Das 62:0 spiegle den momentanen Zustand des Teams wieder, so ein nur mäßig überraschter Headcoach Tino von Eckardt, der sein Engagement bei den Wienern in Frage stellt.

Der deutsche Cheftrainer prophezeite seiner Mannschaft schon vor Wochen einen schweren Gang über die Ostgrenze. Die Monarchs sind ein physisch starkes Team, in der tschechischen Liga, wo der Verein teilnimmt, sind sie aber nur Mittelmaß. von Eckardt bemängelte die Trainingsbeteiligung und das daraus resultierende Unwissen. Viele Herren würden nicht wissen was gespielt wird. Dass sich seine Vorhersage in der Höhe bewahrheiten würde, ahnte er noch nicht, findet dazu aber klare Worte.

Schlechte Vorbereitung – von Eckardt im O-Ton:

‚Das Match hat gezeigt, wenn man sich nicht anders vorbereitet, dann wird man kein Bein an die Erde kriegen gegen eine motivierte, eingespielte Mannschaft aus Bratislava, von der ich aber nicht glaube, dass sie in der Division I in der Spitzengruppe mitspielen würde. Der Gegner spielte mit viel Herz, sie haben uns den Schneid abgekauft. Wir waren teilweise nicht mal in der Lage die Snaps vom Center zum Quarterback zu bringen.‘

‚Alles was wir in den letzten Wochen besprochen haben war, wie bei einer Gehirnwäsche, weg. Wir haben am letzten Donnerstag zum ersten Mal 11 gegen 11 trainiert und das hat sich heute auch gezeigt. Die Leute wissen nicht was sie tun, sie kennen das Playbook nicht, es scheint sie teilweise nicht zu interessieren.‘

War das ein heilsamer Schock?

‚Das wird sich zeigen. Wir haben jetzt verabredet, dass wir uns am nächsten Freitag wieder sehen. Bis dahin lassen wir das alle mal sacken. Sollte das so weiter gehen, stehe ich für das sicherlich nicht zur Verfügung. Das habe ich der Mannschaft auch gesagt. Dann verschwenden sie nämlich das Geld des Vereins und wir Coaches verschwenden unsere Zeit. Wenn am Freitag genug Leute auftauchen, dass wir eine Saison spielen können, dann werden wir arbeiten um uns bis Ostern auf Salzburg vorzubereiten, sprich Schadensbegrenzung zu machen. Ich bin weder sauer, noch enttäuscht – ich habe das erwartet. Die Höhe der Niederlage nicht, aber die offensive Leistung habe ich genau so erwartet. Ein Jammer, aber so ist es.‘

Die Vienna Knights haben bei der Ligasitzung im Vorjahr darauf bestanden in die Division I aufsteigen zu wollen. Der Vorstand des AFBÖ wollte sowohl sie, wie auch die Titans und Gladiators in einer Division IAA gemeinsam mit Amstetten spielen sehen. Die Wiener, vorneweg Tino von Eckardt, bestanden auf den Aufstieg, die Titans darauf nicht absteigen zu müssen, den Burgenländern war alles recht, schlußendlich auch der Zwangsaufsteig, da es keine Division IAA mehr gab. Möglicherweise wäre das für diese Teams aber nicht das Schlechteste gewesen, hätte es diese Liga gegeben, wenn man sich dieses Ergebnis gegen einen solchen Gegner ansieht.

Zum Spiel selbst fehlen einem fast die Worte, die von Eckardt zum Glück gefunden hat. Kaum eine Aktion der Knights in der Offensive hat funktioniert, Schlechte Snaps und Fumbles. Das Paßspiel kaum vorhanden, beide Quarterbacks (Schlegelmilch und Nowotny wechselten einander permanent ab) waren bei fast jedem Spielzug unter Druck, das Laufspiel funktionierte ebenfalls nicht – die Special Teams wirkten im Vergleich zu den Slowaken hilflos (Muffed Punts, schlechte Returns, die Wedge als weicher Lochkäse) am Ende war auch bei der Defense die Luft draußen, die sich zumindest zu Beginn noch ihre Haut teuer verkaufen konnte bzw. wollte.

Das Ergebnis spiegelt das Geschehen am Feld halbwegs wieder. Bratislava spielte, Wien ließ die Hosen runter. Ein peinlicher Auftritt, der von den rund 150 Besuchern teilweise mit Gelächter quittiert wurde. Der Platzsprecher fragte sich des öfteren was mit der angeblichen Footballhauptstadt Europas heute los wäre? So wird es in der Division I für die Vienna Knights jedenfalls knüppeldick kommen. Es muss ein Ruck durch das Team gehen, bevor man sich hier in einem dreistelligen Albtraum wiederfindet. Denn eines ist so gut wie sicher: die meisten Gegner in der Division I sind aus einem anderen Holz geschnitzt wie die Monarchen Bratislavas. Tino von Eckardt darf jetzt nicht die Flinte ins Korn werfen. Hoffentlich für die Knights, tut er das jetzt auch nicht. Die Talsohle sollte nämlich erreicht sein. Jetzt durchschreiten, mit dem Wissen wo man steht.

Auf der Tribüne saßen die Trainer der LA Titans um die Knights zu scouten. Die nahmen das Geschehen zwar nicht mit Häme zur Kenntnis, waren aber einigermaßen erstaunt über den Spielverlauf. Der ehemalige Coach der Rangers, Mike Brennan, spielt heuer bei den Slowaken und war ebenfalls überrascht. ‚Ich weiß nicht was sie vorhatten. Sie haben wahrscheinlich einiges ausprobiert vor der Saison, anders kann ich mir das nicht erklären. So können sie jedenfalls gegen uns nicht gewinnen. Bratislava ist ein physisch sehr starkes Team, welches zuletzt auch technisch aufgeholt hat. Wir haben mit einer schwierigeren Aufgabe gerechnet.‘ Knights Präsident Gerhard Uhvrovscik sah das einzig Positive: ‚Viel gesehen können unsere Gegner heute nicht haben.‘ Da hat er recht.

Pre-Season-Game
Bratislava Monarchs vs. Vienna Knights 62:0
(12:0/20:0/21:0/9:0)
Stadion Bratislava

Weitere Testspiele

Bolzano Giants vs. Swarco Raiders Tirol 18:13 (Kurzbericht mit Interview folgt)
(0:0/0:13/10:0/8:0)
Europastadion Bozen
2 TD Jakob Dieplinger, 1 Extra Point Josef Schnellrieder

Pribram Bobcats vs. St. Pölten Invaders 0:13
Stadion Bribram

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