Im März zogen die Madrid Bravos wenige Tage vor Veröffentlichung des EFA-Spielplans überraschend den Stecker. Nun werden in Spanien Geschäftszahlen der ehemaligen ELF-Franchise diskutiert. Demnach stand 2025 einem Umsatz von rund 325.000 Euro ein Jahresverlust von mehr als 770.000 Euro gegenüber. Schon 2024 soll das Minus bei rund 886.000 Euro gelegen haben. Die Zahlen erklären die Absage für 2026 nicht automatisch – sie zeigen aber, unter welchem wirtschaftlichen Druck das Projekt stand.

Sportlich gehörten die Madrid Bravos 2025 zu den erfolgreichen Teams im europäischen Football. Die Spanier beendeten ihre zweite Saison in der European League of Football mit einer Bilanz von acht Siegen und vier Niederlagen und erreichten erneut die Playoffs.

Wirtschaftlich zeichnete sich offenbar ein wesentlich schwierigeres Bild ab.

In Spanien werden derzeit Geschäftszahlen der hinter den Bravos stehenden Gesellschaft diskutiert. Die Betreiberfirma der Franchise war die MARLOSSPORT SL. Im spanischsprachigen Football-Podcast El Lado Ciego wurden nun veröffentlichte Geschäftszahlen für 2025 analysiert.

772.000 Euro Verlust bei 325.000 Euro Umsatz

Demnach soll MARLOSSPORT SL das Geschäftsjahr 2025 mit einem Nettoverlust von 772.139 Euro abgeschlossen haben.

Besonders auffällig ist das Verhältnis zum angegebenen Umsatz: Dieser soll lediglich bei rund 325.000 Euro gelegen haben.

Den Angaben zufolge standen dem unter anderem Betriebsaufwendungen von rund 969.000 Euro gegenüber. Alleine die Personalkosten werden mit rund 357.000 Euro beziffert.

Die im Podcast diskutierten Zahlen ergeben damit folgendes Bild:

  • Umsatz 2025: rund 325.000 Euro
  • Betriebsaufwendungen 2025: rund 969.000 Euro
  • Personalkosten 2025: rund 357.000 Euro
  • Jahresergebnis 2025: minus 772.139 Euro
  • Jahresergebnis 2024: rund minus 886.000 Euro
  • Eigenkapital/Nettovermögen: rund 762.000 Euro

Damit hätte die Gesellschaft innerhalb von zwei Geschäftsjahren Verluste von insgesamt rund 1,66 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Moderatoren des Podcasts diskutieren zudem, dass das operative beziehungsweise zugrunde liegende Minus 2025 vor steuerlichen Effekten noch höher gelegen haben könnte. Da Football-Austria die zugrunde liegenden vollständigen Jahresabschlüsse derzeit nicht selbst ausgewertet hat, übernehmen wir diese Interpretation ausdrücklich nicht als eigene Feststellung.

Mehr als drei Millionen Euro Umsatz wären nötig gewesen?

Schon die unmittelbar vergleichbaren Zahlen verdeutlichen allerdings die Dimension: Der ausgewiesene Nettoverlust von 772.139 Euro entspricht mehr als dem 2,3-Fachen des genannten Jahresumsatzes.

Anders formuliert: Für jeden Euro Umsatz stand rechnerisch ein Verlust von rund 2,38 Euro zu Buche.

Das bedeutet nicht, dass Ticketverkäufe oder Sponsoring alleine sämtliche Kosten einer europäischen Football-Franchise decken müssten. Es zeigt aber die enorme Lücke zwischen den Einnahmen des Projekts und seinem Finanzierungsbedarf.

Sportlicher Erfolg brachte keine schwarzen Zahlen

Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die Bravos sportlich keineswegs ein gescheitertes Projekt waren.

Madrid beendete die Regular Season 2025 mit einer 8:4-Bilanz, erzielte 507 Punkte und erreichte als Wildcard-Team die Playoffs. Dort endete die Saison mit einer Niederlage gegen Stuttgart Surge.

Auch beim Zuschauerinteresse hatte die Franchise gegenüber ihrer Premierensaison deutlich zugelegt. Rund 3.000 Zuschauer im Schnitt bedeuteten für europäischen Football einen respektablen Wert.

Doch selbst diese Entwicklung reichte offenbar nicht aus, um die wirtschaftliche Lücke zu schließen.

Stadion wurde den Bravos kostenlos überlassen

Hinzu kommt ein bemerkenswerter Faktor auf der Kostenseite: Die Nutzung des Estadio de Vallehermoso war bereits 2024 Gegenstand einer politischen Anfrage im Madrider Bezirk Chamberí.

Darin wurde ausdrücklich nach der kostenlosen Überlassung des Stadions an die Madrid Bravos gefragt, während andere Vereine und Organisationen für die Nutzung von Sportstätten Gebühren entrichten mussten.

Damit dürfte zumindest ein normalerweise erheblicher Kostenfaktor für die Franchise reduziert worden sein. Trotzdem weisen die nun diskutierten Geschäftszahlen erhebliche Verluste aus.

Im Jänner noch Teil der neuen EFA

Die Zahlen erhalten zusätzliche Bedeutung durch die Entwicklungen im europäischen Football nach der Saison 2025.

Die Madrid Bravos gehörten zu jenen Franchises, die die ELF verließen und sich der European Football Alliance (EFA) anschlossen. Noch Mitte Jänner führte die EFA Madrid offiziell als eines ihrer Mitgliedsteams.

Die Allianz begründete ihren eigenen Weg damals unter anderem mit dem Ziel einer wirtschaftlich nachhaltigen und transparenten Struktur.

Auch bei den Bravos selbst deutete zu diesem Zeitpunkt wenig auf ein unmittelbar bevorstehendes Ende hin. Die Franchise arbeitete am Kader für 2026, verpflichtete Spieler und Coaches und hatte im Dezember 2025 sogar eine strategische Partnerschaft mit den Miami Dolphins bekanntgegeben.

Dann kam das Aus praktisch über Nacht

Am 10. März folgte die überraschende Kehrtwende. Die Madrid Bravos gaben bekannt, ihren Spielbetrieb einzustellen und 2026 nicht anzutreten.

Die Entscheidung kam so kurzfristig, dass die EFA ihren bereits vorbereiteten Spielplan noch einmal überarbeiten musste. Ein zunächst aufgetauchter Entwurf hatte Madrid noch als Teilnehmer enthalten.

Damit begann die erste EFA-Saison letztlich ohne das spanische Gründungsmitglied.

Erklären die Verluste den Rückzug?

Die naheliegende Frage lautet nun, ob die wirtschaftliche Situation der entscheidende Grund für das Aus der Bravos war.

Das lässt sich aus den Geschäftszahlen alleine nicht belegen.

Sie dokumentieren jedoch, dass der Betrieb einer konkurrenzfähigen europäischen Football-Franchise in Madrid offenbar erhebliche zusätzliche Finanzierung erforderte. Zwei Jahre mit hohen Verlusten hintereinander zeigen, dass das Projekt weit davon entfernt war, sich aus seinen laufenden Einnahmen selbst zu tragen.

Gerade deshalb ist der Fall Madrid auch über Spanien hinaus interessant.

Die Bravos waren sportlich konkurrenzfähig, steigerten ihr Zuschauerinteresse und konnten eine prominente NFL-Partnerschaft präsentieren. Gleichzeitig reichten die erwirtschafteten Erlöse offenbar bei weitem nicht aus, um die Kosten des Betriebs zu decken.

Damit liefern die nun diskutierten Zahlen einen seltenen Einblick in eine Frage, die den professionellen American Football in Europa seit Jahren begleitet: Wie viel Geld kostet eine konkurrenzfähige Franchise tatsächlich – und wie lange sind Eigentümer bereit, die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben zu finanzieren?

Hinweis: Die genannten Geschäftszahlen wurden im spanischsprachigen Football-Podcast El Lado Ciego anhand veröffentlichter Finanzdaten diskutiert. Football-Austria hat die zugrunde liegenden vollständigen spanischen Jahresabschlüsse derzeit nicht selbst ausgewertet und kennzeichnet daraus abgeleitete Angaben entsprechend.

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