< NFLE Scout bei der Eurobowl
10.07.2005 16:56
Von: FA

Hable e gli italiani

Vor 3000 Zuschauern am Dornbacher Sportklubplatz setzten sich die Chrysler Vikings zum zweiten Mal in Folge die Footballkrone Europas auf.


Chrysler Vikings erneut Eurobowl Champions

Der Gegner, eine im Vorfeld als enorm stark eingeschätzte und sehr kosmopolitische Söldnertruppe aus Bergamo, deren hochgelobte Offense auch gegen eine ersatzgeschwächte Vikings Defense kaum yards und gerade mal 6 Punkte machen konnte, stand in diesem Finale auf gleich mehreren verlorenen Posten und einer in allen Belangen überlegenen Wiener Mannschaft gegenüber. Die Vikings sind in dieser EFL das Maß aller Dinge und können sich am kommenden Samstag in der Südstadt zum ersten Mal das Double Euro-Austrian-Bowl holen. Trotz Italiener und Österreicher im Finale kommt Football-Austria.com hier aber einiges recht Spanisch vor.

Teamnews Vikings: Kür folgt nächste Woche

Doch zuerst zum Spiel, wo von Beginn an Klartext gesprochen wurde. Neil Andrew Maki mit einem interception return touchdown brachte die Vikings als erste und das sehr früh im Spiel aufs Scoreboard. Der Amerikaner mit finnischen Zweitpaß scorte als Verteidiger damit bereits zum siebenten Mal für sein Team. Der PAT Versuch ging daneben, wie auch alle anderen im ersten Viertel. Walter Cross, ein vielbeachteter Mann, da er als Running Back der University Of Michigan mit einem Quaterback namens Tom Brady zusammenspielte, erzielte mit einem kurzen Lauf den Ausgleich für die Bergamasken. Das sollte es gewesen sein mit Punkten für die Lions. Die Vikings Offense danach abwechselnd mit kurzen und langen Schritten, aber vor allem auf Lance Gustafsons Beinen am Weg Richtung Lions Endzone, in jener Wolfgang Hable einen Pass von QB Shawn Olson (vorletztes Match für die Vikings) fangen durfte. Hable tat dies genau ein Jahr nicht mehr, denn der letzte Touchdown des Receivers passiert im Eurobowl Finale 2004 gegen eben das gleiche Team. Heuer wurde er bisher nur 5 Mal von QB Olson mit inem Paß bedacht. Ganze 27 receving yards in einem Jahr und dann schlägt er zu. Angeblich stellte die Pizzeria den Lieferservice zu Hable nach Hause nun endgültig ein. Er wird um seine Pasta und Pizzen wieder laufen müssen. So ein Pech. 12-6 der Stand vor dem ersten Seitenwechsel.

Schaurig-schöner "Gustl"
Im zweiten Viertel ging der anhaltende Nieselregen immer wieder ins Schaurige über, Boden und Ball wurden glitschiger, fumbles und Fehler häuften sich. Im vierten Versuch und eine Handbreit zu gehen rutschte Walter Cross am glatten und extra für das Finale von der Stadt Wien teilweise neu verlegten Rasen aus – turnover by downs. Im darauf folgenden Drive der Vikings ein Kuriosum. Gleich 3 Strafen bei einem Spielzug sah die meistens sehr aufmerksame internationale Referee Crew unter ihrem englischen Head Briggs und jener sprach diese im akzentreinen Oxford Englisch mittels anderthalbminütiger Funkmikrofon Ansprache sogleich aus. Ein langer Lauf von Gustafson wurde danach ebenfalls noch einmal zurückgepfiffen, danach war der "Gustl" (so sein enorm spitziger Witzname) nicht mehr zu halten. Ein Lauf in die Endzone der #25 und erstmals ein von Peter Kramberger verwerteter Extrapunkt besorgten das 19-6.

Die Lions bemühten sich redlich. Einige schöne Catches von Maurizio Barbotti bekam man zu sehen, doch über das gesamte Spiel blieb die Hand des Lions QB David Macchi recht kalt und vor allem für Fehler immer brav anfällig. Kurz vor der Pause passierte dem Amerikaner der Spielentscheidende. Sein Paß wurde vom deutschen CB Nico Hribernik abgefangen, der damit die Leistung der Vikings Defense krönte. Halbzeit.

Blackout ohne Folgen
Die gesamte Verteidigung spielte, wie das "Gustl" Fans so sagen ein "Botzn Spü", auf gut Deutsch also sehr stark, wie da vor allem die Namensnennungen von Platzsprecher Michael Holub von Johannes Bintinger, Daniel Nwangwu und Floredo mit Bart, wie Floredo ohne Bart öfters mit sehr negativen Erlebnissen der Lions Offensivkräfte einhergingen. Kein Durchkommen mehr für Walter Cross und Kollegen. Auf der anderen Seite war auch die O-Line der Wiener meistens am Posten, wobei die Kreativlinge der Wikinger Offense im dritten Abschnitt dann temporäre Konzentrationsstörungen zu verzeichnen hatten. Nachdem Herr Bintinger und Herr Nwangwu die Herren Cross und Ceroli gleich nach Wiederbeginn in die Schranken wiesen, nahm Herr Center Wieshofer sich das zum Anlaß um sich ans eigene Bein zu snappen. Sah blöd aus – war auch nicht sehr gescheit und Vikings Präsident Karl Wurm, der keine halbe Sekunde davor einen Satz mit "…wenn die Offense so weiterspielt, dann…" beenden wollte, verstummte abrupt.

Doch sogar solche Aussetzer konnten sich die Italiener nicht zu Nutze machen. Im dritten Viertel wurde es am Feld also zusehendes unspannender, Fehler auf beiden Seiten prägten diese 12 Minuten, so sich das Publikum, an dem Tag sich des Sieges stets gewiß, bereits den Vorfeierlichkeiten zuwandte (the lion sleeps tonight). Im Dschungel Dornbachs fand auch der Kicker der Italiener das Tor vor lauter Stangen nicht und vergab auf recht klägliche Weise einen Fieldgoalversuch aus ca. 30 yards. 10 yards länger, als 40 yards lang war danach ein Paß von Shawn Olson, der sein Ziel aber in Charley Enos fand und das Team der Wikinger wieder in die Hälfte der Lions brachte. Gustafson brach reihenweise die tackles der Italiener, der ab diesem Zeitpunkt sich mit Ralph Pointner als RB abwechselte. Shawn Olson selbst ging dann in die Endzone, der touchdown wurde aber aberkannt, da Kollege Luke Atwood dabei ein Foul beging (illegal block below the waist). Peter Kramberger trat im vierten Versuch zum Fieldgoal an und tat es seinem italienischen Kickerkumpel nicht gleich, sondern verwertete aus kurzer Distanz sicher zum 22-6. Linebacker Danilo Rossi verwechselte dafür kurz mal Football mit Faustball ohne Ball und wurde folgerichtig vom Headreferee ausgeschlossen. Herrn Rossi sollte eine solche Verwechslung mit 37 Jahren nicht mehr passieren, wobei er einer von mehreren Spielern der Lions ist, welche in den 70er Jahren schon große Buben waren. Ein Team mit einer Menge älterer italienischer Herren als Starter. Die Zukunft der Lions kann das jedenfalls nicht sein.

Alles Banane
Im letzten Viertel ein weiterer kurzer Lauf von Lance Gustafson zum Endstand von 29-6 (PAT good). Im letzten Spielabschnitt zeigten die Bergamasci keine wirklichen Ambitionen mehr das Spiel umdrehen zu wollen, wobei es nicht nur am Willen, sondern auch klar am Können scheiterte. Die Vikings waren das deutlich stärkere Footballteam, spielten ein Klasse Match in der Defensive, aber nicht einmal in Normalform mit ihrer Offense. Trotzdem hat es locker zum Titel gereicht. Football-Austria.com gratuliert zur erfolgreichen Titelverteidigung.

Viele Wermutstropfen
Die EFL leidet stark unter der Absenz einiger europäischer Nationen. Vor allem das beharrliche Verweigern der deutschen Teams aus der GFL wertet den Bewerb nicht gerade auf. Im kommenden Jahr will die EFAF sie mit der Androhung einer Geldbuße (5000 Euro) dazu bewegen mitzumachen. Es ist nur mehr fraglich ob sie das dann auch tun, oder einfach das Geld hinblättern um weiter darauf verzichten zu dürfen.

Nur drei Siege reichen im Fall der Vikings um den Titel zu holen. Dabei ist der sportliche Wert von Gegnern, wie dieses Jahr z.B. aus Spanien, schwer zu hinterfragen. Die Iberer sehen ihre Ausflüge nach Mitteleuropa mehr als Belohnung für die Mitglieder des Teams an, als ernsthaft daran zu denken die Eurobowl zu gewinnen. Die Pioniers (Gegner der Vikings im Grunddurchgang) wollten gar kein Heimmatch spielen, da sie es sich finanziell nicht leisten wollen (Bezahlung der Reisekosten für das Auswärtsteam). Die Badalona Dracs (Gegner der Raiders im Grunddurchgang) haben hier mehr Sinn für Luxus, allerdings einen Coach der zu sehr dem Alkohol zusprach und nach einem Exzeß beim Training wieder nach Hause geflogen wurde. Einige Spieler folgten dem Mann sogar. Hier ist das Wort ARMERTEURSPORT noch groß und vor allem falsch geschrieben.

Gesondert muß man den Fall der Bergamo Lions betrachten. Sie haben, bzw. hatten während dem Grunddurchgang und dem Halbfinale zwei Dual-Passport Spieler auf ihrem Roster (und am Feld) aus Ländern die es nicht gibt. British-Honduras und Eastern (American) Samoa. Sogenannte Camouflage Paßports, oder Backup-IDs, welche vorzüglich von amerikanischen Jugendlich im Internet bestellt werden um damit zu Konzerten und in Nachtlokale zu gelangen, haben scheinbar nun auch Spieler für sich entdeckt um nicht mehr als Nordamerikaner zu gelten. Football-Austria.com hat berichtet. Einer der beiden Spieler, Daniel Noble, kam gar nicht zum Finale nach Wien (laut Lions ist er verletzt), der andere legte sich wieder seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft zu. Noble wurde zudem im Herbst 2004 bei den Vikings vorstellig, wo er sich noch als Kanadier deklarierte. Gut möglich, daß auch die Lions auf diese Täuschung (Camouflage) hereingefallen sind. Mario Rende bezeichnet Noble als Staatsbürger von Belize (das Nachfolgeland von British Honduras). Ein Offizieller der EFAF mag sich aber daran erinnern beim Match der Lions gegen Stockholm den Honduras Paß von Noble in den Händen gehalten zu haben. Mit höchster Wahrscheinlichkeit haben die Lions ihre Spiele bis zum Finale mit mehr, nämlich vermutlich fünf, waschechten Nordamerikaner bestritten, welche eben keine gültigen Zweitpässe besitzen. Konsequenzen kann das nach dem Finale wahrscheinlich keine mehr haben, wobei sich die Stockholm Mean Machines und Spartiates D`Amiens zumindest mal fragen sollten gegen wen sie hier eigentlich ausgeschieden sind.

Der EFAF ist das alles nicht aufgefallen bis wir davon berichtet haben. Wobei erste Gerüchte über diese Fakes schon vor Saisonstart kursierten. Genauer zu kontrollieren fand man scheinbar nicht für notwendig, bzw. man fiel wie jeder ordinäre Türsteher einer Disco in Los Angeles auf diese Papiere herein. Akribischer geht die EFAF da schon bei der Bewirtung und Behausung ihrer Funktionäre vor. Als eine der wenigen Amateursportarten hat der europäische Footballverband ganz genau in seinen Regulativen festgehalten wie Hotel, Bewirtung und Umfeld bei ihren Auslandsreisen auszusehen haben. An stolze 105 VIP Karten an der 50 yard Linie (70 davon mit Zugang zum Buffet) hat man sich während der Finalspiele (Playoff und Eurobowl) ebenso gewöhnt, wie an die besten Hotels des Kontinents, wo man sich in der Phase aber mit nur 18 Doppelzimmer in Marriotts oder Novotels fast genügsam zeigt. Wir wollen natürlich die Honoratioren nicht auf der Straße schlafen oder gar verhungern oder verdursten lassen, allerdings scheint es uns schon so, daß man dort eher lieber Hotelkategorie Sternchen zählt, als sich darum zu kümmern, daß die ganze Liga nicht zum Witz verkommt.

Das alles zusammen erweckt einen sehr traurigen Eindruck, was den Sieg der Vikings nicht schmälern soll. Wir haben uns schon während der Halbfinalphase überlegt die Berichterstattung über die EFL einzuschränken, da wir die Liga in der Form nicht ganz ernst nehmen wollen. Allerdings wäre dies auch ein Affront gegen die Teams und vor allem gegen Trainer und Sportler gewesen und daher haben wir bis heute gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Im kommenden Jahr wird allerdings eine Eurobowl ohne deutscher Beteiligung, dafür mit Spielern aus dem Tuka-Tuka Land samt der EFAF Champagner Crew nicht mehr so arg unsere Aufmerksamkeit erwecken können wie heuer. Da sind uns die AFL, eventuell auch die GFL, auch wenn es sich "nur" um nationale Ligen handelt schon wichtiger, weil seriöser. Ein schnöder Ergebnisdienst wäre dem eigentlich angemessen gewesen und wird es 2006 dann so auch tun. Live aus dem Marriott versteht sich. Schließlich haben wir Stil.

Eurobowl XIX
Chrysler Vikings vs Bergamo Lions 29:6
(12:6/7:0/3:0/7:0)
09.07.2005, Kickoff: 14.30h, Sportklubplatz, Wien, 3000
Referees: Briggs / Nogues / Noren / Valongo / Sauer / Springwald C. / Tonkinson

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Asia Nudel Test:

Football-Austria.com MVP:
Nico Hribernik (Vikings)






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