Die St. Pölten Invaders sind lustig. Sagen sie zumindest selbst. Und vor lauter Heiterkeit schrecken sie auch nicht vor Diebstahl zurück. Bei der Austrian Bowl als VIP Gäste getarnt, haben sie eben dort fette Beute in Form eines Strohhuts gemacht. Nicht etwa um damit den vermissten Inhalt mancher Köpfe zu füllen, sondern um das Sommerloch auf ihrer Webseite mit Stroh zu stopfen. Der Hut soll nun dem Feuer geopfert werden.
Ritual de la habitual also in der Landeshauptstadt Niederösterreichs.
Die Saison der Invaders durchwachsen zu nennen wäre ein glatte Untertreibung. Bereits im ersten Match am 2. April (!) bewiesen die Niederösterreicher Sinn für Humor. Am Pepsi Field zu Baden ließ Headcoach Eldon Cunningham, mit Hinweis auf die NCAA Regeln, kurzerhand das Team Zelt der Baden Bruins abmontieren, da sein Team kein solches bekam. Martin Altbart nahm das belustigt zur Kenntnis, sein Team bestrafte die Gäste danach mit einer knüppelharten, weil sehr knappen, 12:8 Auswärtsniederlage.
Es folgte die erste Überraschung. Begünstigt durch die Verletzung des Salzburg Bulls Quarterbacks Andreas Diwald, kam man zu einem 36:26 Auswärtssieg gegen den Mitfavoriten und späteren Finalteilnehmer aus Salzburg. Danach setzte es abermals Hiebe. Sowohl die Steelsharks als auch die Chrysler Vikings 2 fügten den Rot-Goldenen zwei schmerzvolle Heimniederlagen zu. Vor allem die Vikings 2 zeigten den Invaders ihre Grenzen auf. Das 18:55 am Glanzstoffplatz sah damals schon stark nach einem Ende der Playoff Träume aus.
Cunningham sagte nach diesem Match: „Die Invaders sind wie eine verschleppte Grippe. So schnell wirst du sie nicht los.“ Er sollte Recht behalten, denn auch im zweiten Match konnten sich die Niederösterreicher glücklich mit 14:12 gegen infizierte Bulls durchsetzen. Im letzten Match des Grunddurchgangs musste man die Steelsharks aus Traun besiegen um noch unverhofft das Halbfinale zu erreichen. Mit einem 28:15 Auswärtssieg gelang das auf eine eindrucksvolle Weise, alle anderen Teams spielten mit und so standen die Invaders zur Überraschung vieler in den Playoffs zur Silverbowl.
Das Halbfinale gegen die Vikings 2 geriet dann zum Politikum. Die Vikings 2 deklarierten sich zum ursprünglich angesetzten Termin am 18. Juni inoffiziell als spielunfähig, wollten eine Verschiebung um eine Woche. Die Invaders lehnten diese ab, der Verband entschied aber zu Gunsten der Wiener und so ging das Halbfinale am 25. Juni auf der Schmelz über die Bühne. Ein Match an jenes sich vor allem die Wikinger noch lange erinnern werden. Zur Halbzeit führten die Invaders mit 19:18.
Nur mit allerletztem Einsatz und mit Hilfe zweier umstrittener Schiedsrichternetscheidungen konnten die Wikinger einen 40:33 Sieg über die Zeit retten. Alle Prognosen, die St. Pöltner würden nach der ersten Halbzeit konditionell eingehen, bewahrheiteten sich nicht. Vielmehr kostete die Hitzeschlacht den Spielern der Vikings 2 viel Substanz, so sie Tags darauf ihr Match in Hohenems mit den Vikings I, wo manche ein klimatisches Deja vu erlebten, fast verloren hätten.
Die Invaders feierten diese Niederlage nicht wie einen Sieg, gehen nun aber trotzdem recht zufrieden in die lange Footballpause. Coach Eldon Cunningham organisierte vor der Saison eine aufsehenerregende Coaches Clinic, im Spätsommer wollen die Niederösterreicher eventuell zu einem Testmatch nach Austin/Texas (USA) reisen.
Am Samstag ab 17:00 Uhr feiern die Invaders ihre End of Season Party unter freiem Himmel am Glanzstoffplatz in St. Pölten. Ein Fest welches es sicher in sich haben wird und daher auch als strongly recommended by gilt.
Neben Grill- und Cocktailspezialitäten werden auch die Season Awards an Spieler und Coaches vergeben, darunter aber auch der Award für die most improved media platform, wie uns verraten wurde. Eventuell gibt es diesmal statt dem Award auch einen Strohhut.
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