Falschmeldung bei Spielerlizenz – neun Grunddurchgangsspiele mit 0:35 gewertet

Der American Football Bund Österreich (AFBÖ) hat erneut AFL-Spiele nachträglich strafverifiziert. Betroffen sind neun Grunddurchgangsspiele der Salzburg Ducks aus der Saison 2025, in denen ein Spieler eingesetzt wurde, der laut Wettspielordnung (WSO) falsch eingestuft war. Alle betroffenen Partien werden mit 0:35 zugunsten der jeweiligen Gegner gewertet.

Spieler mit College-Erfahrung betroffen – Krone nennt Namen

Wie die Kronen Zeitung berichtet, handelt es sich bei dem betreffenden Spieler um Alexander Holzinger. Der Ducks-Spieler war zuvor in Deutschland aktiv und hatte zudem an einem US-College gespielt, was ihn nach den Regularien des AFBÖ in eine andere Klassifikation eingeordnet hätte. Diese Information sei dem Verein erst im August 2025 bekannt geworden, so der Artikel weiter. Parallel soll neben der Strafverifizierung auch eine Geldstrafe verhängt worden sein.

Hintergrund: Unrichtige Einstufung im Spielerpass

Wie der Verband mitteilt, erreichte den AFBÖ im Dezember 2025 ein Hinweis auf eine mögliche falsche Anmeldung eines Spielers. Nach internen Rückfragen und Überprüfungen bestätigte sich der Verdacht: Der Spieler wurde von seinem Verein als Ö- bzw. Ö-B-Klasse-Spieler gemeldet, hätte aufgrund seiner Vergangenheit an einem US-College jedoch als A-Klasse-Spieler eingestuft werden müssen.

Laut AFBÖ erfolgt die Einstufung ausschließlich auf Basis der Angaben im Spielerpass-Formular. Darin wird ausdrücklich festgehalten, dass Verein und Spieler für die Richtigkeit aller Angaben haften. Mit ihren Unterschriften bestätigen beide Seiten, dass alle Daten geprüft und korrekt sind.

Einsatz ab Ende März – automatische Strafverifizierung

Der betroffene Spieler kam ab dem 30. März 2025 in allen AFL-Grunddurchgangsspielen der Salzburg Ducks zum Einsatz. Gemäß WSO Teil 1, §13 und §19 müssen diese Spiele nachträglich strafverifiziert werden. Insgesamt betrifft die Entscheidung neun Partien, die nun entsprechend in der Tabelle neu gewertet werden.

Parallelen zum Vikings-Fall – Verband weist Mitschuld erneut zurück

Der aktuelle Fall weckt Erinnerungen an die bereits zuvor erfolgten nachträglichen Strafverifizierungen der Spiele der Vienna Vikings, die vier Monate nach Meisterschaftsende zur Aberkennung des Titels und zur Ausrufung der Danube Dragons als Staatsmeister 2025 führten.

AFBÖ annulliert AFL-Playoffs 2025 – Danube Dragons Staatsmeister am grünen Tisch

Wie schon damals weist der AFBÖ auch im aktuellen Fall jede Mitschuld von sich und betont, dass die Verantwortung klar bei Verein und Spieler liege.

AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck erklärt dazu: „Für den AFBÖ ist die Situation enttäuschend, da es der zweite solche Fall innerhalb kürzester Zeit ist. In beiden Fällen lag eindeutig eine Falschmeldung durch den Spieler und/oder den Verein vor. Laut unserem Regelwerk sind die Mitgliedsvereine verpflichtet, wahrheitsgetreue Angaben zu machen. Daher ist die Prüfpflicht des AFBÖ nur bei groben Auffälligkeiten gegeben.“

Eschlböck zieht zudem einen Vergleich zu behördlichen Verfahren und stellt klar, dass falsche Angaben nicht im Nachhinein dem Verband angelastet werden könnten.

Liga-Vorstand kündigt zusätzliche Prüfungen an

Auch AFBÖ-Liga-Vorstand Christian Weissina findet deutliche Worte: „Die falsche Einstufung eines Spielers gehört – wie auch Spielabsagen – zu den absoluten No-Gos im Football. Es schadet allen Vereinen, der Liga und dem Verband.“, so Weissina, der in Doppelfunktion auch Vorstand der Graz Giants ist.

Die Wettspielordnung sei von den Vereinen selbst beschlossen worden und sehe in solchen Fällen klare Sanktionen vor, die der Verband umsetzen müsse. Als Konsequenz kündigt der AFBÖ künftig zusätzliche Routineprüfungen bei jeder Spielermeldung an – trotz des erheblichen Mehraufwands bei rund 3.500 Spielerpässen pro Jahr.

Konsequenzen für die Liga

Der erneute Fall wirft abermals Fragen zur Regelkonformität, Verantwortung der Vereine und zur Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs auf. Klar ist: Die sportlichen Auswirkungen der nachträglichen Entscheidungen werden – wie bereits im Vikings-Fall – auch diesmal für Diskussionen innerhalb der Football-Community sorgen.

Update: Stellungnahme der Salzburg Ducks

Stellungnahme zur Spieleranmeldung von Alexander Holzinger und zur verhängten hohen Geldstrafe.

Der Verein nimmt Bezug auf die vom AFBÖ im Zusammenhang mit der Saison 2025
verhängte Geldstrafe aufgrund der Spieleranmeldung von Alexander Holzinger.

Alexander Holzinger wurde vom Verein im Jahr 2025 als Kategorie Ö-B-Spieler mit ITC
gemeldet. Diese Einstufung erfolgte auf Basis der zum damaligen Zeitpunkt bekannten
Informationen sowie der Angaben des Spielers selbst.

Alexander Holzinger war zu keinem Zeitpunkt als Profispieler tätig. Seine gesamte
Footballlaufbahn beschränkte sich auf regionale Vereine im näheren Umkreis, in denen er
ausschließlich im Amateurbereich aktiv war. Er hat keinerlei Entlohnung für seine sportliche
Tätigkeit erhalten und ging parallel stets einer zivilen beruflichen Tätigkeit nach.
Er war ordentliches Vereinsmitglied und hat den Mitgliedsbeitrag regulär entrichtet.
Wesentlich für das Verständnis des Sachverhalts ist zudem, dass Alexander Holzinger
gemeinsam mit weiteren deutschen Spielern zum Verein gekommen ist, nachdem sein
vorheriger Verein nicht am regulären Spielbetrieb der deutschen Liga teilgenommen hat. Der Vereinswechsel erfolgte somit nicht im Rahmen einer professionellen Verpflichtung,
sondern aus rein sportlich-organisatorischen Gründen.

Alexander Holzinger verfügt über keine internationale oder professionelle Footballkarriere.
Sein einziger Bezug zu einem College-Football-Programm beschränkte sich auf eine
einmalige Saison im Jahr 2017 im Rahmen eines Studienaufenthaltes an einem NAIA-College in den USA. Dieser Umstand führte weder zu einer weiterführenden sportlichen Laufbahn noch zu einer Tätigkeit im Profibereich.

Zum Zeitpunkt der Anmeldung war diese frühere College-Zugehörigkeit öffentlich nicht
nachvollziehbar.

Es bestanden:
• kein Wikipedia-Eintrag,
• keine mediale Berichterstattung,
• keine Hinweise auf eine professionelle oder internationale Karriere.

Der Verein erkennt an, dass es im Zuge der Spieleranmeldung zu einem formalen Fehler
gekommen ist. Dieser erfolgte nicht vorsätzlich, sondern auf Basis einer objektiv
unvollständigen Informationslage. Interne Prüfprozesse wurden inzwischen angepasst, um
vergleichbare Situationen künftig auszuschließen.

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Wiesi
Wiesi
22. Januar 2026 10:24

Fällt mir schwer das AFBÖ Kasperltheater noch ernst zu nehmen. Schön und gut, wenn die Verantwortlichkeit bei den Vereinen liegt, aber die Frage der Verhältnismässigkeit muss hier auf jeden Fall gestellt werden.

Egal was da als nächstes kommt, aber das ist dem Sport alles andere als dienlich. Zusammen mit dem europäischen Chaos kann das dem Sport nur schaden und das scheint scheinbar niemanden zu interessieren.