Den Anfang der mittlerweile 18. Ausgabe von ‚An jedem verdammten Mittwoch‘ bilden diese Woche einige Beobachtungen bzw.Anmerkungen zum vergangenen NFL-Wochenende.

  • Field-Goal-Fetischisten dürften bei der ersten ORF Live-Partie zwischen Indy und Baltimore voll auf ihre Kosten gekommen sein. Aller anderen leider nicht. Immerhin gab es gleich einige NFL-Rekorde zu bestaunen. Zum einen die fünf FGs von Colts Kicker Vinatieri, zum anderen weil das Spiel, welches mit 15:6 ausging, das erst zweite in der Geschichte der NFL ist, das mit genau diesem Score endete (das andere bestritten die Brooklyn Dodgers und die Philadelphia Eagles im Jahre 1941).
  • Adam Vinatieri ist der erste Kicker der NFL-Geschichte der in zwei Playoffpartien je fünf FGs erzielt hat. Das prekäre dabei ist, dass er dies einmal für und einmal gegen die Colts geschafft hat.
  • Eagles gegen Saints war, auch wenn das Ergebnis den Wünschen des leicht voreingenommenen Autors nicht ganz entsprach, DAS Highlight der letzten Wochen. Die Atmosphäre war atemberaubend, das Spiel hochklassig, die Entscheidung spannend, die Nacht danach (zumindest für den Autor) schlaflos.
  • Was soll man dazu noch sagen, außer: Willkommen in den Playoffs, Reggie Bush!
  • Wenn das eigene Team schon ausscheidet, dann wenigstens auf eine solche Art und Weise. Die Eagles verabschiedeten sich mit Anstand und Klasse, während sich die Fans der Ravens die Haare raufen dürften. Deren Auftritt hatte weniger mit Anstand und Klasse, sondern viel mehr mit Sang- und Klanglosigkeit zu tun.
  • Die Eagles ziehen sogar noch einen weiteren Vorteil aus der Niederlage gegen New Orleans. Philadelphia steht jetzt nämlich eine Woche mehr Vorbereitungszeit zur Verfügung um das Unternehmen Superbowl im nächsten Jahr zu realisieren (Achtung: hier könnte bittere Ironie enthalten sein).
  • Rex Grossman am Sonntag: Weder gut, noch ganz schlecht; sprich: er tat genau das, was Lovie Smith von ihm erwartet hat! Die Partie nur nicht verlieren. Ganz nebenbei muss aber erwähnt werden, dass Grossman für den entscheidenden Pass, der die Bears erst in FG-Reichweite brachte, verantwortlich war und somit auch wesentlichen Anteil am Erfolg seines Teams hatte.
  • Trotzdem Hut ab vor den Seahawks. Wenige Teams liefern mit derartigen Verletzungssorgen eine Partie ab, die solcher Ehren wert ist. Nach einer erbitterten Schlacht und lediglich acht Tagen Vorbereitungszeit in Chicago, die immerhin zwei volle Wochen Ruhepause hatten, zu bestehen nötigt einem schon einiges an Respekt ab…
  • Niemals zuvor hat sich eine Mannschaft auf so unsagbar dumme Art und Weise um die Früchte der Arbeit gebracht. Die Niederlage San Diegos basiert nicht etwa auf New Englands Klasse, sondern ganz einfach auf dem eigenen Unvermögen. Wer das Spiel gesehen hat, weiß wovon hier gesprochen wird.
  • Nach Ende des Spiels herrschte in unserer NFL-Runde kollektive Fassungslosigkeit, die langsam aber sicher in Betroffenheit überging. Da spielt LaDainian Tomlinson die Saison seines Lebens und seine Mitspieler bzw. sein HC setzen die Partie nach allen Regeln der Kunst in den Sand.
  • Walter Reiterers Chili gehört mit zum Besten, was der junge,Vorarlberger Gaumen des Autors in Sachen Chili bislang probieren durfte. Gerüchten zufolge sind, ob des Anklangs der Fishfinger’schen Kochkünste, bereits Kombi-Aktionen mit Football-Austria.com Abos sowie einer Gratisportion Chili in Planung.

Thema der Woche

Die Championship Games der beiden Conferences stehen vor der Tür. Grund genug für Football-USA einen Blick auf die Spiele zu werfen und ganz nebenbei noch gewagte Prognosen abzugeben.


Chicago Bears vs. New Orleans Saints

Sonntag, 21. Januar, 21:00, ORF Sport Plus

Dass die Saints Offense mit den Verteidigern der Bears ein anderes Kaliber als im letzen Match vorgesetzt bekommen, dürfte bekannt sein. Urlacher und Co. taumelten gegen Seattle ein wenig, gingen aber nicht zu Boden. Zudem besitzt die Unit immer noch über genug spielerische Klasse um einige Fauxpas der letzten Begegnungen vergessen zu machen. Das Schlüssel-Matchup der Begegnung wird die Performance der New Orleans Passverteidigung sein. Drei der vier Starter befinden sich bereits jenseits der 30 Lenze und spielten gegen Philadelphia auch dementsprechend. Beim 75-Yard TD von Stallworth fühlte sich dann offenbar gar keiner zuständig. Dass Grossman den tiefen Pass werfen und seine Receiver treffen kann, bewies der gegen Seattle. Nichtsdestotrotz ist Chicagos König auch immer wieder für negative Überraschungen bekannt. Wenn man in der Windy City das Passspiel in Gang bekommt, wird man auch die Oberhand behalten. Football-USA zeigt sich diesbezüglich vorsichtig optimistisch.
Tipp: Schade um die schöne Story, aber die Bears ziehen in die Superbowl ein.

Indianapolis Colts vs. New England Patriots
Sonntag, 21. Januar, 00:30, ORF Sport Plus/ORF 1

Langsam wird es öd, könnte man meinen! Denn genau diese Kontrahenten treffen seit 2002 nun schon zum siebten Mal aufeinander, allerdings noch nie unter solch ungewöhnlichen Vorzeichen. Beide QBs spielen in den Playoffs nicht ihren besten Football (von Manning war man bislang nichts anderes gewohnt), dafür spielen aber auf einmal beide Defensivreihen ausgezeichnet auf. Die Rückkehr von Colts S Bob Sanders hat sich für Indy als Glücksfall erwiesen, das geschickte Herumrücken vom ehemaligen MLB Rob Morris hat die harsch kritisierte Laufverteidigung beträchtlich verbessert. Laufen gegen die Colts wird schwieriger, 51 Passversuche (wie gegen San Diego) wird Brady aber nicht brauchen um das Spiel irgendwie in den Griff zu bekommen.
Bei New England taten sich insbesondere die beiden Safeties James Sanders und Atrell Hawkins hervor, die sowohl in der Passverteidigung, als auch im Run Support zwei ganz wichtige Stützen bilden. Das Matchup der Kicker wirft natürlich ebenfalls seinen Schatten voraus. Rookie Stephen Gostkowski wird es zum zweiten Mal mit seinem Vorgänger Adam Vinatieri aufnehmen müssen (das Spiel in der Regular Season endete mit 27:20 für Indy) und es diesmal auch gewinnen. Dass er ebenso abgeklärt sein kann, bewies er spätestens beim Game Winner gegen die Chargers.
Mit dem Momentum der Elimination San Diegos im Rücken, dem Duo Brady/Belichick und Playoff-Manning auf der anderen Seite dürfte das Ergebnis recht eindeutig sein.
Tipp: Manning wird sich nach der Niederlage beim nächstbesten Juwelier einen Ring kaufen gehen. Den Superbowl-Ring kann er auch in diesem Jahr wieder abschreiben.

3 Momente für die Ewigkeit

Platz 3: Vince Young siegt in Houston
Als ob er sagen hätte wollen: ‚Warum habt ihr nicht mich gewählt?‘ In seiner Heimatstadt Houston lief der, bis an Stelle 3 des vergangnen Drafts gefallene, Quarterback den Texans um die Ohren und sorgte mit seinem TD-Lauf in der Overtime höchstpersönlich für die Entscheidung. Wäre nach Spielende sicher amüsant gewesen die ganzen versteinerten Mienen auf der VIP-Tribüne der Texans zu sehen.

Platz 2: LTs Rekordsaison
Vielleicht hält der Rekord von 31 TDs etwas länger als jene von Alexander, Holmes oder Faulk. Vielleicht auch nicht. Einen der besten Spieler der gesamten Liga zum Höhepunkt seiner Karriere beobachten zu dürfen, war jedenfalls schon viel wert.

Platz 1: Die Saints
Von der Rückkehr in den Louisiana Superdome bis zum Einzug in die Playoffs und dem Sieg in der ersten Runde kann die Saison der Heiligen mit einem Wort (was der ORF ebenfalls schon gemacht hat) zusammenfassen: ein Märchen! Einige Highlights gibt’s an dieser Stelle noch mal zum Genießen.

Football-USA Awards (Divisional Playoffs)

Wertvollster Spieler der Woche: RB Deuce McAllister (New Orleans Saints)
Football-USA macht sich in der Regel nicht viel aus Zahlen, viel eher aus überragenden Leistungen. Bei Deuce McAllister gab es am Wochenende beides zu bestaunen. Auf der einen Seite häufte er 163 Total Yards an, auf der anderen Seite verkörperte er mit seinen überragenden Leistungen gegen Philadelphia auch den unbändigen Willen, den die Spieler der Saints in sich trugen. Stellvertretend dafür und für alle weiteren ohnehin überflüssigen Worte steht sein TD am Ende dieser Angriffsserie.

Versager der Woche: HC Marty Schottenheimer (San Diego Chargers)
Man könnte meinen, dass ein Coach der weder in der Offensive noch in der Defensive Plays ansagt (und so einer ist der Herr Schottenheimer), keinen großen Einfluss auf das Spielgeschehen haben kann. Wenn die Playoff-Bilanz eines HCs 5-12 lautet, ist das vielleicht auch besser so. Dennoch wollte Marty unbedingt beweisen, dass er an der Sideline trotzdem was zu melden hat. Aus all den dämlichen Aktionen gibt’s zum Nachvollziehen die beiden unangefochtenen Lowlights.

Im ersten Viertel ließ er von der gegnerischen 30 einen vierten Versuch ausspielen, obwohl das FG 48 Yards lang gewesen wäre und Kicker Keading seit sieben Wochen keinen Kick mehr vergeben hatte. Die Konsequenz war Turnover on Downs (nach einem Sack gegen Rivers), Wechsel des Ballbesitzes und wenig später drei Punkte für die Patriots.

Nachdem Marlon McCree im vierten Viertel Tom Brady intercepted hatte, der Ball aber bei seinem Return von Troy Brown losgeschlagen und von New England erobert wurde, konnte es Schottenheimer nicht dabei belassen. Obwohl alle Replays das Play ganz klar als Fumble auswiesen (und das auch auf der großen Stadionleinwand ersichtlich gewesen sein müsste) entschied sich der 63-Jährige aus unerfindlichen Gründen den Spielzug per Videobeweis kontrollieren zu lassen. Das Ganze hatte (natürlich) den Abzug eines Timouts zur Folge. Besonders bitter, dass es so verloren ging, besondern wenn man bedenkt, dass San Diego am Ende mit 1:05 auf der Uhr und Drive-Start an der eigenen 25 eine Auszeit dringendst benötigt hätte.
Tolle Leistung, Marty!

Watch (out) this Sunday
Sollte sich einige unter Ihnen befinden, die sich die Spiele von letztem Samstag trotz Terminkenntnis nicht zu Gemüte geführt haben, dann vermutet Football-USA ganz stark, dass diese Menschen seitdem erfolglos versuchen sich in den verlängerten Rücken zu beißen. Besonders das zweite Spiel zwischen New Orleans und Philadelphia verdient die Etikette ‚As good, as it gets‚.
Dieses Wochenende gilt im Prinzip folgendes: Wer sich Sonntagabend die Spiele durch die Lappen gehen lässt, dem ist beileibe nicht mehr zu helfen. Denn unsere staatliche Runfunkanstalt berichtet ab 21:00 Uhr wieder direkt von der Front und kann beim ersten Spiel wieder mit einem alten Bekannten aufwarten. ORF-Kommentator Philipp König wird sich in gewohnter Manier dem Championship-Game der NFC annehmen, bevor dann der fliegenden Wechsel zum Football-Guru Nummer 1, Christopher D. Ryan, erfolgen wird. Dieser wird dann das Spiel um die Krone der AFC präsentieren und nach getaner Arbeit einen hoffentlich spannenden Football-Abend beenden.

Nächste Woche in ‚An jedem verdammten Mittwoch‘
Die zweiwöchige Pause zwischen den Championship Games und der Superbowl muss von Football-USA leider für akademische Verpflichtungen aufgewendet werden. Soll heißen, dass die nächste Ausgabe von ‚An jedem verdammten Mittwoch‘ am 31. Januar erscheinen wird, dann aber mit allem Wissenswerten zur bevorstehenden Superbowl XLI. Über allfällige Dinge rund um die NFL werden sie während dieser Zeit natürlich im Zuge des Frühstückskaffees auf dem Laufenden gehalten.

Bis dahin sind Lob und Kritik, Wünsche und Anregungen, sowie Fragen aller Art an die unten angeführte Adresse wie immer stets willkommen.

Ergebnisse

Divisional Saturday

Saturday, January 13, 2006
Indianapolis 15, Baltimore 6
New Orleans 27, Philadelphia 24

Divisional Sunday

Sunday, January 14, 2006
Chicago 27, Seattle 24
New England 24, San Diego 21

Termine

Football-USA Spiele der Woche

Sunday, January 21, 2007
NFC Championship Game
3:00 PM New Orleans at Chicago

AFC Championship Game
6:30 PM New England at Indianapolis

alle Beginnzeiten sind in Eastern Time
(Österreich: +6 Stunden) angegeben

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