Die European Football Alliance (EFA) treibt ihre Expansion voran: Ab der Saison 2027 geht mit den London Guard eine neue professionelle Franchise im BetWright Stadium in East London an den Start. Was für den britischen Football ein historischer Meilenstein ist, gießt gleichzeitig Öl ins Feuer der europäischen Ligaspaltung – denn ab 2027 verfügen sowohl die EFA als auch die konkurrierende AFLE über Standorte in den Metropolen London und Paris.
Die Tinte ist trocken: Wie die EFA und die Eigentümergruppe Gandler Sports Group am 11. August 2026 bekanntgaben, wird das neue Franchise ab der Spielzeit 2027 offiziell den Spielbetrieb aufnehmen. Heimstätte der London Guard wird das BetWright Stadium (Brisbane Road) im Londoner Stadtteil Waltham Forest sein – die tradierte Heimat des englischen Fußballklubs Leyton Orient FC.

Die Ankunft in Großbritannien kommt nicht unvorbereitet: Bereits im November 2025 hatte die EFA die Grundsatzentscheidung zur Expansion nach London und Mailand verkündet. Schon damals stand David Gandler – Gründer der Gandler Sports Group, Fubo-Mitbegründer und Mehrheitseigentümer von Leyton Orient – als Franchise-Eigentümer fest. Mit der Enthüllung des Namens „London Guard“, dem Management-Team und der konkreten Ausrichtung für 2027 wird das Projekt nun konkret.
Gleichzeitig erreicht die Konkurrenzsituation im europäischen Football eine neue Eskalationsstufe. Während in der American Football League Europe (AFLE) in diesem Jahr bereits die London Warriors angetreten sind, zieht die EFA nun mit einem eigenen Standort in der britischen Hauptstadt nach. Sowohl EFA als auch AFLE besetzen damit ab 2027 die Schlüsselmärkte London und Paris.
BetWright Stadium als Basis: Synergien mit Leyton Orient
Ziel der Investoren rund um David Gandler ist es, das Stadion im Osten Londons ganzjährig auszulasten und neue Zielgruppen abseits des traditionellen English Football zu erschließen.
„London Guard gibt uns die Möglichkeit, einen breiteren Querschnitt der Gemeinschaft anzusprechen, während wir das BetWright Stadium ganzjährig besser nutzen und zusätzlichen Wert für Leyton Orient schaffen“, erklärt Gandler. Als General Manager fungiert William Elgeti, der eine „elektrisierende Spieltagsatmosphäre nach East London bringen und dem britischen Football ein neues Aushängeschild bieten“ möchte.
Push für Britball: Heimische Talentförderung im Fokus
Für den britischen Football ist die Ansiedlung einer vollprofessionellen Franchise ein bahnbrechender Schritt. London gilt als internationaler Sport- und Medienknotenpunkt mit einer riesigen, kaufkräftigen Fanbasis – was nicht zuletzt die stets ausverkauften NFL International Games im Wembley-Stadion und im Tottenham Hotspur Stadium beweisen. Allerdings sitzen dort eher Football-Touristen auf den Rängen als einheimische Fans. Die britische Liga BAFA Premier läuft vor wenigen hundert Zuschauern. Der Meister Bristol Aztecs gibt mit 1.021 Fans einen Besucherrekord auf der Insel an, die Manchester Titans melden einen Zuschauerschnitt von knapp 300. Nicht viel besser läuft es beim AFLE-Team London Warriors mit durchschnittlich 600 Besuchern. Auch für die selige NFL Europe klappte es in der englischen Hauptstadt auf Dauer nicht: Nach anfänglicher Euphorie und dem Gewinn der World Bowl I durch die London Monarchs wurde das Franchise wegen mangelnden Zuschauerinteresses 1998 von der NFL liquidiert und durch Berlin Thunder ersetzt.
Bisher mussten britische Leistungsträger oft ins Ausland wechseln, um in den Sommermonaten in europäischen Profiligen bezahlt zu werden. Die London Guard soll nun eine direkte Karriereperspektive auf heimischem Boden bieten. Neben dem Profi-Kader sind Investitionen in Jugendprogramme, Flag-Football-Initiativen sowie Breitensport angekündigt. Der Kader soll zu Beginn einen starken Fokus auf britische Talente legen, ergänzt durch gezielte Import-Verstärkungen.
Offizielles Video zum Franchise-Launch
Einen ersten Eindruck vom Markenauftritt und der Vision des neuen Teams bietet das offizielle Launch-Video der London Guard:
Kommentar: Ein fatales Signal für den europäischen Football
So erfreulich die Nachricht für den Standort London ist, so nachdenklich stimmt der Schritt mit Blick auf das Gesamtwohl des europäischen Footballs. Während die Premierensaisons der EFA und AFLE auf die Zielgerade biegen – die EFA absolviert am kommenden Wochenende ihre Halbfinals, die AFLE gipfelt Anfang September im Championship Game –, hoffte die Community händeringend auf eine Annäherung der Ligen.
Ein Zusammenschluss der beiden Konkurrenzligen liegt auf der Hand: Die AFLE glänzt mit herausragender Vermarktung und TV-Präsentation, leidet jedoch unter großem sportlichen Leistungsgefälle. Die EFA bietet das deutlich ausgeglichenere sportliche Niveau, hinkt bei der Inszenierung jedoch spürbar hinterher. Die optimale Symbiose scheitert bisher vor allem an Funktionärs-Egos und strukturellen Differenzen.
Dass die EFA die im November 2025 angekündigte Expansion nach London nun mit der Enthüllung der London Guard finalisiert und faktenbasiert eigene Strukturen in direkten AFLE-Märkten zementiert, entlarvt die Hoffnung auf eine baldige Fusion als Wunschdenken. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Ligen weiterhin gegeneinander statt miteinander agieren. Auf Dauer droht der europäische Footballmarkt durch dieses Wettrüsten Schaden zu nehmen.
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Schade!
Ich habe geglaubt, die Mannschaftseigner werden durch Schaden klug.
Leider nein. Die Demontage des europäischen Football geht weiter.
Wenn schon die Fusion nicht klappt, könnte man nach den Championchips Games ja noch ein Final 4 mit den beiden Besten aus den Ligen machen.
Die Franchise ist ja schon ewig geplant und sinnvoller Weise kein Schnellschuss. Soll die Franchise aufgegeben werden, nur weil die AFLE eine Konkurrenz aufgemacht hat?