Wegen eines falsch gestellten Spielerpassantrags bei den Vienna Vikings wurden mehrere Spiele des Grunddurchgangs 2025 nachträglich strafverifiziert. Die Konsequenzen erschüttern nicht nur den Ligabetrieb, sondern stellen auch die Glaubwürdigkeit der sportlichen Wertung in Frage.

Bei dem Spieler, der nicht offiziell genannt wurde, handelt es sich um den deutschen Wide Receiver Moritz Riedinger, der 2019 für ein US-College gespielt und demnach als „A-Klasse“-Spieler eingestuft hätte werden müssen. Ähnliche Fälle gab es im Vergangenheit in Telfs, wobei das damals keine Auswirkungen auf die Playoffs hatte. Nachdem es keine Verjährungsfrist bei solchen Vergehen gibt, muss man davon ausgehen, dass es eventuell noch weitere Überraschungen in Sachen Meisterschaftsentscheidungen gibt.

Falscher Spielerpass – weitreichende Folgen

Auslöser war ein Antrag eines Mitglieds, die Einstufung eines Vikings-Spielers zu überprüfen. Laut AFBÖ stellte sich heraus, dass der Spielerpass „in einem entscheidenden Punkt unrichtig“ ausgefüllt worden sei. Die Wettspielordnung enthält für solche Verstöße keine Verjährungsfrist. Entsprechend mussten alle Partien, in denen der Spieler eingesetzt wurde, gemäß § 13 Abs. 6 WSO mit 35:0 für den jeweiligen Gegner strafverifiziert werden. Zusätzlich bekamen die Vienna Vikings eine Geldstrafe in Höhe von rund 10.000 Euro erhalten.

Dazu AFC Vienna Vikings Präsident Karl Wurm: „Wir haben aus Schlamperei und Oberflächlichkeit einen unfassbaren, organisatorischen Fehler begangen; das steht fest. Dieser Fehler wurde aber nicht absichtlich begangen um uns einen sportlichen Vorteil zu verschaffen, sondern weil wir einfach zu dumm waren, diesen Spieler genau zu überprüfen. Das steht ebenfalls fest. In diese Falle ist aber auch der AFBÖ getappt, dem es bei der routinemäßigen Überprüfung dieses Spielers auf „A-Klasse“ bzw. „E-Klasse“ auch hätte auffallen können, dass hier die AFC Vienna Vikings einen Fehler gemacht haben.

Warum diese Causa erst nach vier Monaten nach Beendigung der Meisterschaft dem AFBÖ angezeigt wurde entzieht sich meiner Kenntnis. Warum die AFC Vienna Vikings in erster Instanz mit einer Geldstrafe und in zweiter Instanz – angeblich auf Betreiben eines AFBÖ Vorstandsmitglieds – zusätzlich mit dem Verlust der Staatsmeisterschaft und der Austrian Bowl bestraft wurden, ebenfalls. Dass aber nun ein anderer Verein diesen Staatsmeistertitel 2025 – auf Grund einer Neu-Berechnung des Grunddurchganges 2025 – erhält, finde ich einfach nicht richtig; auch wenn es die Wettspielordnung (WSO) hergibt. Auch deshalb, da in dieser Neu-Berechnung die AFC Vienna Vikings auf dem vorletzten Platz stehen. Für die Auslosung der Meisterschaft 2026 die AFC Vienna Vikings auf einen der oberen Plätze gesetzt wurden.“

Alles in Allem: Ein schwarzer Tag für die AFC Vienna Vikings und wahrscheinlich auch für den Österreichischen Football.

Diese nachträglichen Umwertungen veränderten die Abschlusstabelle nämlich fundamental. Die neue Reihung nach dem Grunddurchgang:

  1. Danube Dragons
  2. Graz Giants
  3. Prague Black Panthers
  4. Swarco Raiders Tirol
  5. Vienna Vikings
  6. Salzburg Ducks

Die Vikings rutschen damit aus den Playoffs – mit Folgen, die weit über den Klub hinausgehen.

Playoffs können nicht nachgeholt werden – Austrian Bowl entfällt

Da die Playoffs längst abgeschlossen waren und organisatorisch wie sportlich nicht mehr rekonstruierbar sind, erklärte der Verband die gesamte Postseason für „nicht mehr nachtragbar“. Das bedeutet: Die Austrian Bowl XL 2025 wird als nicht ausgetragen gewertet. Der Titel wird nicht vergeben.

Für die Staatsmeisterschaft greift der Verband stattdessen auf die Tabelle des Grunddurchgangs zurück. Staatsmeister 2025 sind somit die Danube Dragons – allerdings ohne Endspiel und ohne sportliche Entscheidung am Feld.

Die Entscheidung wirft zahlreiche Fragen an und im Verband auf:
  • Warum fiel der falsch gestellte Spielerpass erst jetzt auf – und nicht während der laufenden Saison?
  • Wie kann ein einzelner Passfehler die gesamte Liga rückwirkend auf den Kopf stellen?
  • Welche Kontrollmechanismen existieren, und warum haben sie versagt?
  • Warum wurde keine alternative Lösung gefunden, um die Playoffs sportlich zu Ende zu bringen?

Die drastische Rückabwicklung des gesamten Playoff-Baums stellt einen Präzedenzfall dar – und bringt den AFBÖ in Erklärungsnot, wie solche administrativen Fehler künftig verhindert werden sollen. Klar ist: Ein sportlich ausgetragener Titel ist 2025 in Österreich nicht zustande gekommen.

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