Für die Tiroler ist es saisonübergreifend bereits die vierte Niederlage in Folge gegen den bayerischen Rivalen. Angeführt von einem entfesselten Ravens-Quarterback Russell Tabor, der die Tiroler Sekundäre phasenweise sezierte, gerieten die Raiders von der ersten Sekunde an unter die Räder. Trotz einiger Offensiv-Lichtblicke um das Duo Steven Krajewski und Aaron Jackson war die Tiroler Defense an diesem Nachmittag völlig überfordert.

Das Spiel im Re-Live: Der EFA-Auftakt in voller Länge

Wer sich die gesamte Partie, das bayerische Offensiv-Feuerwerk und das Debüt von Shuan Fatah noch einmal in voller Länge ansehen möchte, findet hier die komplette Übertragung der Partie im Re-Live:

Kaltstart im Grünwalder Stadion: Ravens schocken Tirol per Kickoff-Return

Das erste Spiel im zweiten Stints von Fatah hätte aus Sicht der Tiroler kaum unglücklicher beginnen können. Vor einer lautstarken Kulisse in München setzten die Hausherren direkt mit dem allerersten Play ein dickes Ausrufezeichen. Bijon Harris schnappte sich das Leder beim Kickoff und trug es über das gesamte Feld hinweg zum Touchdown zurück. Nach nur zwölf Sekunden liefen die Raiders einem Rückstand hinterher und wurden nach einem schnellen Three-and-Out direkt wieder vom Feld geschickt.

München nutzte das Momentum eiskalt aus. Für zusätzliche Aufregung sorgte eine kuriose Szene: Bei einem tiefen Pass von Ravens-Spielmacher Russell Tabor auf Sixten Dragan für 34 Yards Raumgewinn wurden die Tiroler Defensivspieler durch einen Pfiff von der Tribüne irritiert. Shuan Fatah riskierte sofort eine Challenge – blieb jedoch erfolglos. Kurz darauf stand die Ravens-Offense in der Red Zone und Tabor bediente Philip Okonkwo in der Endzone zur schnellen 14:0-Führung.

Tiroler Offensive schlägt zurück

Munich Ravens vs. Raiders Tirol
Foto: Nitesh Singh

Trotz des raschen Rückstands zeigten die Tiroler keine Panik. Neo-Quarterback Steven Krajewski verteilte die Bälle gekonnt an seine Passempfänger, während Tobias Bonatti und Lukas Haslwanter mit Rushing-Versuchen überzeugten. Dank eines fantastischen Blocks von Haslwanter bekam Krajewski tief in der Münchner Hälfte genug Zeit und fand Wide Receiver Toni Rabensteiner in der Endzone, der auf 7:14 verkürzte.

Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Auf einen Rushing-Touchdown von Tabor antworteten die Raiders prompt. Nach einem starken 40-Yard-Return von Marco Schneider bediente Krajewski Neuzugang Aaron Jackson, der sich gegen seinen Manndecker zum 14:21-Anschluss durchsetzte. Während die Ravens durch Marvin Rutsch auf 14:27 erhöhten, hielt die Tiroler Offense mit einer variablen Mischung dagegen. Ein Field Goal von Jonata Loria aus 44 Yards brachte die Gäste auf 17:27 heran, ehe Tabor kurz vor der Pause Malik Stanley tief in der Endzone zum 17:33-Halbzeitstand bediente.

Vorentscheidung und Pech in der Endzone

Nach dem Seitenwechsel stockte der Motor der Raiders, während München unbarmherzig nachlegte. Ein 35-Yard-Touchdown-Run von Tabor samt erfolgreicher Two-Point-Conversion und ein weiterer Score durch Justin Rodney schraubten das Ergebnis schnell auf 17:48 hoch.

Trotz des Rückstands bewiesen die Tiroler Moral und verbuchten ein echtes Highlight. Ein tiefes Big Play von Krajewski auf Aaron Jackson überbrückte satte 53 Yards. Doch das Aufbäumen wurde jäh gestoppt: Ein fatales Missverständnis zwischen dem Quarterback und seinem Receiver endete in einer bitteren Interception direkt in der Münchner Endzone – die endgültige Vorentscheidung.

Kampfgeist bis zur letzten Sekunde

Munich Ravens vs. Raiders Tirol
Foto: Nitesh Singh

Im Schlussviertel erhöhte Louis Geyer nach einem 60-Yard-Catch zunächst auf 17:55, ehe Jackson mit seinem zweiten Touchdown des Tages (24:55) und ein Field Goal der Münchner das Scoreboard weiter bewegten. Den einem finalen Drive über Jackson, Adrian Platzgummer und Schneider tankte sich Lukas Haslwanter zum 30:58-Endstand in die Endzone.

Ein harter Dämpfer zum Saisonstart und das vierte verlorene Spiel gegen die Ravens in Folge. Während die Defensive der Raiders vor schweren Trainingswochen steht, lieferte die Offense rund um Krajewski und Jackson zumindest Ansätze, auf denen Shuan Fatah für die kommenden Aufgaben aufbauen kann.

Stimmen zum Spiel: „Ein schlechter Tag im Büro, aber die Saison ist ein Marathon“

Trotz des deutlichen Endergebnisses ordnete Raiders-Head-Coach Shuan Fatah den Auftakt im Grünwalder Stadion besonnen ein: „Zunächst einmal bin ich einfach froh, dass es endlich losgegangen ist und die Saison läuft. München war ein tolles Pflaster – ein gutes Stadion, coole Fans und eine starke Atmosphäre. Das Ergebnis war natürlich nicht das, was wir wollten. Ich nenne es einen schlechten Tag im Büro, einen dieser Tage eben. Aber am Ende des Tages ist es ein Spiel. Wir fangen gerade erst an und werden jetzt weiter arbeiten.“

In der sportlichen Analyse zog Fatah eine klare Trennlinie zwischen den beiden Mannschaftsteilen: „Besonders in der Defense müssen wir etwas tun. Unsere Offense hat mir dagegen gut gefallen. Ich denke, wir haben einen Quarterback und unsere Offensive Line hat einen starken Job gemacht – viel besser als das, was wir defensiv gezeigt haben. Von der Offense insgesamt kann ich kaum mehr verlangen, aber wir müssen ihnen in der Defense und den Special Teams unter die Arme greifen. Der Start war natürlich brutal und wir mussten uns im ersten Viertel erst einmal von diesem Kick-Return-Touchdown erholen. Aber das zeigt einfach, wie explosiv München ist.“

Für die kommenden Wochen fordert er vor allem Präzision, blickt dem Neuaufbau aber absolut positiv entgegen: „Wir können gegen die Top-Teams der Liga so nicht auftreten, wir müssen viel präziser sein. Das ist mein Job. Aber ich habe eine großartige Coaching-Staff und ein tolles Team. Ich liebe die Jungs, sie sind das Fundament für die kommenden Jahre. Man muss das Ganze richtig einordnen. München ist ein Top-Team der Liga, die arbeiten schon seit ein paar Jahren an diesem Projekt und bauen das hier auf. Wir hingegen stecken im Neuaufbau, von daher ist das okay. Nächste Woche geht es direkt mit dem nächsten harten Brocken weiter: den Nordic Storm. Die wirken jetzt schon so, als wären sie mitten in der Saisonform. Das wird uns am Ende nur stärker machen.“

Auch die Spieler zeigten sich nach der Partie kämpferisch. Wide Receiver Aaron Jackson bilanzierte: „Wir haben am Ende Stolz gezeigt, wir haben weitergekämpft und wir nehmen einige Dinge für die Zukunft mit. Meiner Meinung nach sah die Offense gut aus. […] Wenn ein Team direkt beim ersten Spielzug den Kickoff in die Endzone zurückträgt, stehst du im Grunde von Anfang an mit dem Rücken zur Wand. Aber wir haben uns danach einfach gesagt: ‚Hey, Mund abwischen, weiter geht’s.‘“ Für das nächste Spiel sieht er die Marschroute klar vor sich: „Ich denke, wir müssen verhindern, dass wir punten müssen. Wir wollen bei jedem Drive scoren. Wir müssen konstanter werden.“

Deutlich selbstkritischer zeigte sich Abwehrstütze Tim Unger mit Blick auf die defensiven Abstimmungsprobleme: „Es war ein harter Start. In der Defense sind wir nicht wirklich ins Spiel gekommen. Im Laufspiel konnten sie uns zwar nicht wirklich bezwingen, aber wir müssen die kleinen Fehler im Backfield abstellen. Das betrifft aber die gesamte Defense: Die Defensive Line muss Druck auf den Quarterback ausüben, die DBs können die Receiver schließlich auch nicht ewig covern. Die Offense war dagegen echt gut heute. Wir müssen am Montag in der Videoanalyse zurück an die Theorie, die kleinen Fehler abstellen und unserer Offense den Rücken freihalten, denn die hat heute einen fantastischen Job gemacht.“

Für die kommenden Trainingstage fordert Unger vollen Fokus in der Theorie, um die Abstimmungsprobleme schleunigst in den Griff zu bekommen: „Wir müssen den Kopf wieder in die Playbooks stecken. Die Saison ist ein Marathon, kein Sprint, wie man so schön sagt. Wir müssen einfach weitermachen. Am Montag haben wir die Videoanalyse, dann ist Training. Wir müssen zurück an die Theorie und die kleinen Fehler abstellen. Und dann müssen wir unserer Offense den Rücken freihalten, denn die hat heute einen fantastischen Job gemacht. Für uns geht es darum, das Spiel auf Tape anzuschauen, die Fehler zu analysieren und dann korrigiert wieder auf den Platz zu bringen.“

EFA WEEK 1

Munich Ravens vs. Raiders Tirol 58:30
(21:7/12:10/15:0/10:13)
So. 17.05. | 16:00 Uhr |📍 Grünwalder Stadion München

Scoring-Table:

1. Quarter:
7:0 Touchdown Ravens: Bijon Harris (Kickoff Return); PAT Daniel Schweiger
14:0 Touchdown Ravens: Philip Okonkwo (Pass von Russell Tabor); PAT Daniel Schweiger
14:7 Touchdown Raiders: Toni Rabensteiner (25 Yards Pass von Steven Krajewski); PAT Jonata Loria
21:7 Touchdown Ravens: Russell Tabor (Lauf); PAT Daniel Schweiger

2. Quarter:
21:14 Touchdown Raiders: Aaron Jackson (Pass von Steven Krajewski); PAT Jonata Loria
27:14 Touchdown Ravens: Marvin Rutsch (Pass von Russell Tabor); PAT Daniel Schweiger blocked
27:17 Fieldgoal Raiders: Jonata Loria (44 Yards)
33:17 Touchdown Ravens: Malik Stanley (Pass von Russell Tabor); PAT Daniel Schweiger wide right

3. Quarter:
41:17 Touchdown Ravens: Russell Tabor (Lauf); 2-Point Louis Geyer
48:17 Touchdown Ravens: Justin Rodney (Lauf); PAT Daniel Schweiger

4. Quarter:
55:17 Touchdown Ravens: Louis Geyer (Pass von Russell Tabor); PAT Daniel Schweiger
55:24 Touchdown Raiders: Aaron Jackson (Pass von Steven Krajewski); PAT Jonata Loria
58:24 Fieldgoal Ravens: Daniel Schweiger (32 Yards)
58:30 Touchdown Raiders: Lukas Haslwanter (Lauf); 2-Point failed

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