Weiters bietet Football-USA auch diese Woche wieder kräftig durchgeschüttelte Power Rankings.
Thema der Woche

Versetzen Sie sich in folgende Situation, die sich während der Spiele der Woche 7 zutrug. Vor den Augen der Football-USA Redakteure spielt sich gerade eines der spannendsten Spiele der jüngeren Vergangenheit ab. Pittsburgh und Atlanta hatten sich einen erbitterten Kampf geliefert, die Führung war bereits sechsmal hin- und hergewechselt, dennoch hatte Atlanta, kurz vor Schluss der regulären Spielzeit, die Chance die Partie durch ein 56 Yard Field Goal zu entscheiden.

Als rundum informierter Footballfan will man allerdings auch über die Geschehnisse auf den anderen Plätzen der Liga informiert sein. Deswegen liefert der PC nebenbei auch ständig aktualisierte Infos zu Spielständen, Statistiken und Entwicklungen des aktuellen Spielstags. Diese werden meist von einer befreundeten Person verlautbart, nennen wir diese Person den ‚Statistiker‚.

Jedenfalls hatte das Spiel mittlerweile den absoluten Höhepunkt erreicht. Die Atmosphäre im Georgia Dome und auf dem heimischen Sofa hätte angespannter nicht sein können. Die Stimmung schlug bei uns aber aus anderen Gründen hohe Wogen. Falcons Kicker Michael Koenen war gerade im Begriff das entscheidende Field Goal zu schießen als der Statistiker etwas einzuwerfen hatte: ‚Wow, Joey Harrington hat für 414 Yards gepasst.‚ Im Prinzip eine nette Aussage, nur zum völlig falschen Zeitpunkt und zur völlig falschen Thematik.

Was interessieren einen Joey Harrington, ein Firstround Bust der allerersten Güte, und seine inferioren Leistungen, wenn Miami trotzdem verloren hat (24:34-Niederlage der Dolphins gegen Green Bay). Noch dazu, wenn sich vor unseren Augen gerade eine der denkwürdigsten Partien der Saison abspielt. Maßloses Unverständnis gepaart mit einer verbalen Abreibung vom Football-USA Team waren da nur die logische Konsequenz. Es scheint fast überflüssig zu erwähnen, dass der Statistiker begeisterter Fantasy Football Spieler ist.
Für Football-USA Grund genug auf das Phänomen und Problem Fantasy Football genauer einzugehen.

Um es jedoch vorwegzunehmen, auch ich spiele Fantasy Football. Auch ich versuche schon seit drei Jahren Woche für Woche die bestmöglichste Mannschaft zusammenzustellen, um am Ende ein wenig Ruhm und Ehre in Form eines Ligasiegs ergattern zu können. Aber diese Saison wird der Autor von bestimmten Dingen doch äußerst nachdenklich gestimmt.

  • Leistung

Wie kann die Leistung eines Spielers bemessen werden? War ein Spieler herausragend, wenn er (wie eben Joey Harrington) 414 Yards und 2 TDs erzielt und sein Team trotzdem verliert? Für Fantasy Spieler sicherlich, für Fans des Sports keineswegs. War ein Spieler wichtig, wenn er mit einem 5 Yard Catch kurz vor Schluss das entscheidende First Down für ein anschließendes Field Goal erzielt? Keineswegs für Fantasy Spieler, sicherlich aber für Football Fans.

  • Spiele(r)

Die Folgen für die Spiele sind gravierend. Manche Fantasy Fanatiker sehen vor lauter Bäumen gar keinen Wald mehr. Eine durchdachte Angriffsserie, ein ausgeklügelter Gameplan scheinen nur mehr wenige zu interessieren. Der Fokus liegt einzig und allein auf den Spielern, die im eigenen Aufgebot stehen. Das Drumherum verliert dramatisch an Bedeutung.

  • Balance

Jeder NFL-Neuling, jeder Fantasy Football Spieler kennt die wichtigsten Offensivspieler der Liga. Peyton Manning, LaDainian Tomlinson und Terrell Owens sind jedermann ein Begriff. Doch was ist mit den Defensivspielern? Wo spielen beispielsweise DT Fred Robbins, DE Jared Allen, LB Lance Briggs oder SS Donovin Darius (die Lösung finden Sie in der Fotoleiste)? Eine Defense kann oftmals nur als Ganzes gespielt werden, ohne die wirklichen Stars auf dieser Seite des Balles kennen zu lernen. Schon ein wenig unfair, dass einem so die mitunter besten Spieler einer Mannschaft verborgen bleiben können. Zumal es noch immer heißt: "Defense wins championships".

  • Loyalität

Ein altbekanntes Problem. Angenommen, dass der Spieler ein großer Fan der Vikings ist, auf seinem Roster allerdings Brett Favre spielen muss. Was dann? Hofft er tatsächlich, dass er mit Hilfe von Favre die Partie für sich entscheiden kann? Auch wenn sein eigenes Team eine bittere Divisionsniederlage einstecken könnte?

  • Frustration

Wie wäre es, wenn man sich nurmehr über die (tatsächliche) Niederlage des eigenen Teams ärgern und nicht mehr unnötige Energie über falsche Aufstellungen, überflüssige Trades und nutzlose Pickups verschwenden müsste.

Verstehen sie den Autor bitte nicht falsch. Fantasy Football ist eine willkommene Ergänzung zur NFL, allerdings stellt sich ab einem bestimmten Punkt zwangsläufig die Frage, welcher Sache eine höhere Priorität zugemessen wird. Führt man sich die Spiele zu Gemüte, weil es sich um den eindeutig packendsten und interessantesten Sport dieses Planeten handelt, oder einfach nur um fieberhaft Touchdowns, Ballverluste und Fantasy Punkte der eigenen Protagonisten zählen zu können.

Bei zahlreichen ‚Fans‘ scheint letzteres der Fall zu sein. Schade eigentlich. Sie wissen nicht, was ihnen währenddessen alles entgeht.

Power Rankings

Elite Eight

1. Chicago Bears (Vorwoche: 1)
Kalender raus, den 12. November dick anstreichen und am 13. November blau machen. Das nächste ORF Live-Spiel (Bears gegen NY Giants) wird ein absoluter Kracher.

2. Indianapolis Colts (2)
So viel zum Thema ‚beste Defense der Liga‘. Eine Defense kann sich wohl erst mit dem Attribut ‚beste‘ schmücken, wenn sie es geschafft hat einen Peyton Manning schlecht aussehen zu lassen. Außer New England ist das noch keiner anderen Mannschaft so richtig gelungen. Für die Jungs von Denver heißt es jedenfalls Nachsitzen und beim nächsten Mal besser machen. Dürfte allerdings auch nicht allzu schwer werden, viel schlechter geht es kaum mehr.

3. New England Patriots (4)
Selten hat ein Team, das so gut spielt, so wenig Aufsehen erregt. Der Sieg im Monday Night Spiel gegen Minnesota war der letzte Beweis dafür, dass mit den Patriots wieder bzw. immer noch zu rechnen ist. QB Tom Bradys imposante Performance war da nur das Sahnehäubchen auf eine solide Teamleistung.

4. New York Giants (5)
Sofern Sie es schon wieder vergessen haben sollten. Montag früh, 01.55 Uhr, Chicago gegen New York. Bier und Knabbersachen nicht vergessen!

5. San Diego Chargers (-)
Die Superlative scheint kein Ende zu nehmen. Mit 240 Total Yards und drei TDs gegen St. Louis rechtfertigte LaDainian Tomlinson einmal mehr seinen Anspruch einer der besten Spieler aller Zeiten zu werden. Das ganze in seinem erst sechsten Ligajahr. Football-USA verbeugt sich ehrfürchtig.

6. Denver Broncos (3)
Typisch Broncos. Ein gutes Team, das die großen Spiele nicht gewinnen kann. Das war vergangenen Januar so (Niederlage im AFC Championship Game gegen Pittsburgh), das war auch am vergangenen Sonntag gegen Indianapolis der Fall. Beide Male verlor Denver übrigens im heimischen Invesco Field.

7. Atlanta Falcons (-)
Die Kritiker sind erstaunt, die Fans begeistert. Michael Vick scheint seine Rolle als Quarterback nun auch tatsächlich wahrzunehmen. Sieben Passing Touchdown bei zwei Interceptions aus den letzten zwei Spielen sind ein eindrucksvolles Zeugnis.

8. Baltimore Ravens (-)
Der Bann ist endlich gebrochen. Die Festung Louisiana Superdome wurde von den Ravens eindrucksvoll gestürmt. HC Brian ‚the brain‘ Billick scheint in Sachen Play Calling nichts verlernt zu haben (Billickt hatte während der Bye Week seinen Freund und OC Jim Fassel gefeuert und wird für den Rest der Saison das Play Calling übernehmen, Anm.).

Team on the Rise: Dallas Cowboys
Himmel, Hölle und (vielleicht) wieder zurück. Vom Superbowl-Aspiranten zum Kellerkind und mit dem neuen Starting QB Tony Romo (vielleicht) bald wieder zurück in den Kampf um die Playoffplätze. Der zweite Rang in der NFC East ist zumindest ein guter Ausgangspunkt um der neuen Zielsetzung gerecht zu werden.

Terrible Three

1. Arizona Cardinals (Vorwoche: 2)
Eines von drei Teams mit nur einem Sieg. Wenig verwunderlich, dass sich auch alle drei in den ‚Terrible Three‘ wieder finden. Die Reihung erfolgt allerdings nicht unbedingt nach rationalem Urteil, eher nach dem Bauchgefühl. Chronischer Durchfall trifft es bei den Cards im Moment ganz gut.

2. Miami Dolphins (3)
Was wünscht man sich nach der Bye Week sehnlicher als ein Duell mit dem Primus der NFC, den Chicago Bears? Starke Magenkrämpfe dürften bei QB Joey Harrington schon vorprogrammiert sein, wenn er an den unerbittlichen Pass Rush der Bears Defensive denkt.

3. Detroit Lions (-)
Die Lions müssen nach ihrer spielfreien Woche die schwere Reise nach Atlanta antreten. Dass es im Georgia Dome mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts zu holen geben wird, dürfte ebenso einleuchten, wie das flaue Gefühl im Magen, das sich beim Betrachten der Spiele von Detroit breit macht.

Fantasy Update

Sofern er denn jemals welche gehabt hat, würde der Autor dieser Zeilen wohl auch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn bei dem gewählten Thema der Woche auch noch Fantasy Tipps für die kommenden Spiele abgegeben werden würden. Vielleicht besinnt er sich bis zur nächsten Woche eines Besseren.

Watch (out) this Sunday
Patriots HC Bill Bellichick ist der ungekrönte Meister der ‚Mind Games‘. Auch wenn Manning letzten November endlich in Foxboro gewinnen konnte, erinnern sich hoffentlich alle noch an seine miserablen Leistungen in den Playoffs der Jahre 2003 und 2004. Am Sonntagabend kommt es im Gillette Stadium erneut zum Showdown der beiden Powerhouses. Manning und Brady konnten am letzten Wochenende für insgesamt 717 Yards und sieben TDs passen. Man ist versucht zu glauben, dass sich die Fans nun auf ein Offensivfeuerwerk einstellen können. Die Partie wird allerdings durch die bessere Defensivleistung entschieden werden. Man darf gespannt sein, ob sich Manning an der unberechenbaren Verteidigung der Patrioten einmal mehr die Zähne ausbeißen wird.

Nächste Woche in ‚An jedem verdammten Mittwoch‘
Football-USA versucht ein letztes Mal das ursprünglich geplante Thema der letzten beiden Ausgaben von "An jedem verdammten Mittwoch" aufzugreifen. Sollte es in einer Woche wiederum nicht klappen, wird der Gefahr eines Running Gags vorgebeugt und das Thema auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Im Gegensatz dazu sind die Power Rankings, Fantasy Football und Wochenendtipps einmal mehr fixer Bestandteil der allwöchentlichen NFL-Kolumne.

Bis dahin sind Lob und Kritik, Wünsche und Anregungen, sowie Fragen aller Art an die unten angeführte Adresse wie immer stets willkommen.

Martin Pfanner ([email protected])

Ergebnisse

Sunday, October 29, 2006
Baltimore 35, New Orleans 22
Kansas City 35, Seattle 28
Green Bay 31, Arizona 14
Atlanta 29, Cincinnati 27
Chicago 41, San Francisco 10
Jacksonville 13, Philadelphia 6
Tennessee 28, Houston 22
NY Giants 17, Tampa Bay 3
San Diego 38, St. Louis 24
Oakland 20, Pittsburgh 13
Indianapolis 34, Denver 31
Cleveland 20, NY Jets 13

Monday, October 30, 2006
New England 31, Minnesota 7

Power Rankings

Elite Eight
1. Chicago Bears 7-0
2. Indianapolis Colts 7-0
3. New England Patriots 6-1
4. New York Giants 5-2
5. San Diego Chargers 5-2
6. Denver Broncos 5-2
7. Atlanta Falcons 5-2
8. Baltimore Ravens 5-2

Team on the Rise
Dallas Cowboys

Terrible Three
1. Arizona Cardinals 1-7
2. Miami Dolphins 1-6
3. Detroit Lions 1-6

Termine

Sunday, November 5, 2006
Atlanta at Detroit 1:00 p.m.
Cincinnati at Baltimore 1:00 p.m.
Dallas at Washington 1:00 p.m.
Green Bay at Buffalo 1:00 p.m.
Houston at N.Y. Giants 1:00 p.m.
Kansas City at St. Louis 1:00 p.m.
Miami at Chicago 1:00 p.m.
New Orleans at Tampa Bay 1:00 p.m.
Tennessee at Jacksonville 1:00 p.m.
Minnesota at San Francisco 4:05 p.m.
Cleveland at San Diego 4:15 p.m.
Denver at Pittsburgh 4:15 p.m.
Indianapolis at New England 8:15 p.m.

Monday, November 6, 2006
Oakland at Seattle 8:30 p.m.

alle Beginnzeiten sind in Eastern Time
(Österreich: +6 Stunden) angegeben

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