Darum gibt es zumindest in der aktuellen Ausgabe von ‚An jedem verdammten Mittwoch‘, neben kräftig durchgeschüttelten Power Rankings, zur Wahl der größten Überraschungen der laufenden NFL-Saison auch zahlreiche Richtigstellungen.
Gott sei Dank hat die politische Schlammschlacht mit dem vergangenen Sonntag (vorerst) ein Ende genommen. Es wurde gewählt. Die Spekulationen haben endlich ein Ende und die Regierungsbildung kann beginnen. Während bei den einen Parteien über das jeweils erzielte Ergebnis ausgelassene Freude herrscht, werden in anderen Lagern die Wunden geleckt. Ganz ähnlich verhält es sich im Moment auch in der NFL, denn das erste Viertel der Saison ist absolviert. Überschwängliche Freude, aber auch Wundenlecken steht dort, wie in der österreichischen Politik, auf der Tagesordnung.

Wie üblich griffen die Meinungsforscher bei ihren (Wahl-)Prognosen wieder gehörig in den Mist. Dieses Phänomen ereilte aber auch Football-USA im Zuge der NFL Previews. Getreu dem Motto ‚Nobody’s perfect‘ werden nun nach vier Wochen der Überraschungsspieler in der Offensive bzw. der Defensive, das Überraschungsteam der AFC bzw. NFC, sowie die größten Enttäuschungen, in einer nicht gerade demokratischen, dafür aber aussagekräftigen, Wahl ermittelt.

Überraschungsspieler (Offense): Chicago QB Rex Grossmann
Football-USA meinte: ‚Mit QB Brian Griese gibt es nun eine ernstzunehmende Alternative für Grossmann. Speziell das Duell auf der QB Position gilt es deshalb zu beachten, da es laut Head Coach eine offene Competition zwischen Grossmann und Griese geben wird.‘

Football-USA revidiert: Der Junge musste sich einiges anhören. Er sei zu verletzungsanfällig, er sei nur ein weiterer Lückenfüller auf Chicagos Suche nach einem wahren Franchise QB. Doch urplötzlich scheinen die Bears aber fündig geworden zu sein. Grossmann ist der erste Bears QB überhaupt, der zum Offensivspieler des Monats gewählt wurde. Sein überragendes Spiel (Passer Rating von 100,8) ist mit ein Grund, dass die Bären mit einer makellosen Bilanz von 4-0 aus den Startlöchern kommen konnten. Sein potentieller Ersatz, Brian Griese, wird deshalb noch lange auf der Bank schmoren.

Überraschungsspieler (Defense): Baltimore LB Ray Lewis
Football-USA meinte: ‚Die Defensive der Raben war vor wenigen Jahren noch das Aushängeschild der gesamten Liga. Ein langsam älter werdender Anführer mit LB Ray Lewis (31), der Verlust von zwei Defensive Coordinators in drei Jahren (Marvin Lewis als Head Coach zu Cincinnati, Mike Nolan als Head Coach zu San Francisco), sowie die damit verbundene oftmalige Umstellung des Defensivschemas zollen langsam aber sich ihren Tribut.‘

Football-USA revidiert: Stellvertretend für die Leistung der gesamten Defensive geht diese Auszeichnung an Ray Lewis. Der vielgescholtene Middle Linebacker spielt in seiner elften NFL-Saison überragenden Football. Medienvertreter werden sich in Zukunft hüten Worte wie ‚Past his prime‘ oder ‚Too old to play‘ im Zusammenhang mit Lewis in den Mund zu nehmen.

Überraschungsteam (AFC): Baltimore Ravens
Football-USA meinte: ‚Furcht dürfte Billick dann auch spüren, wenn er dem Management erklären muss, warum es 2006 wiederum nicht (für die Playoffs) gereicht hat.‘

Football-USA revidiert: Head Coach Billick sind mit Sicherheit tonnenweise Steine vom Herz gefallen sein. Die Ravens spielen überragende Defense und stellen, von QB Steve McNair angeführt, eine solide Offense. Als eines von lediglich drei ungeschlagenen Teams darf ‚The brain‘ sich für die geleistete Arbeit mit guten Gewissen selbst auf die Schulter klopfen.

Überraschungsteam (NFC): New Orleans Saints
Football-USA meinte: ‚Die chronisch erfolglose Franchise, mit mickrigen zwei Divisiontiteln seit der Gründung im Jahr 1967, wird noch ein paar Jahre brauchen um wieder vollends konkurrenzfähig zu sein. Der Schnitt von Sean Payton war zwar richtig, aber zu radikal um bereits in seinem ersten Jahr hohe Erwartungen an das Team zu stellen.‘

Football-USA revidiert: Vier Spiele und nur eine Niederlage hätten wohl nur eingefleischte Fans der Saints vorhergesagt. Das Team befindet sich nach Hurrikan Katrina auf einer Mission, und spielt auch so. Das zur Verfügung stehende Personal ist bis auf QB Brees und die RBs Bush und McAllister nicht unbedingt spektakulär. Die Spieler gehen dafür auf dem Platz bis an ihre Leistungsgrenze und zerfleischen sich zum Wohl der eigenen Mannschaft. Der Lohn ist eine 3-1-Bilanz und der geteilte erste Platz in der starken NFC South.

Größte Enttäuschung (Spieler): Denver QB Jake Plummer
Football-USA meinte: QB Jake ‚the snake‘ Plummer spielte 2005 sehr effektiv und konnte im Gegensatz zur vorvergangenen Spielzeit seine Fehlerquote drastisch minimieren (statt 20 nur noch sieben Interceptions). Mit WR Javon Walker bekam er, neben WR Rod Smith endlich eine zweite, sichere Anspielstation, die ihn möglicherweise zu neuen Höchstleistungen pushen kann.

Football-USA revidiert: Höchstleistung ja, allerdings nicht im positiven Sinne. Fünf Ballverluste in drei Spielen sind angesichts des gewaltigen Offensivtalents rund um Plummer zu viel. Sein kümmerliches Rating von 60,6 bedeutet den abgeschlagenen 28. Platz unter allen Starting QBs. Kein Wunder, dass Rookie QB Jay Cutler zum beliebtesten Kameramotiv bei Spielen der Denver Broncos zählt.

Größte Enttäuschung (Team): Miami Dolphins
Football-USA meinte: ‚Mit Gus Frerotte als Quarterback neun Siege zu erringen mutet so absurd an wie mit Ex-Teamtorwart und Fliegenfänger Alexander Manninger ein Elfmeterschießen zu gewinnen. Hut ab vor Nick Saban und seinen Mannen. Auch die in der Offseason getroffenen Entscheidungen wirken wohlüberlegt. Free Agency und Draft waren durchaus erfolgreich und lassen Fans in Miami von dem ersten Divisionstitel seit 2000 träumen.‘

Football-USA revidiert: Der Gedanke, dass Daunte Culpepper der erste legitime Nachfolger von Dan Marino werden könnte, erwies sich als ebenso falsch, wie der Anspruch der Delfine auf die Vormachtstellung in der AFC East. Vor allem die jüngste Niederlage gegen Houston zementiert den Status als negative Überraschung des ersten Saisonviertels.


Power Rankingss

Elite Eight

1. Chicago Bears (Vorwoche: 2)
Ursprünglich wären die Colts nur durch eine Niederlage von der Spitzenposition zu verdrängen gewesen. Ein Gedankenexperiment tat diesem Vorsatz allerdings einen Abbruch. ‚Wer würde beim Spiel Chicago gegen Indianapolis auf neutralem Boden als Sieger vom Platz gehen?‘ Antwort: Chicago. Logische Konsequenz: Platz 1 bei den ‚Elite Eight‘.

2. Indianapolis Colts (1)
Peyton Mannings Rushing TD kurz vor Ende des Spiels verhinderte eine faustdicke Überraschung. Für ein Team mit Superbowl-Ambitionen ließen sich die Colts viel zu häufig von den Jets düpieren. Besonders die Special Teams von Indianapolis fielen mit einem abgegebenen Kickoff Return-TD und einem recoverten Onside Kick der Jets negativ ins Gewicht.

3. Baltimore Ravens (5)
Mit dem Last-Minute-Sieg gegen San Diego haben die Ravens gezeigt, dass sie auch ein Spitzenteam schlagen können. In den kommenden zwei Wochen (at Denver, Carolina) dürfen sie das gleich noch einmal unter Beweis stellen.

4. San Diego Chargers (4)
Es ist keine Schande, wenn dieser Tage ein Spiel gegen Baltimore verloren geht. Es ist schon eher eine Schande, dass HC Marty Schottenheimer mit fragwürdigen Entscheidungen den sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben hat. Etwas Ähnliches muss in der Nacht von Sonntag auf Montag (01.50 LIVE auf ORF 1) gegen die Pittsburgh Steelers unbedingt verhindert werden.

5. Atlanta Falcons (-)
Der fünfbeste Rusher der gesamten NFL heißt Michael Vick. Wenn Vick so weiterläuft wie bisher muss er nie gut werfen können. Wenn die Defense der Falcons dann noch so weiterspielt, müssen sich die Falken wenig Sorgen um den Playoff-Einzug machen.

6. Philadelphia Eagles (-)
QB Donovan McNabb ist wieder ganz der Alte. Beim überzeugenden 31:9 Sieg seiner Eagles über die Packers sorgte er für für 4 TDs (zwei Rushing und zwei Passing TDs) und damit quasi im Alleingang für den Erfolg seiner Adler. Gegen Dallas sollte er allerdings auf die Hilfe vom angeschlagenen RB Brian Westbrook zurückgreifen können. Ansonsten könnte der Aufenthalt von Philadelphia bei den Elite Eight nur von kurzer Dauer gewesen sein.

7. New England Patriots (-)
Never doubt Bill Belichick. Immer wenn die New England Patriots scheinbar am Boden liegen (beispielsweise nach der 17:7-Niederlage gegen Denver) melden sie sich mit einer überzeugenden Leistung zurück. Das geschah dann auch am Sonntag in Cincinnati als Tom Brady und Rookie RB Laurence Maroney die Bengals beim 38:13-Sieg eigenhändig demontierten. So hat New England seit nunmehr 64 Spielen nicht mehr zwei Partien in Folge verloren.

8. Carolina Panthers (-)
Die Statistik der Woche lautet folgendermaßen: Bilanz der Panthers ohne WR Steve Smith: 0-2 Bilanz der Panthers mit Steve Smith: 2-0. Unglaublich, wie wichtig ein einziger Spieler (ausgenommen sind Quarterbacks) für das Abschneiden eines Teams sein kann.

Team on the Rise: St. Louis Rams
Heimlich still und leise mausern sich die Rams zu einem ernstzunehmenden Gegner. Mit drei Siegen und nur einer Niederlage liegen die Rammböcke momentan gleichauf mit den Seattle Seahawks auf Platz 1 der NFC West. In zwei Wochen bietet sich dann auch gleich die Möglichkeit dem amtierenden NFC-Champion im eigenen Dome eine Niederlage zuzufügen.

Terrible Three

1. Oakland Raiders (Vorwoche: 1)
Immerhin konnten die Raiders am Sonntag ihre ersten drei TDs der Saison erzielen. Auch wenn der Gegner Cleveland hieß, gab die Offense damit ein kleines Lebenszeichen von sich. Wer allerdings einen 21 Punkte Vorsprung vergibt, muss sich auch weiterhin mit dem ersten Platz bei den ‚Terrible Three‘ anfreunden.

2. Tennessee Titans (2)
Die Ära des Vince Young hat nun also begonnen. Mit einer herben Klatsche gegen die Cowboys. Seine Zahlen beim Einstand als Starter: 14-29, 155yds, 1TD, 2 INTs, 1 Fumble. Mit Auswärtsspielen in Indianapolis und Washington sollte man sich vor der Bye Week der Titans keine großartige Verbesserung dieser Zahlen erwarten.

3. Miami Dolphins (-)
Gegen Pittsburgh und Buffalo kann man verlieren. Gegen Houston nicht. Wenn eine Offense, die vor guten Spielern nur so strotzt, gegen die zweitschlechteste Defensive der Liga nur mickrige 15 Punkte erzielt, führt kein Weg an den ‚Terrible Three‘ vorbei.


Martins Fantasy Ecke

Fantasy Update

Nach vier Wochen Fantasy Football wird Zwischenbilanz gezogen, um auch anderen Fantasy Football Spielern die Möglichkeit eines Vergleich zu geben. Die diesjährige Performance meiner Teams könnte nicht unterschiedlicher sein. In unserer Salary Cap Liga befinden sich die ‚Vorarlbergian Seebrünzler‘ auf dem zweiten Platz, in der Draft Liga dagegen hinken die ‚Bruenzling Eagles‘ mit vier verlorenen Duellen mächtig hinterher. Besserung scheint dort (fast) nicht in Sicht, da in unserer Liga traditionell wenig getradet wird. In der Salary Cap Liga dagegen hat der Spieler bis zuletzt sein Schicksal in der eigenen Hand. Eine Mannschaft muss mit einem Budget von 50 Millionen erstellt werden. Jede Woche werden vier Trades zur Verfügung gestellt um eventuelle Totalversager sofort austauschen zu können.

Fantasy Football DOs & DONTs

DOs
– Chiefs RB Larry Johnson ist zurück. Auch wenn er seine erste brauchbare Fantasy Leistung gegen die 49ers hatte, sollte das der Freude darüber keinen Abbruch tun. Auch den nächsten Gegner (at Arizona) dürfte er wieder schwindlig spielen.
– 49ers RB Frank Gore wird gegen Oakland dort fortsetzen, wo er vor zwei Wochen aufgehört hat. Er wird wieder Touchdowns erzielen.
– Die Offensivspieler der Rams befinden sich im Moment in einem tollen Rhythmus. Gegen Green Bay, ganz nebenbei die schlechteste Defensive der Liga, sind QB Bulger, RB Jackson, WR Holt und Bruce wärmstens zu empfehlen.
– Die Suspendierung von Titans DT Albert Haynesworth reißt ein großes Loch in die Defensive von Tennessee. Die Colts werden sich nicht zweimal bitten lassen und den Ball oft und erfolgreich in der Endzone platzieren.
– Falls die Verletzungssorgen in der Passverteidigung der Eagles weitergehen sollten, sind die Dallas Receiver Terrell Owens und Terry Glenn ganz heiße Kandidaten für eine große Woche. Undrafted Rookie Free Agent CB Joselio Hanson hatte schon mit Packers WR Greg Jennings seine liebe Müh und Not.

DONTs
– Spieler von Atlanta, Cincinnati, Houston und Seattle dürfen mit gutem Gewissen auf der Bank gelassen werden. Diese Teams befinden sich in ihrer spielfreien Woche.
– Auch wenn das Laufspiel der Steelers stark ist, die Laufverteidigung der Chargers ist stärker. Steelers RB Willie Parker wird sich auf einen frustrierenden Abend einstellen müssen.
– Nach den letzten beiden Vorstellungen sollten jegliche Spieler, die gegen Baltimore oder Chicago spielen müsse, ohne mit der Wimper zu zucken gebencht werden.
– Nur weil die Jaguars Defense gegen Washington 36 Punkte hinnehmen musste, soll das nicht heißen, dass in Zukunft die Finger von ihr gelassen werden sollte. Die überraschend guten Jets werden am Sonntag im ALLTEL Stadium die ganze Wut der Jaguars Verteidiger zu spüren bekommen.
– Nachdem die Offensivspieler der Dolphins sicherlich nicht nur mich zur absoluten Weißglut getrieben haben, sollten diese in Fantasy Football Überlegungen am Besten gar keine Rolle mehr spielen.

Watch (out) this Sunday
Auch wenn der ORF in der Nacht von Sonntag auf Montag die österreichischen Fans mit einer Live-Übertragung beglücken wird, findet die attraktivste Partie des Tages einige Stunden zuvor in Philadelphia statt. Die Eagles werden dort auf ihren verhassten Erzrivalen, die Dallas Cowboys, treffen. Mit im Gepäck befindet sich dann auch WR Terrell Owens, der seine Rückkehr nach Philadelphia auch tunlichst mit einem Erfolgserlebnis begehen will. Derweil nimmt das Lazarett der Adler bedenkliche Ausmaße an. Es könnte der Fall eintreten, dass QB Donovan McNabb ohne seine beiden Starting WR Reggie Brown und Donte Stallworth, sowie ohne Starting RB Brian Westbrook antreten muss. Guter Football wird dennoch gespielt werden, allerdings wird auch böses Blut fließen. Am Montag war auf dem Transparent eines Fans im Lincoln Financial Field zu lesen: ‚T.O.: We’re happy that you are not dead, so we can hurt you on Sunday.‘

Nächste Woche in ‚An jedem verdammten Mittwoch‘
Die NFL-Teams versuchen weiterhin eine schlagkräftige Truppe aufzubauen, um das ultimative Ziel erreichen zu können. Einige Mannschaften verabschieden sich aus dem Rennen um die begehrten Plätze, andere wiederum dürfen sich nach einer tollen Leistung am kommenden Sonntag vielleicht wieder Hoffnungen machen. Football-USA verfolgt für sich am Wochenende für wen es nach oben gehen wird und wessen Talfahrt sich auch in Zukunft fortsetzen wird.

Bis dahin sind Lob und Kritik, Wünsche und Anregungen, sowie Fragen aller Art an die unten angeführte Adresse wie immer stets willkommen.

Martin Pfanner ([email protected])

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Power Rankings

Elite Eight
1. Chicago Bears 4-0
2. Indianapolis Colts 4-0
3. Baltimore Ravens 4-0
4. San Diego Chargers 2-1
5. Atlanta Falcons 3-1
6. Philadelphia Eagles 3-1
7. New England Patriots 3-1
8. Carolina Panthers 2-2

Team on the Rise
St. Louis Rams 3-1

Terrible Three
1. Oakland Raiders 0-3
2. Tennessee Titans 0-4
3. Miami Dolphins 1-3

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