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Kaum gewinnen sie ein Spiel, schon haben sie Oberwasser. So, oder so ähnlich kann man zumindest die Zeilen in der Pressemeldung der Steelsharks nach ihrem Kantersieg über die Knights auf der Schmelz interpretieren, in der sie sich selbst als jenes Team bezeichnen, welches in der Liga den Ton angibt. Aber da war doch was? Richtig. Bei ersten Heimspiel gab zwar auch der Gegner (Invaders) nicht den Ton an, doch die Trauner konnten vier Vierteln nur mitspielen mit der Musik und sangen am Ende das Lied vom traurigen Haifisch. Tonangebend klingt dann doch ein bißchen anders.

Verglichen mit den Bulls verhalten sich die Pressemeldungen der Steelsharks allerdings noch wie ein Ärzteroman zu den Satanischen Versen. Die Mozartstädter hauten ganz dick auf den Putz, sagten an, dass alles andere als ein Sieg über die Vikings 2 überraschend wäre und, das ist das schön Irrwitzige daran, behielten am Ende damit sogar Recht. Zwar war das 27:24 alles andere als eine klare Sache, aber auch ein Sieg drei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit ist ein Sieg. Und unverdient war das allemal nicht. Wenn der Gegner seine Extrapunkte nicht machen will, dann darf er auch verlieren.

Haimaul vs. Stiermaul
Nun treffen die zwei ‚Großmäuler‘ der Division 1 aufeinander und alles andere als ein klarer Sieg der Bulls, bei einem gleichzeitig tonangebenden Spiel der Steelsharks, wäre eine Überraschung. Sie müssen sich nur ausmachen wer wann dominiert und dann sicher siegt. Nachdem sie sich ja am Ende des Grunddurchgangs im Nachtragsspiel noch einmal treffen, schlagen wir eine Gütertrennung vor. Einmal Tonangeben, dann nicht überraschend gewinnen.

Abseits der vielen Worte, die vor allem die Lokalpresse aus ihren Löchern locken soll, sieht es wie folgt aus: Die Bulls haben sich nach der Klatsche im ersten Spiel in der dreiwöchigen Pause (!) wieder erfangen. Ihr Quarterback weiß nun, dass er sich in keiner amerikanischen Turnhalle befindet, um ein wenig ‚Catch me if you can‘ zu spielen. Er, Kevin Jackson, erledigt seine Job nun wie beauftragt und auch bezahlt.

Aus dem Wasser aufgetaucht
Der Sieg war für die Salzburger in mehrfacher Hinsicht wichtig. Das Selbstvertrauen ist gestärkt, denn der Meister wurde geschlagen. Man weiß nun, dass man es mit jedem Team aufnehmen kann und die Chance auf eine Teilnahme in der Silver Bowl lebt. Man will ja am Ende in die AFL aufsteigen, obwohl man davon seit dem 3:33 gegen die Vikings 2 im ersten Spiel nichts mehr gehört hat. Eine weitere Niederlage hätte die Bullen auch psychologisch noch weiter von diesem Traumziel weggeführt. Eventuell hätte eine solche auch personelle Konsequenzen nach sich gezogen. Kevin Jackson dürfte in Salzburg dem Vernehmen nach nicht gerade am Hungertuch nagen, daher wird folgerichtig auch Leistung verlangt.

Das ganze Team hat sich gemeinsam aus der sportlichen Krise gekämpft und dafür kann man den Salzburger durchaus Respekt zollen. Ob die Sinnkrise (AFL Ja/Nein/Vielleicht/Hab Angst) einer erkenntnistheoretischen Lösung zugeführt werden konnte, ist derzeit noch unbekannt. Man wird sehen, oder besser gesagt: es lesen.

Jaws
Mit den Gastgeber ist allerdings nicht gut Kirschen essen. Die Bulls können sich auf das beste Steelsharks-Team aller Zeiten gefasst machen, die in der Lage scheinen, jeden Gegner in dieser Liga heuer Paroli bieten zu können. Ihr Spiel gegen die Invaders hatte den gewissen Aha-Effekt (die sind nun auch dabei!), was der Auftritt in Wien gegen die Knights auch bestätigte. Der Erfolg in Traun hat viele Väter und basiert großteils auf einer erfreulichen Entwicklung des Vereins allgemein. Die Steelsharks gelten, was ihre Nachwuchsarbeit anbelangt als vorbildhaft für ein Team aus der zweiten Liga (im krassen Gegensatz zu den Bulls übrigens) und sie haben sich in den letzten Jahren stark der Ausbildung ihrer Trainer gewidmet. Dazu liest man immer noch die Handschrift des ungeliebten Ex-Trainers Jens Pfennig, der den Haien wohl mehr Beißkraft verlieh, als sie selbst es zugeben wollen und zu guter letzt hat man mit dem US-Amerikaner Brett Milke als Quarterback wohl noch ein Qualitätsprodukt aus dem Diskontladen ergattert. So steht man nun ganz anders da, als noch vor einem Jahr. Jürgen Punzenberger, Daniel Fuchs & Co sind plötzlich Offensiv-Waffen eines starken Kollektivs.

Daher kann man davon ausgehen, dass es in der Begegnung zu einem ähnlichen Thriller wie beim Spiel der Steelsharks gegen die Invaders kommt. Generell darf sich der Fan des Zweitliga-Footballs auf noch viele spannenden Spiele freuen, denn auch die Vikings 2 sind zu schlagen, wie man letzte Woche gesehen hat.

Division 1
1.QT
2. QT
3. QT
4. QT
TOTAL
SSH vs. BUL
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26. April 08 | 15:00
Stadion Traun | Traun
Officials: Albrecht / Kreimel / Koller F. / Koller E. / Bauer

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Wenn von vielen spannenden Spielen die Rede ist, dann ist man nach den bisherigen Ergebnissen fast dazu geneigt jene der Knights dabei auszuklammern. Die Wiener haben ein Problem und vermutlich wissen sie selbst nicht ganz genau woran es hapert. Die bisherige Bilanz ist ernüchternd: Drei Spiele, drei Niederlagen bei 21 erzielten zu 128 erhaltenen Punkten. Nach Wertung gemäß § 11 Ziffer 10 der WSO 2007 sieht das mit 21:117 nicht viel besser aus. Übrigens: es wird nach wie vor nach der WSO des Vorjahres gespielt. Lassen Sie sich von Einblendungen auf manchen Team-Homepages nicht täuschen – die WSO 2008 ist derzeit nicht in Kraft!

Wenn man nach Ursachen für die Misere der Vienna Knights sucht, wird man so recht nicht fündig. Die Vereinsstrukturen und der Vorstand wirken intakt. Die Coaches (sechs an der Zahl) arbeiten, die Trainingsbeteiligung scheint recht vernünftig. Einzelne Talente verlassen zwar den Verein Richtung Großklubs – auch mitten in der Saison, wie zuletzt Denis Kustanci zu den Vikings, bezeichnender Weise kurz nach dem Camp des Junioren-Nationalteams – allerdings gewinnt man auch immer wieder Spieler, wie den Ex-Dragon Jürgen Hablas, hinzu.

Lieb sein
Das einzige was man dem Klub vielleicht als Manko ankreiden kann, ist dessen Beliebigkeit. Die Knights sind einfach nett. Zu nett für unseren Geschmack. Eine Mannschaft ohne Ecken und Kanten und anscheinend oder nur scheinbar ohne den Siegeswillen ausgestattet, der die anderen vier Kontrahenten auszeichnet. Will ein Spieler mitten in der Saison gehen, läßt man ihn ziehen. Das kann man so (wir legen niemanden Steine in den Weg) oder so (wir lassen uns nicht zur Saisonmitte personell schwächen) sehen. Der bekannte Galgenhumor ihres Präsidenten tut sein Übriges. Dessen dunkelgrauen Witze sind zwar nicht selten sehr feinsinnig, aber er muss sie viel zu oft auspacken, als das man darüber noch lachen mag. Mit dem Schaden geht auch (z.B. hier in postings) der Spott einher. Da hilft es auch wenig, wenn man eigentlich eh zu den ‚Guten‘ gehört, mit Trainern, mit Sportzentrum, mit Strukturen, mit Nachwuchsarbeit.

In Wien-Fünfhaus müssen sich die Ritter daher langsam, aber doch ziemlich sicher, gedanklich auf die Relegation vorbereiten, außer es passiert noch ein Wunder.

Schlechte Vorzeichen
Jenes vom Ottakringer-Field zu St. Pölten würde sich da anbieten, wo sie am kommenden Samstag zu Gast bei den Generali Invaders sind. Die Vorzeichen dafür stehen aber denkbar schlecht. Die Invaders sind das einzig ungeschlagene Team der Division 1, die Knights das einzige ohne Sieg. Das Hinspiel verloren die Ritter deutlich auf der Schmelz. Eine Wiederholung des Siegs von 2007, wo man die Invaders am falschen Fuß erwischte und kurzerhand mit einer Niederlage vom Prater wieder heimschickte, scheint beinahe ausgeschlossen.

Für die Wiener mag sprechen, dass sich die Niederösterreicher voranging um ihren Gameday kümmern und vielleicht weniger um den Gegner. Das wäre aber schon alles. Die Rotgoldenen wollen zum Auftakt ein Spektakel präsentieren. Neue Tribüne, neue Bars, neue Attraktionen – kommt und schaut Football in Niederösterreichs Landeshauptstadt. Der Sieg über die Knights ist im Konzept ‚Gameday‘ fix eingeplant. Er muss nur noch eingefahren werden.

Keine Amstettener
‚Vergessen‘ zu erwähnen haben die Invaders übrigens (man hat ja viel zu tun), dass kein einziger der Spieler, die sie in zig Pressemeldungen als Zugänge von den Amstetten Thunder präsentierten, nun bei tatsächlich ihnen auch spielt. Es gingen alle wieder zu Amstetten zurück, bzw. wird Andreas Illich operiert und daher heuer überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Die Invaders meinen, die Thunder hätten ihnen die Freigabe verweigert, die Amstettener sehen das so, dass die Spieler ‚reumütig retour‘ kamen. Wie auch immer, wäre auch das eine Erwähnung wert gewesen, weil man ja sonst auch aus jedem Handtuchsponsor ein große Geschichte konstruiert.

Danke an die Bulls
General Manager Rene Grohs zeigte sich nicht nur einsichtig was die Unterschlagung der nun doch nicht Zugänge betrifft, sondern auch froh über die Entwicklung der Division 1. ‚Ja, die Spieler sind nicht dabei. Damit müssen wir leben, denn die Amstettener haben ihnen die Freigabe verweigert. Dass die Bulls die Vikings 2 geschlagen haben, dafür müssen ihnen eigentlich alle in der Liga dankbar sein. Die Division 1 wird dadurch noch viel interessanter. Das hat natürlich auch für uns den angenehmen Nebeneffekt, dass wir uns mit einem dritten Sieg in Folge ganz vorne plazieren können. Ziel ist am Ende eine Teilnahmen in der Silver Bowl, die ja in St. Pölten ausgespielt wird. Wir streben natürlich auch das Heimrecht im Playoff an und wähnen uns da derzeit auf einen guten Weg dahin. Am Samstag wird unsere neuer Gameday Premiere feiern. Wir haben auch hier ehrgeizige Ziele.‘

Eines davon sind laut NÖN St. Pölten 1.000 Zuschauer am Invaders bzw. Ottakringer Field. Die Marke will man noch heuer durchbrechen, dafür rührt man in der Stadt auch kräftig die Werbetrommel. Bei der Erreichung des ersten sportlichen Ziels, dem Playoff im eigenen Stadion, könnte der Auswärtssieg gegen die Steelsharks für die Invaders noch Gold wert sein. Das alles werden wir in den nächsten Wochen wissen. Die Division 1 ist heuer jedenfalls, auch wenn zwei wichtige Teams mit den Gladiators und Wolves fehlen, so spannend wie selten zuvor.

Division 1
1.QT
2. QT
3. QT
4. QT
TOTAL
INV vs. KNI
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26. April 08 | 15:00
Ottakringer Field | St. Pölten
Officials: Steiner / Müllner / Ulicny / Ladinig / Kupka
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