Im Eurobowl-Viertelfinale machten es die Raiffeisen Vikings besonders spannend. 15:12 hieß es am Ende gegen die schweizer "Söldnertruppe" Calanda Broncos. Für einen Wikinger ist diese Saison eine ganz besondere: Johannes Neusser. 
Nach einem Nackenbruch 2009 im Training, musste der Defense-Spieler Johannes Neusser ein Jahr aussetzen. Warum er nach so einer schweren Verletzung die Schuhe nicht an den Nagel gehängt hat? "Football ist nicht nur Sport, sondern eine Lebenseinstellung", erklärt Neusser.
In seiner Comeback-Saison lässt er nichts von seiner alten Stärke missen und scheint in den Statistiken immer ganz weit oben auf: "Im August wollte ich eigentlich aufhören, dachte mir aber dann jeden Tag ‚Will ich nicht doch noch eine Saison spielen?‘. Ich habe dann wegen dem Sport wieder angefangen. Der erste Kontakt nach meiner Verletzung war komisch, aber ich hatte keine Angst. Ich spüre auch nichts."
Gegen die Calanda Broncos zählte der 24-Jährige wieder zu den großen Stützen in der Defense. Dass er kommendes Wochenende auch zum Nationalteam-Camp einberufen wurde, überraschte ihn trotzdem ein wenig: "Ich habe mich sehr gefreut, habe das eigentlich nicht erwartet." Auch, dass er so schnell wieder bei den Raiffeisen Vikings Fuß fassen konnte, bestärkt ihn in seiner Entscheidung weiter gemacht zu haben: "Ich musste mich allerdings erst wieder beweisen." 
Für Vikings Head Coach Chris Calaycay eine ganz besondere Story: "Für mich ist es eine sehr emotionale Sache. Diese Verletzung ist einfach der Horror für einen Coach. Ich versuche nicht daran zu denken, aber es ist immer da. Johannes ist einer unserer besten Spieler, er ist einer dieser ganz speziellen Spieler in meiner Karriere." Dass er auch wieder im Nationalteam spielt, ist für Chris Calaycay kein Thema: "Er ist ein wichtiger Bestandteil im Nationalteam."
Rinner wünscht sich mehr Konkurrenz
Auch bei den Swarco Raiders Tirol stach ein Mann aus der Defense hervor: Mario Rinner. Obwohl er sich etwas mehr internationale Konkurrenz wünschen würde, ist der 32-Jährige stolz, dass Österreich eine Vormachtstellung im Football in Europa einnimmt: "Einerseits ist es Schade, dass nicht mehr Teams aus den anderen Ligen dabei sind. Andererseits zeigt es, wie gut Österreich ist und ich hoffe, das können wir auch bei der WM beweisen." Gegen den französischen Meister Amiens Spartiates führte Rinner die Tackle-Statistik an und lehrte den gegnerischen Quarterback mit einem Sack das Fürchten. "Ich spiele gern gegen solche Teams, weil man die Spieler nicht kennt und sie einen auch nicht kennen. Es ist eine andere Herausforderung, eine neue Motivation", sagt Mario Rinner.
Raiders Head Coach Shuan Fatah bestätigt die gute Leistung seiner Defense: "Für Mario war es das beste Spiel dieses Jahr. Er befindet sich momentan auf seinem Zenit, ist spritzig, schnell, diszipliniert und einer der Auffälligsten am Feld. Er bringt viel Erfahrung mit und 32 ist auch noch kein Alter."
Nach dem erfolgreichen Aufstieg, bekamen die Raiders heute, Montag, von ihrem Head Coach einen Tag frei: "Es ist nicht immer einfach mit mir", lächelt Shuan Fatah, "heute haben die Spieler mal einen Tag frei um sich zu erholen und mit ihren Freundinnen was zu unternehmen."
Dragons Head Coach Ivan Zivko hadert mit Schiedsrichtern
Mit den Raiffeisen Vikings (15:12 gegen Calanda Broncos), den Swarco Raiders Tirol (41:6 gegen Amiens Spartiates) und den Graz Giants (41:24 gegen Carlstad Crusaders), schafften es gleich drei österreichische Teams ins Eurobowl-Halbfinale. Lediglich der amtierende österreichische Meister, die Danube Dragons, mussten sich Auswärts gegen den Eurobowl Vorjahressieger Berlin Adler mit 25:35 geschlagen geben.
"Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", sagt Dragons Head Coach Ivan Zivko sichtlich enttäuscht. "Wir müssen sehr viel selbst erarbeiten. Im Laufspiel, Spielzüge die wir nicht gemacht haben. Die Adler haben eine gute Offense, auch in der Defense haben sie sehr gutes Personal. Es ist ein Team, bei dem man nicht irgendwo bestimmte Stärken und Schwächen ausmachen kann." Eine Warnung für die Grazer, die im Halbfinale auf die Berlin Adler treffen.
Die Dragons hatten am Samstag jedoch nicht nur mit den Adlern zu kämpfen, auch die Schiedsrichter zeigten sich besonders streng. "Wir haben, glaube ich, 50 oder mehr Strafen bekommen, zwei wichtige Spieler dabei verloren. Den Schiedsrichtern hat in manchen Situationen ein wenig das Fingerspitzengefühl gefehlt. Es war ein Duell Österreich gegen Deutschland und das hat man gemerkt", nimmt Zivko sein Team auch ein wenig in Schutz.
Zweites Nationalteam-Camp von 13. bis 14. Mai in Innsbruck
Auf das zweite Trainingslager freuen sich die Spieler schon ganz besonders. Vor allem die Tiroler, die endlich ein Mal nicht quer durch Österreich reisen müssen. "Es ist fein, dass das Camp diesmal zu Hause statt findet. Ich sage auch immer, wir haben das schönste Wetter, das schönste Land und perfekte Trainingsbedingungen", erzählt Mario Rinner
Der Zusammenhalt im Nationalteam ist äußerst beeindruckend. Die Spieler freuen sich schon auf das Wiedersehen. "Obwohl wir uns am Feld die Schädel einhauen, im Nationalteam zusammen zu kommen ist mehr Freundschaft als Pflicht. Das Nationalteam ist einfach super", schwärmt Johannes Neusser und Mario Rinner ergänzt für die WM: "Wenn wir es schaffen fehlerfrei zu spielen, können wir jeden schlagen. Es hat ein paar Jahre gedauert, doch jetzt haben wir ein perfekt eingespieltes, starkes Team."

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