Sechs der 17 Spiele der AFL endeten bisher zu Null. Drei Mal waren auf der Zero-Seite die Black Lions beteiligt, je ein Mal die Panthers, Bulls und – schau an – die Dragons. Sechs auch die Anzahl der Spiele, bei dem es das unterlegene Team geschafft hat, mehr als einen Score aufs Board zu bringen. Bleiben fünf Spiele in der regulären Saison über, die so etwas wie Spannung in sich trugen. Giants-Raiders, Giants-Vikings, Dragons-Giants, Vikings-Raiders, Dragons-Panthers und – wenn Sie so wollen – Bulls-Giants, weil da gab es 16 Salzburger Punkte. Bleibt eines noch: Die „Blue River Bowl IV“, wenn ich richtig mitgezählt habe. [email protected] Cisdanubien vs. Transdanubien.

Das Gefälle in der AFL ist dabei aber zerklüftet. Innerhalb der „BIG 4“ gibt es nur dann eines, wenn ein Team ein veritables (Personal) Problem hat – siehe Raiders-Dragons, ansonsten ist das eine (Hoch)ebene. Die anderen Plätze sind derart fix vergeben, so – wäre die AFL eine Felswand – man bei einem Absturz durchfällt bis zum Vorsprung Prag (5), dann auf die Kante Kärnten (6) prallt, um schlussendlich in der Talsohle Salzburg (7) einzuschlagen.

Schmerzliche Wahrheit

Ich habe heute mit Alex Narobe gesprochen. Dem Obmann der Bulls. Nicht immer, aber oft, wenn ich mit ihm geredet habe, geht es mir eine halbe Stunde später schlecht. Also nicht körperlich, wobei es mir schon kalt über den Rücken läuft, sondern seelisch. Das meine ich nicht böse. Aber Herr Narobe hat die unangenehme, aber auch wichtige Eigenschaft, mir den Unterbau der AFL – die „other side“ des angeblichen Schmuckstücks des heimischen Footballs – so zu erklären und zu schildern, dass mir (nach 30 Minuten) wieder klar wird, warum manche Dinge so klein sind, wie sie eben sind. Weil er beschreibt die Katze und den Schwanz und warum sie sich in diesen beißt.

Meine Damen und Herren: Es wird unter den derzeitigen Umständen und Gegebenheiten – Österreichweit wie auch lokal – in Salzburg auf absehbar lange Zeit kein wettbewerbsfähiges AFL-Team geben. Ich glaubte vor zwei Jahren, dass das geht. Ist nicht. Wird auch nicht. Selbiges gilt für St. Pölten, Linz, Ems, das Burgenland und – womöglich, aber da bin ich mir noch unsicher – Kärnten. Und es liegt auch, aber nicht nur an den Personen. Manfred Mocher mag man von Wien aus betrachtet als streitbare Witzfigur wahr nehmen, leider – oder Gott sei Dank – ist er das natürlich nicht. Der redet manchmal für alle außerhalb Kärntens wirres Zeug, dass er in den Klub hinein viel bewirkt, das streiten ihm nicht mal seine schlimmsten Feinde ab. Also…

Der wachsende Graben

Die Kluft zwischen dem was Swarovski (Raiders) und Raiffeisen (Vikings), was eine urbane und devote Community (Dragons) und eine Universitätsstadt mit einer Basiskultur (Giants) bewirken können, zu den „Two and a half men“ Shows in Mozart Town und am Wörthersee ist angewachsen. Und das in einem Fall (Salzburg) deutlich. Lichte Momente (zwei TDs gegen Graz) sind die Ausnahmebestätigungen. Kärnten mag sich heuer bei den Imports vertan haben, aber Umfallen vor Lachen werden sie auch nicht nach 43 Tagen Saison. Das hört sich an wie eine Overtime in der Fastenzeit. Aber Hallo! Anderthalb Monate Football, dann ist was? Pause!

Bevor man mich des totalen Schlechtredens beschuldigt. Ja, mir ist bekannt, dass die „BIG 4“ der AFL gleichzeitig auch die „BIG 4“ Europas sind, also die ersten vier des EFAF-Rankings. Nur das hilft unserer Nummer 5, 6 und 7 nicht. Wir haben keine Mitte. Wir sind zu viert unbändig gut, aber nicht in der Lage eine Liga zu formen. Das ist schon die Liga. Darunter ist Ebbe. Kein Mittelbau, nicht mal ein Kampf um den Besten der Schlechten. Der ist auch schon entschieden. Es ist Prag.

Salzburg wird, das glaube ich, 2012 wieder in die Division 1 absteigen. Und wenn man sich ansieht, was dort grad passiert ist zwischenzeitlich (ich bin so positiv – hey!), wie die Knights und Rangers im Coacing Bereich arbeiten, wie der Gamespeed durch die Anwesenheit der Vikings² und Raiders² angezogen wurde, da kann man den Bullen nur alles Gute wünschen. Ich glaube nicht, dass sie dann ad hoc in der Lage sein werden gleich wieder vorne mitzumischen. Kommt auch auf die Zusammensetzung an.

Vier Klassen, wie gehabt

Geht man noch weiter runter, dann erkennt jeder, der nicht auf beiden Augen samt seinen Hühneraugen blind ist, dass in Österreich vier Klassen einfach Realität sind. Auch wenn es nur drei sind, ist es evident. Da werden die Black Lions² auf die Hurricanes losgelassen, die Budapest Wolves Junioren, heute 22+, die die Raiders vor drei Jahren zerpflückt haben, spielen mit anderen Jerseys und Namen mit und werden der erste richtige Prüfstein für die Kamber & Co-Black Lions. Schaut man sich den Roster der Black Lions² an und pickt die Schlüsselspieler der Offense und Defense raus, dann kommt man auf interessante Querverbindungen. Diese Spieler haben in ihrem bisherigen Footballer Leben noch nie ein Spiel gegen die Red Lions Hall, Steelsharks Traun oder Vienna Knights verloren. Und jetzt spielen sie gegen eine Zwanzigschaft aus Stallhofen, die dort gerne wieder ein Footballteam haben möchten. Da hat es doch was, oder übersehe ich da etwas Wesentliches? Nächstes Jahr stellen sich die Pinzgau Devils und Styrian Eagles vermutlich um einen Ligaeinstieg an. Sind das dann gleich die nächsten Opfer? Sacrifice for fun. Bitte her mit den vier Klassen, denn wir haben sie so oder so!

Wird das Football-Europa zu Football-Austria?

Am kommenden Wochenende könnte es zu einem noch nie dagewesenen Ereignis auf europäischer Ebene kommen. Sollten alle vier Österreicher ihre EFL-Viertelfinali gewinnen, dann ist die EFL endgültig der verlängerte Arm der AFL. Die Prothese des Glücks sozusagen. Und die „Gefahr“ ist so groß wie nie. Die schwerste Aufgabe am Papier haben die Dragons, die zum Titelverteidiger müssen. Der kiefelt aber immer noch an seinem Swarco-Problem, denn die Raiders nahmen den Berlinern Coaches und Schlüsselspieler, wurden nicht nur von Kiel geschlagen, sondern auch von Schwäbisch Hall (zu Hause) und mühten sich gegen den Aufsteiger Mönchengladbach zu einem 16:0. Womöglich können die Drachen wieder auf Andrej Kliman und (noch wahrscheinlicher) auf Thomas Haider zurückgreifen. Dann sollte etwas gehen in Berlin.
Die Raiders treffen mit Amiens auf relativ unbekannte Spartianer. Ich denke nicht, dass Raiders Head Coach Shuan Fatah irgendein Team auf die leichte Schulter nimmt, daher wird die Reise der Raiders frühestens im Halbfinale enden.
Die Grazer wurden quasi beschenkt. Sie bekommen nicht nur ein Re-Hallo mit Joey Stein, sondern mit ihm überraschend einen Gegner aus Schweden und nicht aus Deutschland. Die Crusaders schalteten Kiel aus und das ist nicht irgendwer. Das ist der Euro Bowl-Sieger-Besieger, damit der Meister der GFL. So wie Chris Gunn gerade drauf ist, ich lehne mich aus dem Fenster, wir das ein Fest für die Giants-Fans.
In Wien wird das „most sexy team“ Europas auflaufen. Und das sind nicht die Vikings, weil die sind viel, aber bitte nicht sexy. Es sind die Broncos, die pro forma einen Vereinssitz in der Schweiz haben. Ja, ich weiß, sie sind auch Juniorenmeister dort. Einer Meisterschaft, in der ein Forfait als Endergebnis nicht unüblich ist, weil der Unterbau bei vielen Teams fehlt. Die erste Mannschaft ist extrem unschweizerisch und genau darin liegt auch ihre Chance. Wir kennen das Nationalteam der Schweiz und wissen wo sie stehen. Nicht bei der Musik dabei die Eidgenossen. Aus allen Herren Ländern kommen aber die Broncos Spieler, einige davon von Top-Colleges der USA. Das wird ein Spaß auf der Hohen Warte und die Vikings werden, wenn sie das gewinnen wollen, es auf der taktischen Ebene tun müssen. Personell ist ihnen Calanda vermutlich ebenbürtig, den besseren Gameplan sollten die Wiener parat haben.
Und wenn das dann alles eingetroffen ist, dann sind wir dort, wo die Formel 1 war, als Michael Schumacher noch Michael Schumacher war. In Österreich wird Jubel herrschen, der Rest wird uns gelangweilt hassen.
Mein Ihr
Walter Reiterer

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