Nach Michael Salamon verliert der AFBÖ auch den Head Coach seines Frauen-Nationalteams. Robert Riedl beendet nach der Flag-WM seine zweite Amtszeit. Ausschlaggebend war laut Riedl eine vom AFBÖ-Vorstand beschlossene Neuverteilung von Kompetenzen zwischen Head Coach und Sportdirektor.

Der nächste personelle Einschnitt bei Österreichs Flag-Football-Nationalteams: Der AFBÖ und Frauen-Head-Coach Robert Riedl gehen getrennte Wege. Der Verband gab am Mittwoch das Ende der Zusammenarbeit bekannt.

Bemerkenswert ist dabei die unterschiedliche Formulierung. Während der AFBÖ von einem Ende der Zusammenarbeit nach einem „intensiven Evaluierungsprozess“ und zahlreichen Gesprächen über die Zukunft des Frauen-Nationalteams spricht, erklärt Riedl selbst ausdrücklich seinen Rücktritt.

Der Grund dafür liegt laut dem langjährigen Head Coach in einer strukturellen Veränderung innerhalb des Nationalteamprogramms.

Riedl: Kernkompetenzen wandern zum Sportdirektor

Im Zuge der Aufarbeitung der Weltmeisterschaft habe der AFBÖ-Vorstand eine neue Verteilung der Zuständigkeiten beschlossen. Teile jener Bereiche, die Riedl bislang als Kernkompetenzen des Head Coaches betrachtete, sollen künftig beim Sportdirektor liegen.

„Im Zuge der Aufarbeitung der diesjährigen Weltmeisterschaft hat der AFBÖ-Vorstand eine Neuregelung der Zuständigkeiten beschlossen, durch die Teile meiner bisherigen Kernkompetenzen als Head Coach künftig beim Sportdirektor liegen.“

Robert Riedl
Robert Riedl
Foto: AFBÖ/Holly Kellner

Für Riedl war diese Veränderung offenbar entscheidend. Die neue Aufgaben- und Kompetenzverteilung entspreche nicht seinem Verständnis von Funktion und Verantwortung eines Head Coaches, weshalb er daraus die Konsequenz gezogen und seinen Rücktritt erklärt habe.

Riedl bedankte sich bei Spielerinnen, Coaching- und Betreuerstab und zeigte sich stolz auf das, was das Team in den vergangenen drei Jahren aufgebaut und erreicht habe.

AFBÖ spricht von unterschiedlichen Auffassungen

Auch AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck deutet in seiner Stellungnahme unterschiedliche Vorstellungen über den künftigen Weg des Programms an.

„Vor dem Hintergrund der rasanten internationalen Weiterentwicklungen des nunmehr olympischen Sports, kommt es naturgemäß auch zu – wenn auch nur in Nuancen – Auffassungsunterschieden im Vorgehen im Hinblick auf eine Qualifikation für LA28.“

Riedl habe dabei eine klare Haltung vertreten, die der Verband respektiere. Diese münde nun aber in einer „geänderten Fortführung des Frauen Flag Nationalteam Programms“.

Andreas Pröller
Andreas Pröller
Foto: AFBÖ/Holly Kellner

AFBÖ-Sportdirektor Andreas Pröller kündigt ebenfalls Veränderungen an. Um mit der zunehmenden Professionalisierung des internationalen Flag Football Schritt zu halten und den Anschluss an die Weltspitze nicht zu verlieren, werde der Verband ab sofort „neue, mutige Wege“ beschreiten.

Das große Ziel bleibe unverändert die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.

Zwei Amtszeiten und elf Jahre als Head Coach

Mit Riedl verabschiedet sich einer der prägendsten Trainer des österreichischen Flag Football. Er führte das Frauen-Nationalteam zunächst von 2008 bis 2016 und übernahm die Mannschaft 2023 ein zweites Mal.

In seiner jüngsten Amtszeit führte er Österreich 2024 bei der Weltmeisterschaft in Lahti auf den vierten Platz. Ein Jahr später folgte bei der Europameisterschaft in Paris mit Silber der nächste internationale Erfolg.

Bereits 2023 wurde Riedl in die Hall of Fame des AFBÖ aufgenommen. Insgesamt stand er elf Jahre an der Spitze des Frauen-Nationalteams.

WM-Platz sechs reicht nicht für direktes Olympia-Ticket

Bei der IFAF World Flag 2026 belegten Österreichs Frauen den sechsten Platz. Für die direkte Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2028 hätte es einen Platz unter den besten drei Teams gebraucht.

Damit bleibt Österreich nur noch der zweite Qualifikationsweg. Dieser führt zunächst über die Europameisterschaft 2027. Erreicht Österreich dort das Finale, qualifiziert sich das Team für die Olympic Qualifier Series 2028 in Montreal und Orlando. Über diesen Weg werden noch drei Olympia-Plätze pro Geschlecht vergeben.

Nach Salamon nun auch Riedl weg

Damit stehen beim AFBÖ innerhalb kurzer Zeit beide Flag-Nationalteams vor einem Trainerwechsel. Nach der Weltmeisterschaft hatte bereits Männer-Head-Coach Michael Salamon seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Der AFBÖ steht damit gut eineinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen nicht nur vor der Aufgabe, den sportlichen Anschluss an die internationale Spitze wiederherzustellen. Gleichzeitig wird die Führungsstruktur seiner beiden Nationalteamprogramme neu aufgestellt.

Wer die Nachfolge von Riedl bei den Frauen beziehungsweise von Salamon bei den Männern antreten wird, ist noch offen. Der AFBÖ kündigte an, im Herbst über beide Nachfolgeregelungen zu informieren.

Für Österreich beginnt damit auf dem verbliebenen Weg nach Los Angeles eine neue Phase – mit neuen Head Coaches und offenbar auch mit einer veränderten Verteilung der sportlichen Kompetenzen.

📲 Football-Austria direkt aufs Smartphone

News, Eilmeldungen, Ergebnisse und Livestreams aus Österreich und Europa direkt in WhatsApp. Kostenlos abonnieren und nichts mehr verpassen.


Football-Austria auf WhatsApp abonnieren

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Meistbewertet
Neueste Älteste