Horst Obermayer kennt „das Geschäft“, damit gemeint sind „seine Junioren“. Als jahrelanger Trainer im Nachwuchs der Raiffeisen Vikings, aber auch als Defense Coordinator des Junioren Nationalteams, mit denen er Medaillen holte. Von 2000 bis 2006 gab es vier Mal Bronze für Rot-Weiß-Rot. 2008 war Obermayer nicht dabei und das Team belegte nach Niederlagen gegen Deutschland und Finnland nur Platz fünf in der Endabrechnung. Das soll sich heuer, geht es nach dem Wunsch des nun neuen Headcoaches Horst Obermayer ändern. Er übernahm die Agenden des 2009 ausgeschiedenen Bernhard Binstorfer und schart um sich einen Staff mit bekannten Gesichtern.
In der Vorbereitung sah das Team stark aus. Serbien schlug man 57:0 und den mit dem Bus aus Uppsala (!) nach Simmering angereisten Vizeeuropameister Schweden 20:0. Auch im letzten Test gegen die Vienna Knights kassierte man beim 25:0 keine einzigen Punkt. Zu einem Qualifikationsspiel gegen Russland kam es gar nicht mehr. Die Russen mussten aus finanziellen Gründen aufgeben, ebenso wird Finnland nicht dabei sein. Von den acht Teilnehmern zuletzt, sind nur mehr sechs übrig geblieben. So einfach wird es bei der am 28. August beginnenden EM trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil. Erster Gegner ist Europameister Deutschland, die sich noch dazu einen Wettbewerbsvorteil verschafft haben.
FA: Wie zufrieden sind Sie mit der Vorbereitung bisher?
Horst Obermayer: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Wir werden bereits am 25. August in Sevilla anreisen, um uns dann noch vor Ort zwei zusätzliche Tage auf das erste schwere Spiel gegen Deutschland vorzubereiten. Wir konnten vernünftig in den Camps arbeiten und sehen der EM daher sehr positiv gestimmt gegenüber.
FA: Im Großen und Ganzen zufrieden. Womit waren Sie denn unzufrieden?
HO: Der Videoaustausch mit Deutschland hat leider gar nicht funktioniert, weil die Deutschen kein Vorbereitungsspiel absolviert haben. Wir mussten ihnen aber unsere Videos geben. Das steht so im Regulativ. Ich halte das für eine Verzerrung der Sache. Beim Technical Meeting in Sevilla drückte mir der deutsche Trainer eine DVD von der vorletzten Junior Bowl als Entschädigung in die Hand. Diese Geste hätte er sich auch sparen können.
FA: Deutschland, unser Lieblingsnachbar…
HO:
Von der sportlichen Qualität legen sie halt die Latte für alle anderen auf. Auch bei den Junioren. Da müssen wir mal hin. Wo sie sonst stehen, da möchten wir lieber nicht hin. Ich gebe offen zu, dass ich ihrem Zugang und ihrer Attitüde nichts abgewinnen kann. Zum Beispiel ihr Auftritt bei der Siegerehrung der WM. Wäre das mein Team gewesen, ich hätte sie in die Kabine zurück geschickt. Aber auch bei anderen Dingen, wundert man sich ein wenig.
FA: Zum Beispiel?
HO: Wir sind in Sevilla sind mit Frankreich und Schweden in einem zwar sehr ordentlichen, jedoch auch spartanischen Quartier unter gebracht. Danach haben wir die Unterkünfte des deutschen Teams besichtigt. Ein deutlich gehobeneres Hotel, ein Pool dort, wie noch ein zweiter neben dem Trainingsgelände. Wir sind zwar nicht zum Schwimmen dort, aber man merkt halt, dass sich hier wer die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat. Aber wir sind zufrieden. Wir brauchen ein festes Bett, einen Tisch, einen Kasten und sauber sollte alles sein. Das reicht dann schon. Aber es fällt halt auf, dass wir bei Veranstaltungen in Österreich immer alles für unsere Gäste tun, organisatorisch alles 1A klappt, umgekehrt das aber weniger gut funktioniert. Es stand ja überhaupt erst im Juni fest, wo genau und dass überhaupt in Sevilla gespielt werden kann.
FA: Zum Coaching Staff ein paar Worte vielleicht. Der wurde ja fast komplett umgebaut.
HO: Die meisten heutigen Coaches habe ich noch im Junioren Nationalteam noch selbst gecoacht. Florian Grein, Jakob Dieplinger, die Floredo Twins. Ich kenne die Leute daher schon sehr lange und sehr gut. Ich glaube, dass ist von Vorteil für uns, weil wir wissen, wie wir untereinander funktionieren. Das ist ein homogener Staff. Ich bevorzuge mit jungen und ambitionierte Coaches aus Österreich im Junioren-Nationalteam zusammenzuarbeiten.
FA: Ein Seitenhieb auf das Nationalteam?
HO:
Überhaupt nicht. Ich glaube lediglich, dass Österreich sehr gute Trainer hat, diese von sich aus einen starken Bezug zum Team haben und daher auch zum Einsatz kommen sollen. Man sah ja bei der WM auch, dass die Franzosen auf französische, die Japaner auf japanische und die Kanadier auf kanadische Coaches gesetzt haben. Das hat vielleicht ähnliche Gründe. 
FA: Also doch ein Seitenhieb…
HO:
Ich werde kein Kommentar zum Abscheiden des Nationalteams bei der WM abgeben. Das ist nicht mein Job.
FA: Bei der EM 2008 in Sevilla war das Abschneiden mit Platz 5 eher enttäuschend. Wie lauten die Ziele drei Jahre danach?
HO: Für uns Coaches selbst lautet die Devise jedes Spiel zu gewinnen. Dass das nicht so einfach ist, liegt in der Natur der Dinge, denn Deutschland ist da der Favorit, der bei seinen Tryouts 300 Teilnehmer hat. Österreichweit haben wir uns 112 Spieler angesehen. Das ist keine Vorab-Ausrede, denn wir wollen sehr wohl gewinnen. Wir müssen aber auch sehen, dass wir als Fünft-Gereihter es gleich zu Beginn mit den Deutschen zu tun bekommen, die quantitativ andere Voraussetzungen haben.

Die Spiele bei den letzten Europameisterschaften gegen sie waren immer knapp, wir haben sie aber verloren. Meiner Meinung nach waren wir da in manchen Fällen auch nicht smart genug. Wir haben auch Spiele hergegeben, in denen wir in Führung lagen. Als Nummer 5 kann man keinen Anspruch auf Siege stellen, aber ich denke, dass wir nicht allzu weit weg sind. Wir können das schaffen.

FA: Spieltermin für Österreich in Sevilla ist zwei Mal um 10:30 Vormittag. Ist das nicht eine Unzeit für ein Footballspiel?
HO: Nein, es ist dort die beste Zeit überhaupt. Ab Mittag geht in der Hitze Sevillas gar nichts mehr. Wir sind sehr zufrieden mit der Kickoff-Zeit, die uns lieber als der Abendtermin ist.
FA. Es sind heuer nur mehr sechs Teilnehmer – Finnland und Russland fehlen. Was ist da passiert?
HO:
Ich weiß nur von Russland, dass sie finanzielle Probleme haben. Vielleicht ist es bei den Finnen auch so? Ich weiß es nicht. Jedenfalls macht das die Sache nicht leichter. Verlierst du eines deiner zwei Spiele, dann ist das bereits eine Vorentscheidung. Mir wären acht Teilnehmer und ein Spiel mehr natürlich auch lieber. Leider spielt es das nicht.
FA: Die WM ist sportlich enttäuschend verlaufen. Gibt es jetzt den Anspruch oder den Druck, dass die Junioren die Kohlen aus dem Feuer holen?
HO:
Zum einen: Ich sage nicht, dass die WM enttäuschend verlaufen ist. Ich sage, wie gesagt, dazu gar nichts. Zum anderen: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt keinen Rachefeldzug, es wird keine Ehre wieder hergestellt, denn das Juniorenteam ist eine ganz eigene Geschichte. Umgekehrt hat es sehe wohl etwas damit zu tun, denn das Nationalteam der Zukunft wird ja zu einem großen Teil aus Spielern des Junioren Natuionalteams bestehen. Das ist aber schon alles an Verbindung.
FA: Zu den Spielern. Es wurde versucht Quarterback Walerie Teplyi (Vikings) einzubürgern. Hat das geklappt?
HO:
Leider nicht. Walerie wäre unser Starting QB gewesen, aber er bekam die österreichische Staatsbürgerschaft nicht. Daher werden wir auf der Position auf Christoph Gubisch (Giants), Philipp Brugger (Raiders) und Philipp Kern (Vikings) setzen. Wer starten wird, das ist noch offen.
FA: Hört sich nach einer lauforientierten Mannschaft an.
HO:
Man muss beachten, was zur Mannschaft passt und seine Stärken ausspielen. Wir haben mit Andreas Hofbauer (Raiders) und Markus Laaber (Dragons) zwei hervorragende Runningbacks, dazu kommen noch die beiden Giants Peter Stark und Alexander Sanz, so wie Johannes Streihammer (Vikings). Das sind, so meine ich, fünf sehr starke Waffen in unserer Offensive. Natürlich werden wir die auch bringen, ohne dabei das Passspiel zu vergessen.
FA: Jakob Baran (Dragons), einst Youngstar Of The Year, hat abgesagt…
HO: Er wird dabei sein. Er hat das Gespräch mit mir gesucht und sich entschuldigt. Ich habe die Entschuldigung angenommen, ihm dann aber auch gesagt, dass er sich auf seinem weiteren Weg nicht mehr in seinen Entscheidungen von außen beeinflussen lassen soll und auch, dass er trotzdem nicht dabei sein wird, außer es gibt noch einen Ausfall auf der Linebacker-Position. Den es nun vor einigen Tagen tatsächlich gab. Anders hätte ich das dem Team gegenüber nicht verantworten können. Er wurde vor einigen Tagen nachnominiert und hat sich sehr darüber gefreut. Es war aber sein Glück, dass er dabei sein wird und gleichzeitig das Pech eines anderen.

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Die EM beginnt für Österreich am 28. August um 10:30 mit dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Am 30. August trifft das Team von Horst Obermayer auf Dänemark. Die Finalspiele finden am 3. September statt.

Gruppe A:
Deutschland
Dänemark
Österreich

Gruppe B:
Schweden
Frankreich
Spanien

Das Junioren Nationalteam nach Klubs:
Raiffeisen Vikings: 13
Swarco Raiders: 11
JCL Giants: 9
Danube Dragons: 6
Black Lions: 3
Kornmesser Rangers: 3
Österreichs Kader für die EM 2011:

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