Ausgangspunkt der Recherche war die Ende August öffentlich gewordene Stabilisierung von Rhein Fire. Die American Football League Europe (AFLE) erklärte, Verantwortung für den finanziell angeschlagenen Standort übernehmen und dessen langfristigen Fortbestand sichern zu wollen.

Ein Blick in die deutschen Handelsregister zeigt allerdings, dass die gesellschaftsrechtliche Neuordnung hinter Rhein Fire bereits Monate zuvor begonnen hatte.


Rhein Fire: Die Beteiligungskette führt zu Joel Nagel

Betreibergesellschaft von Rhein Fire ist die Number One Sportbetriebs GmbH mit Sitz in Düsseldorf. Ende 2025 waren deren Anteile noch auf mehrere Gesellschafter verteilt.

Im Frühjahr 2026 änderte sich diese Struktur deutlich. Die aktuelle Gesellschafterliste weist die Number Three GmbH mit Sitz in Mettmann als Mehrheitsgesellschafterin der Number One Sportbetriebs GmbH aus. Sie hält 65,36 Prozent der Anteile.

Als Grundlage dieser Veränderung nennt die Gesellschafterliste die „Einbringung der Geschäftsanteile vom 09.04.2026“. Damit wurden bereits im April knapp zwei Drittel der Rhein-Fire-Betreibergesellschaft unter dem Dach der Number Three GmbH gebündelt.

90 Prozent der Number Three gehen an Nagel

Eine weitere Gesellschafterliste der Number Three GmbH dokumentiert anschließend die nächste Veränderung. Joel Nagel hält dort insgesamt 90 Prozent der Anteile.

In der Veränderungsspalte wird bei seinen Anteilspaketen ausdrücklich vermerkt, dass Geschäftsanteile abgetreten wurden. Der zugrunde liegende notarielle Vorgang datiert vom 30. Juni 2026.

Aus beiden Registerebenen ergibt sich damit folgende Beteiligungskette:

Joel Nagel
↓ 90 %
Number Three GmbH
↓ 65,36 %
Number One Sportbetriebs GmbH
↓
Rhein Fire

Rechnerisch entspricht diese Beteiligungskette einer indirekten wirtschaftlichen Beteiligung Nagels von rund 58,8 Prozent an der Number One Sportbetriebs GmbH. 90 Prozent von 65,36 Prozent ergeben 58,824 Prozent.

📄 Dokumente zur Recherche


Gesellschafterliste Number One Sportbetriebs GmbH – Dezember 2025

Handelsregister Düsseldorf, HRB 94512 – Eigentümerstruktur vor der späteren Bündelung der Anteile.


Gesellschafterliste Number One Sportbetriebs GmbH – Mai 2026

Handelsregister Düsseldorf, HRB 94512 – Number Three GmbH mit 65,36 Prozent der Anteile.


Gesellschafterliste Number Three GmbH – August 2026

Handelsregister Wuppertal, HRB 36395 – Joel Nagel mit 90 Prozent der Anteile.

Die Chronologie: April, Juni, August

Bemerkenswert ist die zeitliche Abfolge. Bereits im April wurden 65,36 Prozent der Rhein-Fire-Betreibergesellschaft in der Number Three GmbH gebündelt.

Der notarielle Vorgang zur späteren Übertragung der Number-Three-Anteile an Nagel datiert vom 30. Juni. Öffentlich bekannt wurde die Übernahme beziehungsweise Stabilisierung von Rhein Fire durch das AFLE-Umfeld erst Ende August.

Die Handelsregister zeigen damit eindeutig: Die gesellschaftsrechtliche Neuordnung hinter Rhein Fire begann Monate vor der öffentlichen Kommunikation der Rettungsmaßnahme. Was die Register nicht beantworten, ist, wann welche Beteiligten über das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Schwierigkeiten informiert waren und welche Vereinbarungen neben den öffentlich einsehbaren gesellschaftsrechtlichen Vorgängen bestanden.


Die AFLE spricht von einem Stabilisierungsplan

Am 2. September 2026 wandte sich die AFLE in einem offenen Brief an ihre Fans und die Rhein-Fire-Community. Darin bezeichnet die Liga die Übernahme als Teil eines umfassenderen AFLE Stabilization Plan.

Nach Darstellung der Liga ging es darum, den langfristigen Fortbestand des Standorts zu sichern. Name, Farben, Identität und regionale Verwurzelung von Rhein Fire sollen erhalten bleiben.

Damit wird zugleich eine Funktion sichtbar, die über die reine Organisation eines Spielbetriebs hinausgeht: Die AFLE will wirtschaftlich gefährdete Teilnehmer im Bedarfsfall stabilisieren.


Nagel vergleicht die Liga mit einer „Zentralbank“

Joel Nagel selbst beschrieb diese Rolle rund um den Gold Bowl noch deutlicher. Bei einer Pressekonferenz verglich er die Funktion der Liga sinngemäß mit jener einer „Zentralbank“: Eine zentrale Instanz müsse verhindern können, dass einzelne Teilnehmer wirtschaftlich zusammenbrechen.

Auf die Frage, in wie viele Teams er selbst investiert sei, nannte Nagel keine konkrete Zahl. Er erklärte zugleich, Unterstützung könne je nach Situation vorübergehend sein oder auch strategisch, strukturell und langfristig angelegt werden.

Nach seiner Darstellung soll sich diese wirtschaftliche Unterstützung nicht auf sportliche Entscheidungen erstrecken. Nagel betonte, er konzentriere sich auf die geschäftliche Seite des Projekts, während der Football-Bereich eigenständig geführt werde.

Nagels Beschreibung entspricht damit keinem klassischen Single-Entity-System, in dem die Liga sämtliche Teilnehmer selbst besitzt. Sie beschreibt vielmehr eine zentrale Stabilisierungsfunktion, bei der Liga beziehungsweise Investoren bei wirtschaftlichen Krisen einzelner Teams eingreifen können.


London Warriors: Nagel hält mindestens 75 Prozent

Eine weitere direkte Beteiligung Nagels lässt sich in Großbritannien nachvollziehen.

Das offizielle britische Unternehmensregister Companies House führt Joel Matthew Nagel als Director der LONDON WARRIORS LTD. Eingetragen ist er seit der Gründung der Gesellschaft am 11. April 2026.

Noch eindeutiger ist der Eintrag unter Persons with significant control. Dort wird Nagel als aktive Person mit maßgeblicher Kontrolle geführt.

Als Art der Kontrolle nennt Companies House ausdrücklich „Ownership of shares – 75% or more“. Nagel hält somit mindestens 75 Prozent der Anteile an der LONDON WARRIORS LTD.

Quelle: UK Companies House – LONDON WARRIORS LTD: Persons with significant control

Eine wichtige Einschränkung bleibt: Der Registereintrag dokumentiert die Eigentumsverhältnisse der LONDON WARRIORS LTD. Aus ihm allein geht nicht hervor, wie diese Gesellschaft rechtlich und organisatorisch mit dem gewachsenen London-Warriors-Club und dessen gesamtem AFLE-Spielbetrieb verbunden ist.


Vienna Vikings: Wirtschaftliche Beteiligung ist nicht Kontrolle

Auch bei den Vienna Vikings besteht eine wirtschaftliche Verbindung zu Nagel. Ihre Bedeutung unterscheidet sich allerdings deutlich von jener bei Rhein Fire oder der LONDON WARRIORS LTD.

Die österreichischen Unternehmensdaten weisen für die Vikings-Betriebsgesellschaft Seven P GmbH folgende Beteiligungen aus:

  • Venture Equity Invest GmbH: 67,53 Prozent
  • Robin Lumsden: 30,47 Prozent
  • American Football & Cheerleading Vienna Vikings: 2,00 Prozent

An der Venture Equity Invest GmbH wiederum hält Robin Lumsden 60,70 Prozent. Der Nagel Family Irrevocable Trust ist dort mit 18,51 Prozent beteiligt.

Damit ergibt sich ein anderes Bild, als eine isolierte Betrachtung der Venture-Equity-Beteiligung an Seven P vermuten lassen könnte.

Auf Basis dieser Beteiligungsquoten hält Lumsden wirtschaftlich 30,47 Prozent direkt an Seven P und weitere rund 40,99 Prozent indirekt über Venture Equity. Insgesamt entspricht das rechnerisch einer wirtschaftlichen Beteiligung von rund 71,46 Prozent.

Der Nagel Family Irrevocable Trust kommt auf derselben Berechnungsbasis über seine Beteiligung an Venture Equity auf eine indirekte wirtschaftliche Beteiligung von rund 12,50 Prozent an Seven P.

Hinzu kommt die Frage der Stimmrechte. Lumsden erklärte gegenüber Football-Austria, dass diese über einen Syndikatsvertrag geregelt seien. Nach seiner Darstellung verfügt er dadurch über mehr als 95 Prozent der Stimmrechte. Der Nagel Family Irrevocable Trust habe demnach keine entsprechende Entscheidungs- oder Vetoposition bei den Vikings.

Das Beispiel zeigt, warum bei Eigentümerstrukturen zwischen wirtschaftlicher Beteiligung, Stimmrechten und tatsächlicher Kontrolle unterschieden werden muss. Eine Beteiligung allein sagt noch nicht, wer ein Franchise operativ oder strategisch kontrolliert.


Berlin, Firenze und die Rams: Wenn die Liga einspringt

Rhein Fire war nicht der einzige Standort, bei dem die AFLE während ihrer ersten Saison eingreifen musste.

Im Juli 2026 wurde das Insolvenzverfahren über die Betreibergesellschaft von Berlin Thunder wegen Masseunzulänglichkeit eingestellt. Die Liga übernahm anschließend den Spielbetrieb für die letzten beiden Saisonspiele.

Nach Medienberichten erhielten während der Saison auch die Firenze Red Lions und die Alpine Rams finanzielle Unterstützung.

Aus einer solchen Unterstützung lässt sich allerdings keine automatische gesellschaftsrechtliche Beteiligung oder Eigentümerschaft ableiten. Sie dokumentiert zunächst nur, dass die AFLE bereit war, Teilnehmer wirtschaftlich beziehungsweise organisatorisch zu stabilisieren, wenn deren Fortbestand gefährdet war.


Lumsden: Liga will Teams nicht dauerhaft besitzen

Vienna-Vikings-Eigentümer Robin Lumsden widerspricht der Interpretation, die AFLE wolle sich dauerhaft zu einem zentralisierten Eigentumsmodell entwickeln.

Gegenüber Football-Austria erklärte er, die Liga habe aus seiner Sicht kein Eigeninteresse daran, Teams langfristig zu halten. Eigentum an wirtschaftlich angeschlagenen Standorten bedeute schließlich auch, dort weiterhin Geld investieren zu müssen.

Die bisherigen Eingriffe sieht Lumsden deshalb in erster Linie als Rettungs- beziehungsweise Übergangslösungen. Diese könnten seiner Einschätzung nach beendet werden, sobald ein Standort wieder über funktionierendes Management verfüge und sich ein geeigneter Investor finde, der langfristige Finanzierung sicherstellen könne.

Das angestrebte Ziel sei demnach nicht, möglichst viele Franchises unter einem gemeinsamen Eigentümer zu bündeln. Vielmehr sollen die einzelnen Teams langfristig von eigenständigen Investoren beziehungsweise Investorengruppen getragen werden.

Ob und wie schnell sich dieses Ziel umsetzen lässt, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Unterlagen derzeit nicht beantworten.


Was die Register zeigen – und was sie nicht zeigen

Die Recherche ergibt kein Bild einer Liga, in der sämtliche Franchises von einer zentralen Stelle kontrolliert werden.

Sie dokumentiert aber mehrere unterschiedliche wirtschaftliche Verbindungen:

  • Joel Nagel hält über die Number Three GmbH rechnerisch rund 58,8 Prozent indirekt an der Rhein-Fire-Betreibergesellschaft.
  • Bei der LONDON WARRIORS LTD hält Nagel laut Companies House mindestens 75 Prozent.
  • Bei den Vienna Vikings besteht über den Nagel Family Irrevocable Trust eine indirekte wirtschaftliche Beteiligung von rechnerisch rund 12,5 Prozent an der Seven P GmbH. Die wirtschaftliche Mehrheit und nach eigener Darstellung auch die klare Mehrheit der Stimmrechte liegen jedoch bei Robin Lumsden.
  • Bei Berlin Thunder, Firenze und den Alpine Rams griff die AFLE in unterschiedlichen Formen stabilisierend ein. Daraus lässt sich ohne weitere Unterlagen keine Eigentümerposition ableiten.

Damit liegt die Besonderheit der AFLE derzeit weniger in einem klassischen Single-Entity-Modell als in einem wirtschaftlichen Sicherheitsnetz, das verhindern soll, dass einzelne Standorte während einer Saison zusammenbrechen.

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahre wird deshalb nicht sein, ob jede wirtschaftliche Verbindung automatisch problematisch ist. Entscheidend wird vielmehr sein, wie transparent Eigentum, Finanzierung, Stimmrechte und Entscheidungsbefugnisse voneinander getrennt werden – und ob temporäre Rettungskonstruktionen tatsächlich wieder auf eigenständige Eigentümer übertragen werden.

Die Register zeigen, welche Strukturen heute bestehen. Ob sie Übergangslösungen bleiben oder sich dauerhaft etablieren, wird erst die weitere Entwicklung der AFLE zeigen.

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Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf öffentlich zugänglichen Unternehmens- und Registerdaten, Medienberichten sowie Stellungnahmen der beteiligten Parteien. Die Registerdaten dokumentieren bestehende wirtschaftliche Beteiligungen, erlauben für sich allein jedoch keine Aussage darüber, ob diese Strukturen dauerhaft angelegt sind. Wirtschaftliche Beteiligung, Stimmrechte und operative Kontrolle werden im Beitrag deshalb getrennt betrachtet.

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2 Kommentare
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Andyt
Andyt
11. September 2026 10:21

Spannender Einblick. Danke für die Recherche und Aufbereitung.

Christian
Christian
14. September 2026 10:59

Gibt es eigentlich noch irgendwelche Bemühungen, die beiden Ligen zusammenzuführen? Ich bin kein Experte, aber als außenstehender, interessierter Sportfan, ist der American Football Markt in Europa offensichtlich einfach zu klein für 2 getrennte Ligen. Gibt es irgendwo nähere Infos, warum und weshalb sich auch Vereine lieber der Einen als der Anderen Liga anschließen? Wieso haben sich zB die beiden österr. Vereine nicht auf die gleiche Liga verständigt? DANKE.