Während sich die europäische Football-Landschaft nach dem Aus der ELF mühsam zwischen AFLE und EFA neu sortiert, wollte die International Arena League (IAL) den Markt von innen heraus erobern. Doch nur wenige Wochen nach dem geplanten Start zeigt sich: Die transatlantische Liga ist eher eine Farce als ein Profi-Produkt.

Zürich und Düsseldorf: Stecker gezogen vor dem Kickoff

🤖 Marketing aus der Maschine: Der KI-Trailer der Zurich Ibexx.

Die Pläne klangen gewohnt vollmundig: Profi-Football im Zürcher Hallenstadion und im Rather Dom in Düsseldorf. Doch die Realität sieht düster aus. In Zürich wurde das für Samstag geplante Heimspiel der Zurich Ibexx gegen die England Eruptors kurzfristig abgesagt. Hallenstadion-CEO Philipp Musshafen bestätigte gegenüber der NZZ, dass „verschiedene Vertragsinhalte“ nicht eingehalten wurden und der Kontakt zu den Ligaverantwortlichen schlichtweg abgerissen sei.

Besonders bitter: Für rund 30.000 Franken wurde bereits ein Bandensystem angeschafft, das nun wohl ungenutzt eingelagert bleibt. Ähnlich das Bild in Düsseldorf: Die Warriors sagten ihren Auftakt „aus logistischen Gründen“ ab – ein Euphemismus für ein organisatorisches Kartenhaus, das bereits beim ersten Windzug zusammengebrochen ist.

Transatlantische Kostenfalle

Das Konzept der IAL wirkt bei genauerer Betrachtung wie ein finanzielles Himmelfahrtskommando. Teams aus der Schweiz, Deutschland und England sollten im Sommer für Spiele in die USA (u.a. Pennsylvania) fliegen. Bei Kadern von rund 20 Spielern plus Trainerstab entstehen Reisekosten, die in keinem Verhältnis zum Marktinteresse stehen. In Zürich wurden laut Berichten gerade einmal 50 Saisonkarten abgesetzt – ein wirtschaftlicher Offenbarungseid.

Während in den USA tatsächlich Spiele stattfanden – etwa der 41:34 Sieg der Pennsylvania Benjamins gegen die Las Vegas Rockers – blieb die Übertragungsqualität auf Amateur-Niveau.

📺 Reality Check: Während in den USA (hier Benjamins vs. Rockers) gespielt wird, warten Fans in Europa vergeblich auf den Kickoff.

In Europa hingegen fand bis Sonntag kein einziges Spiel statt. Dahin wurde die eigentlich für Samstag anberaumte Partie von Glasgow am Freitag (!) verschoben. Die IAL scheint das Schicksal vieler „Frühjahrs-Ligen“ zu teilen: Große Visionen, die an der fehlenden Liquidität und mangelnder Infrastruktur scheitern.

Ein Markt in der Sättigungsgrenze?

Nach dem Zusammenbruch der ELF und der Aufspaltung in die American Football League Europe (AFLE) und die European Football Alliance (EFA) ist der europäische Markt ohnehin extrem fragmentiert. Die IAL versuchte nun, ein Nischenprodukt (Arena Football) in einem bereits gesättigten und finanziell instabilen Umfeld zu etablieren.

Die Parallelen zu früheren gescheiterten Versuchen sind unübersehbar. Arena Football hat selbst in den USA historisch kaum dauerhaft überlebt. Dass man nun versuchte, dieses Modell mit interkontinentalen Flügen zu kombinieren, grenzt aus Expertensicht an Realitätsverweigerung. Für die Fans in Zürich und Düsseldorf bleibt vorerst nur der Ärger über gekaufte Tickets und ein weiteres dunkles Kapitel im Buch der europäischen Football-Experimente.

Ein Kommentar von der Football-Austria Redaktion.

 

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