Die Chance, daß ein österreichisches Division 1 Team ein amerikanisches NCAA Div III Team auf heimischen Boden besiegen kann ist gering. So der Volksmund, die Legende und die (realistische) Selbsteinschätzung. Wie klein der Spielraum zwischen Annahme und Tatsache ist, hat die erste Friendshipbowl zwischen den Choctaws der University of Mississippi Clinton gegen die Invaders aus Saint Polten bewiesen, wo zwar alles genau so und daher auch klar war, allerdings nur im ersten Viertel.
Für die in Nervosität eingetunkten Invaders (was kommt da auf uns zu?) begann es nur kurz nach Plan. Ein erster Sieg – der Coin Toss. Ein erstes first down – Daniel Gloimüller. Ein erster Fumble – und schon nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Weitgereisten trafen auf ein enorm schnelles und konsequentes College Team, welches heuer nur zwei ihrer Saisonspiele gewinnen konnte, daher hier einen Pflichtsieg gegen die Exoten einfahren mußte. Sie taten sich dabei mehr als schwer. Im vierten und 5 Yards zu gehen, spielen die CT’s den Versuch aus und Runningback E.J. O’Hara aus Birmingham (Alabama) erzielt den ersten Touchdown für das "Heimteam" nach 3 und einer halben Minute Spielzeit. 7-0 (PAT good). Gespielt wurde 4 x 15 Minuten. Die Invaders verloren sogleich völlig ihre Konzentration in der Offense, bzw. fanden diese gar nicht mal und gingen 3 & out = punt. Im Gegenzug konnte die Defense zwar den Drive der Amerikaner stoppen, das Fieldgoal zum 10-0 war aber nicht zu verhindern. Das verhalf der Offense nicht zu neuem Selbstbewußtsein, denn erneut waren es drei Versuche die nicht über die benötigten 10 Yards führten = punt. Die Choctaws fanden das in Ordnung, legten einen pickelharten Drive hin der zum 17-0 durch WR Clayton Stevens führte (PAT good). Das Viertel war zum Glück für die Invaders zu Ende, denn zu dem Zeitpunkt sah es gar nicht gut aus für die Niederösterreicher.
Nicht viel besser begann für sie das zweite Viertel, denn erneut ging man 3 & out und mußte punten. Das Blatt wenden konnte Bruins Leihgabe und Exil Salzburger Mario Göpfert mit einer Interception. Gregor Ryba (Baden Bruins) danach mit einem first down und Simon Bänninger (Basel Gladiators) erzielte die ersten Punkte für die Guys from Austria. 17-6 (2 Point Conversion no good). Das Team, angefeuert von einer lautstarken Marching Band, einer sehenswerten Cheerleadertruppe und einem Haufen amerikanischer Fans (keine Ahnung wo die herkamen) konnte Luft holen und ab diesem Zeitpunkt war man auch im Spiel. Wie sehr man mitten in diesem stand wurde den Jungs erst gar nicht bewußt, denn postwendend schlug es bei ihnen erneut ein. Zach Rogel, aus der schönen Stadt Natchez in MS, fing einen Paß in der Invaders Endzone und samt Extrapunkt zeigte das Scoreboard 24-6 Punkte an. Trotzdem kehrte immer mehr Ruhe in das Spiel der Invaders ein, Markus Schindele mit einem schönen first down, brachte seinem Team zwar keine weiteren Punkte, aber frisches Selbstvertrauen. 3&out again und Thomas Edwards lief schon im nächsten Spielzug zum 31-6 (PAT good) für die Chochtaws. Die Sache ist gegessen? Nicht wirklich. Die Gäste aus Österreich zeigten Moral und auch Können. First downs durch Simon Banninger und Valentin Kopatz sorgten überraschend für Konfusion bei den Amis, welche sich jede Menge Penalties einfingen. Unter anderem die eher seltene sideline interference – ein Spieler der Choctaws stellte einem Referee (unbeabsichtigt) ein Bein, welcher sogleich den Boden küßte. Dabei handelte es sich aber nicht um Christian Steiner. Der Commissioner des AFBÖ war einer der Schiedsrichter dieser Begegnung. So kam man in die Chochtaws Red Zone und QB Markus Sandler mit einem Sneak zum 31-13 (PAT good) in die Endzone. Das Ganze kurz vor dem Pausenpfiff, ein Onside Kick Versuch der Invaders landete beim Gegner, aber die Zeit rann diesen aus um noch ein Mal zuzuschlagen.
Die Halbzeitshow bestritten die beiden Cheerleader Units gemeinsam mit den Marching Bands und einer weiteren Performance Gruppe aus der Gegend (Klasse!).
Nach Wiederbeginn kassierten die Choctaws Strafen in Serie. Holding, Offside – von allen ein bißchen was. Die Invaders konnten den Drive daher rasch stoppen und das dritte Viertel sollte sogleich nur mehr ihnen gehören. Über 10 Minuten lang hielten sie den Ball in ihren Reihen. Maßgeblich dafür verantwortlich waren Valentin Kopatz (der Fullback spielte mit einem lädierten Knie), Max Seitz und Markus Sandler mit first downs, so wie eine weitere Strafe für die Choctaws (pass interference). Man ging über fast das komplette Spielfeld und bei first & Goal sah alles bereits nach einem weiteren Touchdown für die Invaders aus. Doch ein paar Yards vor der gegnerischen Endzone war auch Endstation. Man ging 4 & out und statt 31-20 waren die Choctaws im letzten Viertel wieder im Ballbesitz.
Wie wenig sie daraus machen konnten war in dem Moment schon symptomatisch für das Spiel in der zweiten Hälfte. Die Invaders hatten längst Lunte gerochen und bemerkt, daß dieser Gegner auch zu besiegen wäre für sie. Das Angriffsrecht wechselte mehrmals, die Defense beider Teams leistete ganze Arbeit und es sollte kein weiterer Touchdown mehr folgen. Dafür sehenswerte Leistungen der Verteidigung, der Höhepunkt ein QB Sack von Eduard Schindele der dem Spielmacher der Chocs kurz die Luft aus den Lungen nahm. Diese kamen ein Mal noch in Fieldgoalnähe und nutzten die Distanz zum finalen Score von 34-13 durch ihren Kicker Kyle Kruse. Bemerkenswert noch die hohe Anzahl der Strafen für das College Team. Im letzten Spielabschnitt zwei Offsides und ein Block in the back, während die Invaders im Verlauf des gesamten Spiels sagenhafte 0 Yards an Strafen kassierten.
Fazit
Das Team der Choctaws war reif zum Pflücken, nur der Bauer hat es nicht bemerkt. Die Invaders viel zu zaghaft, zu freundschaftlich und nervös, vor allem zu Beginn des Spiels. Als man bemerkte, daß der Gegner nur mit Wasser kocht, war es schon zu spät. Die größten Mankos auf Seiten der Österreicher sicher die Chancenauswertung (der Drive im 3 Quarter war ein must have TD) und zu viele Misstackles gaben dem Gegner immer wieder mehr Raum als nötig. Head Coach Eldon Cunningham sagte es bereits zuvor und sollte Recht behalten: "The difference between an Austrian Football Player and an American Football Player is: The American Player stays tackled." So war es vorher schon und so war es auch in diesem Spiel. Norman Joseph, Head Coach der Mississippi Choctaws zum Spiel. "Das war ein gutes und spannendes Spiel von beiden Seiten. Wir haben zum Abschluß der Saison alle unsere Spieler eingesetzt und abwechselnd mit drei Linien gespielt, daher konnten wir durchgehend ein hohes Tempo gehen. Den Invaders möchte ich zu der Leistung gratulieren, Coach Cunningham hat ein gutes Team nach Houston gebracht und ich bin dankbar, daß wir teilnehmen durften."
Cunningham ist nicht ganz alleine für das am Ende doch mehr als respektable Abschneiden der Invaders verantwortlich, denn auch Teilnehmer der Coaches Clinic in Saint Polten zuletzt, darunter NFL Hallo of Fame Coach Jack Pardee, haben die Invaders in der vergangenen Woche trainiert.
Nach abc waren die Invaders heute auch auf NBC zu sehen, als VIPs der Tailgate Party vor dem Reliant Stadium beim Match der Houston Texans gegen die Kansas City Chiefs. Auch darüber wird es zu gegebener Zeit noch eine Geschichte geben. In 6 Stunden geht es ab Richtung Heimat.
Friendship Bowl
UMS Clinton Choctaws vs Saint Polten Invaders 34-13
(17-0/14-13/0-0/3-0)
College Park Highschool, Houston, 600
19.11.2005, Kickoff 13:00h
Referees: US/US/Steiner/US/US/US/US

Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Texas T-Bone Test:

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