Alle Spiele der Kampfmannschaft werden 2006 dort stattfinden, womit man auch mehr Zuschauer zum Gameday locken will. Interessant ist die Ansage 2007 in der AFL spielen zu wollen. Das ganze führt zu einer Betrachtung der Lage samt Kommentar von Walter H. Reiterer.

Das Stadion sei laut Verlautbarung auf der Homepage der Salzburger ‚ein weiterer Schritt in Richtung 2007 AFL‘. Was nur so viel heißen kann, das weitere Schritte folgen. Einer der Wichtigsten wäre: Die Nennung bei den Big Boys, der höchsten Nachwuchsliga in Österreich. Diese ist zwingend um eine AFL Lizenz zu erhalten und darüber ‚gibt es auch keine Diskussion‘, so AFBÖ Präsident Michael Eschlböck bei einer anderen Gelegenheit. Die Giants hatten damit im Vorjahr ihre liebe Not und die Blue Devils heftige Bedenken. Beide zogen die Sache durch. Bei der letzten Nachwuchssitzung (Ende Jänner) haben die Bulls diese Nennung aber unterlassen und lediglich für die 2.Klasse bei den Junioren genannt. Im Vorjahr wurden die Bullen in jener zweiten Nachwuchsliga von den Gegnern aus St. Pölten (Invaders) und Linz (Steelers) deutlich deklassiert. Man sollte die tollen Leistungen der Kampfmannschaft in keiner Phase auch nur ansatzweise bei den Junioren wiedererkennen. Bei einem Spiel konnten sie in Ermangelung der Mindestanzahl an Spielern gar nicht mal antreten. Der AFBÖ ließ Gnade vor Recht ergehen und nickte angesichts der exzellenten Performance der Kampfmannschaft deren Verbleib in der Division I ab. Sie werden aber einen Brief (Mahnung) bekommen, so Eschlböck im November 2005. Eine heikle Sache. Um den Nachwuchs in Salzburg stand es einfach schon mal besser.

Jetzt will man, glaubt man der Ankündigung, bei den Big Boys nachnominieren. Dazu hat man noch einige Wochen Zeit. Entweder in Salzburg hat sich binnen Monaten etwas Gravierendes geändert, oder man geht einfach das Risiko ein von den Junioren der Raiders, Vikings und Dragons schlimm verhauen zu werden. Wie so etwas aussieht erlebten die Graz Giants an einem finsteren Abend auf der Schmelz anno 2005. Ob das Sinn der Sache ist sei dahingestellt. Ein Aufstieg (bei den Junioren) in einem solchen Zustand aber fast ein Ding der Unmöglichkeit – der mit Abstand Klassenschlechteste in einer unteren Kategorie steigt in eine obere auf? Hört sich nicht wirklich gut an.

Auf der anderen Seite ist ein starkes Team aus Salzburg eine Attraktion für die höchste heimische Liga. Die Salzburger haben Tradition und als Lions die Austrian Bowl bereits gewonnen. Die Frage ist hier auch wie sinnvoll diese Vorgaben sind.

Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen, aber es war so. Jahrelang haben die Vikings, der Verein der alle Titel im Nachwuchs 2005 einheimsen konnte, Strafen für nachweislich nicht erbrachte Nachwuchsarbeit an den Verband bezahlt. Jahr für Jahr. Als man das ‚Problem‘ im Griff hatte wurden die Zügeln gestrafft. Mit Geldbußen war es nimmer getan, der Lizenzentzug wurde eingeführt. Warum? Weil man dahinterkam, daß die paar Tausender, die früher die Vikings nicht gekratzt haben (Nachwuchsarbeit kostet einfach mehr), nun auch z. B. die Blue Devils nicht kitzeln. Vikings Präsident Karl Wurm hatte vor einiger Zeit eine sehr eigenwillige Interpretation für diese Innovationen parat. Man will die anderen Teams vor Fehlern bewahren, welche man selbst schon begangen hat. Blue Devils Präsident Christoph Piringer brachte diese Aussage beinahe zur Raserei. Wobei rasen hier auch Stichwort ist. Jahrelang fährt einer 100 durch die Stadt, muß dafür Strafe zahlen. Alsbald er sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, wir dafür (mit vom Raser selbst bestimmt) der Führerscheinentzug etabliert. Diese ganzen Verschwörungstheorien aus Vorarlberg haben fast ausnahmslos einen tatsächlich realen Ausgangspunkt. Wohin sich diese dann entspinnen, entzieht sich oft selbst einer reellen Basis, aber ihr Stamm ist stimmig. Paranoia ist hier eine stetige Wiederholung eines Gedankens der von der Mehrheit nicht mitgetragen wird. Oft weil sie die Hintergründe nicht erklärt bekamen. Das gleiche gilt übrigens für die Bezahlung von österreichischen Spielern. Lange Zeit bevor die Vikings im Vorjahr auf die Barrikaden stiegen weil man ihre Floredo Twins unanständig angebraten hat, haben sie (die Vikings) schon Spieler aus Österreich ‚eingekauft‘. Der Bauchladen reichte von Dornbirn bis Klosterneuburg. Ein weiterer Fehler von dem man heute andere bewahren will. Die Vikings entwickeln sich immer mehr zur lokalen Footballpolizei. Was George W. Bush für den Weltfrieden sein will, wollen die Vikings für Football Österreich darstellen. Immer anständig bleiben und macht man etwas Unanständiges (ja genau – Halbfinale Silverbowl 2005) dann überläßt man die Drecksarbeit dem Verband. Saubere Finger sind beim Vorbild spielen enorm wichtig. Es wäre wegen der Glaubhaftigkeit so angebracht.

Hier spielen noch viele andere Begehrlichkeiten, Meinungen und Standpunkte mit hinein. Ausnahmslos jeder Verein hat eigene Interessen. Was nichts Schlechtes, sondern völlig normal ist. Auffällig in letzter Zeit sind die Konfrontationen Wurm vs Piringer. Worüber man auch immer in Streit gerät, man bleibt beharrlich auf seinem Standpunkt stehen. Das wird zum Teil dann auch ganz schön persönlich und vermißt jegliche Sachlichkeit. So passiert einen Tag vor der Austrian Bowl 2005, wo man sich bei einer GV gegenseitig Unehrenhaftigkeit vorwarf. Was dabei ein wenig seltsam wirkt ist die Ähnlichkeit der beiden Streithälse. Keiner der beiden will es hören, alle zwei drohen einem Schlimmstes an wenn man es ausspricht, aber es ist so. Ich selbst kenne die Herren sehr gut und sie sind sich derart ähnlich in ihrem Habitus, ihrer Argumentation, ihrer Grundeinstellung und sogar im Aussehen, so daß man meinen möchte, wüßte es man nicht besser, daß Christoph Piringer der uneheliche Sohn Karl Wurms sei. Das ist kein Scherz. Die zwei Menschen sagen sehr oft das Gleiche. Nur wenn sie miteinander reden, reden sie scheinbar aneinander vorbei. Wo ist hier der Mediator? Es wäre gut an der Zeit, wenn sich Herr Piringer und Herr Wurm ihrer eigenen Kräfte besinnen und sich mal ausrechnen was eine Bündelung dieser, bei gleichzeitiger Beilegung aller Konflikte, für den Football in Österreich bewirken könnte? Bei allem Respekt für alle die dem Football in Österreich sich verschrieben haben – die zwei sind aus meiner Sicht die Männer, welche am meisten in den letzten Jahren für den Sport bewirkt haben. Der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen gehören noch andere an, aber das Duo alleine würde Jagger/Richards und Lennon/Mc Cartney aussehen lassen, als hätten sie nie einen gescheiten Song geschrieben.

Was hat das alles mit den Bulls zu tun?
Augenscheinlich gar nichts. Der Salzburger Präsident Alexander Narobe ist seit einiger Zeit Hardliner in Sachen Importbeschränkung in der AFL. Einige Male hat der ehemalige Spieler und jetzige Coach und Vorsitzende der Salzburger angemerkt alleine wegen dem ‚Importwahn‘ nicht in der AFL spielen zu wollen – oder zu können. Im Fokus seiner Kritik an dieser Politik befanden sich, neben den Raiders und Vikings, auch die Blue Devils und Falcons, sprich heute Black Lions. Diese würden sich in einem Rausch befinden (Mai 2005) und sich gegenseitig anstacheln noch mehr Legionäre zu holen. Mit dieser Einschätzung hatte Narobe gar nicht so unrecht. Hier versucht man sich (eine Bekehrung?) nun selbst zu beschränken. Vikings, Raiders, Giants und Black Lions werden 2006 nicht mit mehr als sechs Imports spielen. Die Blue Devils mit sieben. Das ist eindeutig eine Dezimierung bei allen Teams. Pater Narobe predigte weiter Wasser, trank danach aber nur mehr Wein wie man heute weiß. Eine weitere Aussage war nämlich, daß sich genau diese Teams nicht der österreichischen Spieler annehmen würden, lediglich die Legionäre pushen und den Nachwuchs vernachlässigen (Juli 2005). Tatsächlich war es dann so, daß die Vikings alle Nachwuchstitel gewannen, die Raiders sehr gut dabei waren und die Black Lions, so wie Blue Devils ihre Pflicht zur Kür machten. Die zwei letzteren Teams stellten ihre Units und sahen dabei nicht mal schlecht aus. Einzig versagt haben die Bulls in der unteren Juniorenklasse. Da fragt man sich dann schon worüber der Mann hier geredet hat? Seither sind auch alle Stimmen aus dieser Richtung dahingehend auch verstummt.

Trotzdem ist den Bulls ein Kompliment zu machen. Für ihre Kampfmannschaft, denn diese beherbergt einige der größten Talente in dem Land und ist als Team befähigt den Vikings II die Stirn zu bieten. Drei Mal stand man im Finale der Division I, das Ergebnis war stets knapp. Man konnte die Wiener dabei auch besiegen und die Silverbowl ein Mal nach Salzburg holen. Spieler wie Andreas Diwald (QB), Lukas Miribung (RB) und Heimkehrer Mario Göpfert (DB) gehören zu den besten auf ihrer Position was das Land zu bieten hat. Nicht unwahrscheinlich, daß man genau diese Herrschaften auch im Nationalteam mal wiederfinden wird.

Was die Bulls also tatsächlich brauchen (neben dem Stadion – was ein toller Anfang sein kann) um in der AFL eine Rolle spielen zu können, ist eine nachhaltige und erfolgreiche Nachwuchsarbeit (Stichwort: wettbewerbsfähig) und ein Jahresbudget von zumindest 100.000 Euro (eher mehr) um bereits 2007 mitreden zu können. Die Importallergie ist ein aufgesetzter Opportunismus, spielten die Salzburger doch über Jahre mit Amerikanern im Team. Das ist lediglich ein billiger Vorwand gewesen um eigene Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Stellen die Bulls das ein und sich selbst auf tragfähige Beine, dann darf man das Unternehmen AFL ernst nehmen. Vielleicht noch nicht 2007.

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