Die EFA ändert ihre Regeln mitten in der Saison. Man zieht bei den Raiders und Lions die Reissleine eines Rettungsschirms, in der Hoffnung auf eine sanfte Landung.

Zusätzlicher „I“-Import für Tirol und Prag

Um die sportliche Parität in der Liga zu stärken, hat das EFA-Ownership einer Roster-Erweiterung für die beiden schwächsten Teams zugestimmt. Sowohl die Raiders Tirol als auch die Prague Lions erhalten einen zusätzlichen sogenannten „I“-Import-Platz. Als „I“-Import (International) werden Spieler klassifiziert, die ihre Football-Entwicklung in Kanada, Mexiko, Japan oder Amerikanisch-Samoa absolviert haben.

Was im offiziellen Liga-Sprech als „Maßnahme zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ und Chance auf die neuen „BIG4 Playoffs“ in Frankfurt verkauft wird, lässt sich für Football-Österreich so übersetzen: Die Raiders bekommen einen extra Import, weil sie sportlich tief in der Krise stecken und international derzeit nicht konkurrenzfähig sind. Eine ähnliche Regelung kennt man bereits aus der AFLE, wo allerdings alle Teams Zugriff auf diese Spielerklasse haben.

Einführung von „Waiver Wire“ und neuer „W“-Klasse

Neben den Roster-Erweiterungen führt die EFA ein in Europa neues, formalisiertes Spielerverpflichtungssystem ein: den European Waiver Wire, gekoppelt mit einer neuen „W“-Import-Klassifizierung. Dieses System soll den koordinierten Wechsel von Spielern innerhalb der Liga regeln.

Das Prozedere folgt dem klassischen US-Vorbild: Das Waiver-Wire-System arbeitet in einer umgekehrten Reihenfolge basierend auf der aktuellen Tabelle. Das bedeutet, dass sportlich schwächere Teams im Keller das Erstzugriffsrecht auf frei werdende Talente auf dem Markt haben, um gezielt personell nachzubessern. Die EFA erhofft sich dadurch eine transparente und faire Verteilung von wechselwilligen Spielern im professionellen Gefüge.

Die rechtliche Realität: Ein Waiver Wire im EU-Raum?

Das Ganze kann allerdings, anders als in den USA, in Europa rechtlich gar nicht so strikt durchgesetzt werden und nur auf Freiwilligkeit basieren. Denn hierzulande gilt das Grundrecht der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das heißt in diesem Punkt ganz konkret, dass jeder EU-Bürger selbst entscheidet, wo und für wen er arbeiten will – ein Spieler kann nicht wie in Amerika gegen seinen Willen per Prioritätsliste einem beliebigen Verein zugewiesen werden.

Für Nicht-EU-Bürger stellt sich vor einem potenziellen Waiver-Prozess zudem als allererste Hürde die Frage, ob überhaupt eine aufrechte Arbeitserlaubnis und ein gültiges Visum für das jeweils angepeilte Land vorliegen. Die bürokratischen und rechtlichen Realitäten in Europa dürften das US-System in der Praxis also stark einschränken.

Weitere Reformen angekündigt

Die nun beschlossenen Anpassungen sind laut EFA erst der Anfang einer umfassenden Analyse nach der Premierensaison. Die Liga betonte, dass man das ursprünglich von der Vorgängerliga übernommene Framework schrittweise anpassen wolle, um die langfristige Stabilität und Attraktivität der EFA zu sichern. Weitere operative Änderungen und Regelanpassungen befinden sich bereits in Diskussion und sollen in den kommenden Wochen und Monaten verkündet werden.

Für die Raiders Tirol ist die Roster-Spritze jedenfalls ein dringend benötigtes Signal, um in der kommenden Saison wieder eine gewichtigere Rolle auf der europäischen Bühne spielen zu können.

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