Die American Football League Europe (AFLE) hat kurz vor Weihnachten auf Instagram eine Pressemeldung veröffentlicht, in der von einem hochrangigen „Executive Meeting“ die Rede ist. Demnach sollen sich zehn Teams aus sechs Nationen getroffen haben, um die Zukunft des American Footballs in Europa zu gestalten. Die Liga spricht von Transparenz, Nachhaltigkeit, moderner Governance und einem klaren Bekenntnis zur Professionalisierung.
Was auf den ersten Blick nach einem wichtigen Meilenstein für ein neues europäisches Liga-Projekt klingt, wirft bei näherer Betrachtung jedoch zahlreiche Fragen auf.
Große Worte, wenige überprüfbare Fakten
Laut AFLE fand das Treffen nur zwei Tage vor Weihnachten statt und soll mehr als 25 Teilnehmer umfasst haben. Diskutiert worden seien unter anderem Spielpläne, Team-Entwicklungsmodelle, Organisationsstrukturen sowie eine langfristige Vision für eine AFLE Championship. Der Slogan: „Compete on the weekend, cooperate during the week.“
Auffällig ist jedoch, dass die Mitteilung vollständig auf konkrete Angaben verzichtet:
- kein Ort des Treffens
- kein genaues Datum
- keine Nennung beteiligter Teams
- keine Namen von Liga-Verantwortlichen oder Franchiserepräsentanten
- keine Bilder oder Videos des Meetings
- keine externen Bestätigungen durch Clubs oder Medien
Bislang existiert ausschließlich der Instagram-Post der AFLE selbst als Quelle.
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Die Mitteilung ist professionell formuliert und folgt klassischen PR-Mustern internationaler Sportorganisationen. Gleichzeitig fehlen sämtliche überprüfbaren Elemente, die eine unabhängige Verifikation ermöglichen würden. Für ein angebliches Executive Meeting mit internationaler Tragweite ist diese Intransparenz ungewöhnlich.
Solange weder teilnehmende Teams noch handelnde Personen öffentlich genannt werden oder das Treffen von dritter Seite bestätigt wird, bleibt der Inhalt der Meldung eine Selbstdarstellung der Liga ohne belastbare Nachweise.
Fehlende handelnde Personen – ein zentrales Problem
Gerade im europäischen Football, der zuletzt von Insolvenzen, Franchise-Problemen und Vertrauensverlust geprägt war, ist Transparenz ein entscheidender Faktor. Dass kein einziger Entscheidungsträger namentlich genannt wird, erschwert die Einordnung erheblich.
Ohne Gesichter, Verantwortlichkeiten und bestätigte Strukturen bleibt offen:
- Wer trifft in der AFLE tatsächlich Entscheidungen?
- Welche Teams tragen das Projekt konkret mit?
- Welche finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen existieren?
Einordnung im Kontext ELF vs. AFLE
Die Veröffentlichung erfolgt in einem sensiblen Moment für den europäischen Profi-Football. Die European League of Football (ELF) steht unter Druck: Insolvenzen, rechtliche Auseinandersetzungen und strukturelle Probleme einzelner Franchises – zuletzt auch in Berlin – haben das Vertrauen erschüttert.
Vor diesem Hintergrund wirkt die AFLE-Mitteilung auch als strategische Positionierung:
ein Gegenentwurf zur ELF, zumindest kommunikativ – mit Schlagworten wie „modern governance“, „transparency“ und „sustainability“.
Ob die AFLE diesen Anspruch auch praktisch einlösen kann, ist derzeit nicht belegbar. Der abschließende Satz der Pressemeldung – „THE LEAGUE IS READY“ – steht bislang im Widerspruch zu den fehlenden öffentlichen Informationen über Teams, Spielbetrieb, Governance-Strukturen und wirtschaftliche Absicherung.
Fazit
Die AFLE setzt mit ihrer Kommunikation ein klares Signal, bleibt aber den Beweis schuldig. Solange zentrale Fakten und handelnde Personen nicht transparent gemacht werden, ist Zurückhaltung angebracht. Für Medien und Fans gilt: genau hinschauen, kritisch bleiben und PR von belastbarer Realität trennen.





















