auf zahlreiche Teams habe, die bereits bei der Konkurrenz unterschrieben haben oder dort als Gründungsmitglieder geführt werden.

Karajica, Esume
Was bleibt von der ELF übrig? Ein Kampf auf juristischer Ebene und ein Trümmerhaufen in dem der Phönix grad gesucht wird.

Spannend dabei sind auch die Rücktritte: Patrick Esume, Mitgründer-, Eigentümer und Commissioner der Liga in einem und vormals auch bekannter Kritiker des deutschen Verbandes unter Robert Huber, verließ noch vor dem Finale kleinlaut das sinkende ELF Schiff, welches er selbst mitgebaut hat, wegen „unüberbrückbarer Differenzen„. Als Spaßvogel deutscher NFL Übertragungen ansonsten eher nicht wortkarg, verliert der 52-Jährige heute kein Wort mehr über sein ehemaliges Baby.

Sein ehemaliger Kumpel Karajica wiederum wollte es Esume gleich tun, spielt, sieben Monate nach der Ankündigung das Orchester nach Ende des letzten Auftritts zu verlassen zu wollen, immer noch die erste Geige im Saal.

Es ist auch ein Sittenbild.

Die widersprüchliche Lage der Teams für 2026:
Liga Offizielle Team-Meldung 2026 Status / ELF-Anspruch
AFLE Vienna Vikings, Rhein Fire, Wroclaw Panthers, Firenze Red Lions, London, Paris Lights, Alpine Rams, Berlin Thunder Stabil, bis auf Berlin (Insolvenz & ELF-Vertragsanspruch).
EFA Raiders Tirol, Munich Ravens, Frankfurt Galaxy, Madrid Bravos, Nordic Storm, Paris Musketeers, Prague Lions Hochriskant: Karajica behauptet in der SZ, mit 5 dieser 7 Teams noch gültige Verträge zu haben.
ELF Hamburg Sea Devils, Helvetic Mercenaries, Cologne Centurions Die verbliebene Rumpf-Liga im Sanierungsverfahren.

Analyse: Ein juristisches Patt

Die Situation ist für Fans und Spieler gleichermaßen belastend. Karajica pocht in der SZ auf Vertragstreue („Unsere Partner stehen zu uns“), während die Realität der Insolvenzverfahren (ELF & Berlin) und die Spielplan-Veröffentlichungen der AFLE eine andere Sprache sprechen. Besonders pikant: Die Raiders Tirol werden von der EFA als festes Mitglied geführt, stehen aber laut ELF-Führung weiterhin unter deren Vertrag.

Es droht ein juristisches Tauziehen, bei dem Insolvenzverwalter und Gerichte mehr zu sagen haben werden als Head Coaches und Quarterbacks. Für den österreichischen Football bedeutet dies eine klare Spaltung: Die Vikings sind in der wirtschaftlich scheinbar potenteren AFLE untergekommen, während die Zukunft der Raiders massiv von der rechtlichen Auseinandersetzung zwischen EFA und der insolventen ELF abhängt.

Fazit: Ein harter Kampf um die Franchises

Das Interview ist als Machtwort zu verstehen. Karajica will Ruhe in die eigenen Reihen bringen und den Partnern signalisieren, dass die ELF das Heft des Handelns nicht aus der Hand gibt. Für die Fans bedeutet dies jedoch eine unübersichtliche Saison 2026, in der sich Top-Teams auf drei verschiedene Organisationen verteilen könnten.

🔍 Analyse: Der juristische „Zangengriff“ der ELF

Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung macht deutlich, dass Zeljko Karajica nicht kampflos aufgeben will. Während die AFLE mit den Vienna Vikings und Rhein Fire die sportlichen Schwergewichte bereits fest eingeplant hat, konzentriert sich der rechtliche Widerstand der ELF vor allem auf die neue EFA.

Die Fakten im Check:
  • AFLE-Stabilität: Nur Berlin Thunder scheint hier im direkten rechtlichen Fadenkreuz der ELF zu stehen. Der Rest der Liga wirkt (vorerst) gefestigt.
  • EFA-Unsicherheit: Für die Raiders Tirol und die Munich Ravens bedeutet die aktuelle Situation eine Zerreißprobe. Sie werden von der EFA offiziell als Mitglieder geführt, während Karajica sie in der SZ weiterhin als ELF-Partner deklariert.
  • Das Stuttgart-Aus: Das Fehlen der insolventen Stuttgart Surge in allen drei Listen markiert das Ende einer Ära für den Standort Stuttgart.


📝 Redaktionelles Fazit für Football-Austria.com

Für die Fans in Österreich bedeutet dies eine Phase der totalen Ungewissheit. Während die Vikings in der AFLE ihren Spielplan bereits abarbeiten können, hängen die Raiders zwischen den Stühlen der EFA und den vertraglichen Forderungen der ELF.

Es ist davon auszugehen, dass viele dieser Fälle erst vor Gericht entschieden werden, bevor der erste Kickoff 2026 erfolgt.

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